Hybrid-Event mit Themen für die Praxis

Das Treffen der DGI-Familie findet in Berlin statt – vor Ort oder Online

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Sollte ich diese Versorgung festsitzend machen oder herausnehmbar? Wäre die Krone aus Vollkeramik die beste Lösung? Kann ich bei der Jugendlichen schon implantieren oder sollte ich noch warten? Muss es bei diesem Defekt autologer Knochen sein oder gibt es Alternativen – auf solche Fragen, die sich viele Zahnärztinnen und Zahnärzte täglich in ihrer Praxis stellen, gibt der Event der DGI am 27. und 28. November in Berlin praxisnahe Antworten. Über die Themen und das Konzept dieses neuen dualen Fortbildungsformats der Gesellschaft hat die Redaktion mit den beiden Tagungspräsidenten gesprochen.

Was macht diesen Event besonders?

Prof. Grötz: Die Pandemie hat natürlich alles, was in diesem Jahr stattfindet, einmal durchgequirlt und Änderungen erzwungen, die wir uns vor einem Jahr niemals hätten ausmalen können. Darum ist diese Tagung anders. Manches ist von Nachteil – etwa, dass wir nur 600 Teilnehmer zulassen können, anderes ist von Vorteil, nämlich dass wir lernen, eine Veranstaltung als Hybrid zu entwickeln.

Dr. Hammächer: Wir sind jedoch überzeugt, dass wir unseren Kolleginnen und Kollegen eine spannende Tagung mit praxisrelevanten Themen bieten. Und jeder kann daran nach Gusto teilnehmen. Wer den persönlichen Austausch schätzt, kommt nach Berlin. Wer eine Veranstaltung lieber am Bildschirm verfolgt, kann auf diesem Weg neues Wissen tanken. Nur der Tagungsort hat sich geändert, weil die Rahmenbedingungen im Estrel in Berlin eine höhere Teilnehmerzahl erlauben als in Rust, dem ursprünglich geplanten Tagungsort für unseren Event,

Das Motto des Events lautet: Implantattherapie im Spannungsfeld von Ästhetik, Funktion und Zahnerhalt. Wo würden Sie die Implantologie auf der Fläche dieses Spannungsfeldes positionieren?

Prof. Grötz: Nun, über diese Themen-Dreieck legt sich ein anderes Dreieck, das deckungsgleich ist. Als Querschnittfach verbindet die Implantologie die Themen Ästhetik, Funktion und Zahnerhalt miteinander. Wenn wir Patienten über eine endodontische Behandlung aufklären, gehört dazu auch der Hinweis auf die implantologische Therapie. Diese Vorgehensweise befindet sich derzeit in der Implementierung. Denn Patienten ziehen von sich aus eine Implantatbehandlung erst dann in Betracht, wenn der Zahn fehlt. Darum gehört es zur Aufklärung, auch immer über Alternativen aufzuklären – und zu diesen gehört als etabliertes Verfahren auch eine Implantatversorgung.

Dr. Hammächer: Umgekehrt muss auch eine komplexe Behandlungsplanung in der Implantologie stets die Optionen anderer Fachdisziplinen berücksichtigen, vor allem die parodontologischen und prothetischen. Eine Therapie ist immer individuell, ebenso wie die Präferenzen der Patienten. Der Titel drückt aus, wie unterschiedlich eine implantologische Fall- und Therapieplanung sein kann und welche unterschiedlichen Schwerpunkte sie berücksichtigen muss.

Hat sich das Kräfteverhältnis der Eckpunkte in diesem Spannungsfeld in den letzten Jahren verändert?

Prof. Grötz: Die Eckpunkte ziehen quasi alle mit gleicher Intensität, aber sie entfalten diesen Zug nicht in jedem Fall. Die Ästhetik dominiert vor allem, wenn es um die Oberkieferfront geht. Die Funktion steht im Vordergrund, wenn Patienten im Seitenzahnbereich einen erheblichen okklusalen Verlust haben und der Zahnerhalt spielt die Hauptrolle, wenn wir überlegen, ob dieser Versuch, den Zahn zu retten, im Vergleich zu einer differentialtherapeutischen Alternative wie der Implantologie gerechtfertigt ist.

Dr. Hammächer: Letztendlich macht die Zunahme der Therapieoptionen, die uns seit einigen Jahren zu Verfügung stehen, eine individuelle Behandlungsplanung anspruchsvoller und zunehmend wichtiger.

Am Anfang und am Ende des wissenschaftlichen Programms steht jeweils eine Disputatio. Was unterscheidet diese von den anderen Themen, bei denen zwei unterschiedliche Standpunkte präsentiert werden?

Prof. Grötz: Ich gebe zu, dass dieser Begriff ein bisschen marktschreierisch ist. Die Disputationes sind zwei markante Türme am Beginn und Ende des Events. Es ist aber nicht unser Ziel, dass da die Fetzen fliegen, sondern es geht uns um das gemeinschaftliche Ausloten von Therapiealternativen.

