Fortbildung im Kombipack

Eine Mitgliederumfrage bestätigt das Konzept der DGI-Fortbildung

PDF

Unter dem Motto „Zurück in die Praxis – zurück in die Fortbildung“ drückte die DGI im Juni den Reset-Knopf für ihre Fortbildung. Angepasst an die neuen Rahmenbedingungen der Corona-Pandemie, erfolgte dieser Neustart zweigleisig mit Online- und Präsenzkursen. Dass dies der richtige Weg ist, bestätigen die Ergebnisse einer Umfrage bei den Mitgliedern der Gesellschaft.

„Seit Beginn der Covid-19-Pandemie liegen anstrengende Monate hinter uns, die viel Flexibilität, Geduld und neue Konzepte in Praxen, Kliniken und Laboren erfordern“, erklärt DGI-Präsident Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz (Wiesbaden). Dies gilt auch für das Team der Fortbildung. Fortbildungsreferent Dr. Christian Hammächer (Aachen) und seine Mitstreiter Dr. Norbert Grosse und Sabine Ahlers haben den Lockdown genutzt, um das Fortbildungsangebot der Gesellschaft an neue Rahmenbedingungen anzupassen.

Bereits im März war das „Pandemie-Programm“ der Fortbildung angelaufen. Den Auftakt machte ein Web-Seminar mit dem Dekan der School of Stomatology der Universität von Wuhan, an dem mehr als 9000 Teilnehmer aus dem In- und Ausland teilnahmen. Anfang Juni folgten eine fünfteilige Web-Seminar-Serie sowie zwei Online-Module des DGI-APW-Curriculums Implantologie.

Mitgliederbefragung bestätigt das Konzept. Eine Mitgliederbefragung belegt, dass die DGI-Fortbildung auf dem richtigen Weg ist. Die Befragung zeigt, dass fast zwei Drittel der Teilnehmer Erfahrung mit Online-Fortbildungen haben und deren Nutzen sieht, etwa den Wegfall des Reiseaufwandes, die Unabhängigkeit von Ort und Zeit sowie die Wiederholungsmöglichkeit. Darum können sich 88 Prozent der Online-Erfahrenen auch vorstellen, zukünftig generell oder gelegentlich mehr Online-Angebote zu nutzen.

Mitglieder, die bislang keine Online-Erfahrung haben, sind hier etwas zurückhaltender. Die Mehrheit bescheinigt der Online-Fortbildung zwar ebenfalls einen Nutzen, doch scheint für diese Gruppe der fehlende Reiseaufwand und die Orts- und Zeitunabhängigkeit weniger wichtig zu sein.

Doch bei anderen Fragen zeigt die Umfrage nur geringfügige Unterschiede zwischen den online-erfahrenen und unerfahrenen Mitgliedern. So ist der Mehrheit in beiden Gruppen der unmittelbare Austausch mit Referenten und anderen Teilnehmenden wichtig oder sehr wichtig, wobei dieser Anteil bei den Online-Erfahrenen – möglicherweise aufgrund ihrer Erfahrung – etwas höher liegt.

In beiden Gruppen würden daher jeweils drei Viertel den direkten Austausch mit anderen Kolleginnen und Kollegen und den Referenten vermissen, jeweils 64 Prozent würden die Hands-on-Übungen fehlen. Hier gibt es in der DGI-Fortbildung Überlegungen, die zumindest auf Interesse stoßen: Immerhin wäre knapp die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer in beiden Gruppen bereit, ein Konzept zumindest auszuprobieren, bei dem die Hands-on-Übungen im Web-Seminar demonstriert und zu Hause nachgearbeitet werden.

Für Professor Grötz und Dr. Hammächer, die Tagungspräsidenten des Hybrid-Events am 1. Adventswochenende in Berlin, dürfte ein weiteres Ergebnis der Umfrage eine gute Nachricht sein: 54 Prozent aller Befragten stehen einem Online-Kongress positiv gegenüber und würden ein solches Angebot zumindest ausprobieren.

„Wir müssen alle noch dazulernen“

DGI-Fortbildungsreferent Dr. Christian Hammächer im Gespräch

Sie geben seit vielen Jahren Präsenzkurse in der Fortbildung, inzwischen kommen online Fortbildungen hinzu. Wie unterscheiden sich diese aus Referentensicht?

Der wesentliche Unterschied ist die andere Form der Begegnung. Beim Präsenzkurs schaut man in die Gesichter der Teilnehmer, erhält so non-verbales Feedback. Bei einem Online-Kurs sieht man die Gesichter allenfalls stark verkleinert, man kann sie nicht lesen. Groß sieht man nur das Gesicht jenes Teilnehmers, der gerade spricht, eine Frage stellt oder kommentiert. Kurz: Aus der Referentenperspektive ist die Rückkopplung mit den Teilnehmern bei einer Online-Veranstaltung anders. Das geht aber nicht nur dem Referenten so, sondern allen Teilnehmern. Das beeinflusst natürlich die Dynamik einer Gruppe.