Dr. Hammächer: Wie ein roter Faden zieht sich daher durch den Event die Präsentation unterschiedlicher Therapieoptionen in vergleichbaren klinischen Situationen. Wir wollen bei dieser Tagung zeigen, dass es nicht nur schwarz oder weiß gibt, sondern dass wir unterschiedliche Herangehensweisen haben mit ihren jeweils unterschiedlichen Vor- und Nachteilen, die aber vielleicht auch zu den jeweiligen Patienten besser passen oder den jeweiligen Ansprüchen und Wünschen der Menschen besser gerecht werden. Wir vergleichen auch Therapiekonzepte, die in der Parodontologie evidenzbasiert und wissenschaftlich gut fundiert sind mit Konzepten aus der Implantologie, etwa in der Periimplantitistherapie oder der Rezessionsdeckung, bei denen noch Forschungs- und Entwicklungsarbeit geleistet werden muss.

Dennoch gibt es auch Themen, bei denen Kontroversen programmiert sind. Dazu dürfte das Thema Implantationszeitpunkt bei Jugendlichen gehören.

Prof. Grötz: Das ist sicher ein Thema, über das kontrovers diskutiert wird. Hier geht es nicht darum, was in der Hand eines Spezialisten bei einem ausgewählten Kollektiv funktioniert. Es geht um den soliden Standard für alle. Auch bei der Versorgung des zahnlosen Oberkiefers – ob festsitzend oder herausnehmbar – gibt es berechtigte empirische Überzeugungen von Kolleginnen und Kollegen und es gibt neue Evidenzen aus Studien.

Dr. Hammächer: Spannend wird die Diskussion sicherlich auch beim Thema Augmentationsmaterialien. Es geht um den Goldstandard autologer Knochen und die diversen Ersatzmaterialien. Wenn es um die Materialwahl in der Prothetik geht, können wir ebenfalls eine lebhafte Diskussion erwarten.

Gibt es Themen, bei denen in den letzten zwei Jahren besonders viel Bewegung gegeben hat, was neue Studienergebnisse oder Bewertungen betrifft, und die daher Stoff für Diskussionen liefern?

Prof. Grötz: Viel Dynamik sehen wir im Bereich Rezessionsdeckung an Zahn und Implantat, da erwarte ich mir ein Update des aktuellen Status quo. Bewegung gibt es auch bei den Materialien. Bei den einteiligen Keramikimplantaten ist die Studienlage inzwischen so gut, dass man sie in bestimmten klinischen Situationen empfehlen kann. Bei den zweiteiligen Keramik­implantaten verfügen wir immerhin über erste Kurzzeitstudien, aber wir haben noch keine Langzeitdaten.

Dr. Hammächer: Im Bereich der Ätiologie der Parodontitis und auch der Periimplantitis hat sich ebenfalls viel getan. Darum ist es wichtig, auch die parodontale Situation bei einem Implantatpatienten insgesamt im Blick zu behalten und sich nicht nur auf die Implantate zu konzentrieren. Viel Bewegung ist natürlich auch bei der Implantatprothetik aufgrund der digitalen Entwicklungen.

Sie hatten diesen Event – unabhängig von Corona – schon von Beginn an mit einer ausgeprägten digitalen Komponente geplant. Hat diesden Umbau der Veranstaltung erleichtert?

Prof. Grötz: Wir hatten in der Tat eine Liveübertragung zu verschiedenen Universitäten geplant, als besonderes Angebot an den zahnmedizinischen Nachwuchs. Doch unsere Entscheidung, aufgrund der Pandemie einen komplett dualen Event anzubieten, hat uns dann doch gezeigt, dass dies nochmals ganz andere Anforderungen stellt. Wir planen und organisieren technisch de facto zwei Veranstaltungen. Das ganze Team nimmt eine steile Lernkurve, die mit sehr viel Arbeit verbunden ist.

Inwieweit wird den Bedürfnissen des zahnmedizinischen Nachwuchses nun Rechnung getragen?

Prof. Grötz: Für Studierende ist der Online-Zugang zum Event kostenlos. Auch die Nexte Generation der DGI wird hier aktiv sein. Wir planen auch wieder ein Treffen mit Vertretern und Vertreterinnen der Fachschaften.

Was macht den Event für Praktiker relevant?

Dr. Hammächer: Das Programm unseres Events greift viele Fragen zum individuell besten Therapieweg auf, die sich in der täglichen Praxis stellen. Darum ist unser Event für Praktiker relevant. Es gibt bei der Tagung Antworten auf die Fragen, die man sich auch immer wieder selbst stellt: sollte ich die Versorgung festsitzend oder herausnehmbar gestalten? Ist die Krone aus Vollkeramik die bessere Lösung? Kann ich bei dieser jungen Patienten schon implantieren oder sollte ich noch warten? Muss es bei diesem Defekt autologer Knochen sein oder kann ich in diesem Fall Ersatzmaterialien verwenden, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu bekommen? Wir haben bei unserem Event nicht nur Input zu diesen und vielen anderen Themen der Praxis, sondern auch viel Raum für die Diskussion dieser Fragen.

Warum hat die DGI nicht einfach alle Veranstaltungen 2020 abgesagt und sich auf 2021 kapriziert?

Prof. Grötz: Wir haben die Losung ausgegeben „zurück in die Praxis, zurück in die Fortbildung“. Der erste Teil richtet sich an die Patienten, der zweite an Kolleginnen und Kollegen. Denn ein Jahr ohne Fortbildung ist ein Jahr ohne Zugewinn an Wissen durch den kollegialen Austausch und den Dialog zwischen Praxis und Wissenschaft.


(Stand: 04.09.2020)

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