Macht dies ein Online-Seminar anstrengender für den Referenten?

Die Beteiligung der Teilnehmer ist im Vergleich zu einem Präsenzkurs nach meinen Erfahrungen doch etwas geringer. Natürlich kommen auch im Online-Seminar Fragen und Diskussionsbeiträge, aber man hat schon den Eindruck, dass die Rahmenbedingungen eines Web-Seminars die Spontanität mindern. Eine Gruppe, der man unmittelbar gegenübersitzt, kann einen Referenten durch ihre Resonanz tragen, was den Vortrag leichter macht. Reaktionen der Gruppe – etwa auf einen Witz oder eine nicht ganz ernst gemeinte Bemerkung – kommen unmittelbar. Im Online-Kurs ist das nicht so, da die Mikrophone während des Vortrags ausgeschaltet sein sollten, um Störgeräusche zu eliminieren. Darum monologisiert man als Referent eher und das macht es anstrengender. Diese Erfahrung haben auch andere Referenten gemacht. Aber ich denke, dass sowohl Referenten als auch unsere Teilnehmer lernen, mit wachsender Erfahrung mit dieser Kursform immer besser umzugehen.

Was hat Sie positiv überrascht?

Ich gebe zu, dass ich ziemlich skeptisch war. Schließlich ist ein Curriculum-Modul sehr umfangreich, es läuft über zwei Tage und ist nicht nach einer Stunde vorbei. Ich habe mir etwa vorgestellt, dass die Beteiligung geringer sein könnte als sie dann tatsächlich war. Ich habe mir auch vorgestellt, dass die Kolleginnen und Kollegen bei diesem Kurs vermutlich Probleme haben, über diese lange Zeit aufmerksam zu bleiben, was sicherlich nicht einfach ist. Umso größer war meine Freude, wenn man sieht und hört, dass die Gruppe wirklich begeistert und über diesen langen Zeitraum voll bei der Sache war. Es gab sogar den Wunsch, die Pausen zu verkürzen, was ich nicht erwartet hätte.

Wie umfangreich mussten Sie Ihre Präsentation verändern?

Ich habe die Präsentation etwas verändert, indem ich mehr OP-Sequenzen gezeigt habe, um die fehlende Live-Op zu kompensieren. Die fehlenden praktischen Übungen habe ich durch zusätzliche Fotodokumentationen der einzelnen Schritte und Erklärungen soweit möglich ausgeglichen.

Wie gehen Sie an Ihr nächstes Web-Seminar heran?

Ganz sicherlich etwas lockerer und mit dem Wissen, dass wir hier alle noch dazulernen werden, wie wir mit solchen Webkonferenz-Tools in Kombination mit digitalen Lerninhalten besser umgehen und diese effektiv einsetzen können. Schließlich hat es durchaus Vorteile, wenn man als Teilnehmer Reiseaufwand und Kosten sparen und ein Seminar oder bestimmte Passagen nochmals in Ruhe ansehen kann.

Der Vorteil der „4 A-Möglichkeiten“. „Natürlich sind Online-Kurse bei bestimmten Themen kein vollwertiger Ersatz für einen Präsenzkurs, der den Teilnehmern die ‚vier A-Möglichkeiten‘ der Fortbildung bietet: austauschen, anschauen, ausprobieren und auftanken von Wissen“, sagt Dr. Hammächer. Darum fand noch vor Beginn der Feriensaison der erste Präsenzkurs unter angepassten Rahmenbedingungen statt. Ab September folgen bis Jahresende neun Tageskurse. Hinzu kommen zwei Termine für das Doppelmodul „Sedierung und Notfallmanagement in der Implantologie“. „Eine hohe Anpassungsfähigkeit wird auch weiterhin nötig sein“, sagt Dr. Hammächer. „Zwar können wir schon wieder durchaus erfreuliche Buchungszahlen verzeichnen und freuen uns auch auf den großen DGI-Event am 1. Adventswochenende, doch niemand hat eine Glaskugel, mit deren Hilfe wir erkennen können, wie sich Anforderungen und Rahmenbedingungen in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln werden. Wir fahren also nach wie vor auf Sicht.“


(Stand: 04.09.2020)

DGI Nachrichten aktuell

In Memoriam an Karl-Ludwig Ackermann. Ein Nachruf von Prof. Dr. Günter Dhom und Gedenken an einen ganz „Großen“ der Zahnmedizin. 

zum Nachruf an Dr. Ackermann

Aktuelle Ausgabe 3/2020

Im Fokus

  • Kippkonus-Abutment
  • Statine und Bisphosphonate
  • Teleskopierende Hypridbrücke

FORTBILDUNGSANGEBOTE DGI

Die DGI bietet ein umfassendes und überregionales Fortbildungsangebot an. 

WERDEN SIE AUTOR

Sie haben ein spannendes Thema aus dem Bereich der Implantologie und würden gerne einen Artikel dazu in der ZZI veröffentlichen? Dann nutzen Sie unseren Editorial Manager und reichen Sie ihr Manuskript direkt bei uns ein.

Manuskript einreichen