Startup Implantologie

Die DGI auf dem Dental Summer: eine erfolgreiche Premiere und Kontinuität mit Partner-Organisationen

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Schlüsselwörter: DGI Dental Summer 2021 Fortbildung Startup Implantologie

 

Die DGI beteiligte sich mit einer ganztägigen Veranstaltung am diesjährigen Dental Summer am Timmendorfer Strand. Der Startup in die Implantologie war ausgebucht und die Referentinnen und Referenten konnten an der lebhaften Diskussion erkennen, dass ihr Programmangebot gut gemischt war.

Der Dental Summer hatte zum 12. Mal den Nachwuchs mit einer Mischung aus Fortbildung, kollegialem Austausch und Meerluft tanken an die Ostsee gelockt. Die DGI war mit einer ganztägigen Veranstaltung an dem Event beteiligt: Am 18. Juni spannte sich der Themenbogen im „Startup in die Implantologie“ von A wie Alveolenmanagement bis Z wie Zahnersatz. Den 52 Teilnehmenden der ausgebuchten Session servierte das renommierte Expertenteam der DGI Wissen und viele nützliche Tipps, zeigte aber auch Grenzen auf, die Anfängerinnen und Anfänger auf diesem Gebiet unbedingt beachten sollten.

Den Auftakt machte DGI-Vorstandsmitglied Dr. Dr. Anette Strunz (Berlin). Sie hat sich die Nachwuchsarbeit der Gesellschaft auf ihre Fahnen geschrieben und die Veranstaltung auch initiiert. Wie man Risikofaktoren bei Patienten erkennen, reduzieren und vermeiden kann, stand im Mittelpunkt.

Es ist wichtig, schon über Implantate und Knochenangebot nachzudenken, solange der zu entfernende Zahn noch im Munde ist. Wichtig ist hier das „forward thinking“ als Pendant zum „backward planning“, wenn die Entscheidung für eine Implantation gefallen ist. Zunächst gelte es jedoch, so die Expertin, Grenzen zu identifizieren, etwa durch eine gründliche Anamnese. Auch bei langjährigen Patienten sei es wichtig, die Anamnese regelmäßig aufzufrischen. Dr. Strunz: „Ein Patient, der an Prostatakrebs erkrankt ist, wird dies nicht unbedingt von sich aus erwähnen, obwohl es wichtig ist, dies zu wissen, falls er Bisphosphonate bekommt.“

Wenn möglich, sollte man identifizierte Grenzen verschieben, etwa durch die bessere Einstellung eines Diabetes mellitus, die Therapie von Parodontalerkrankungen oder den Versuch, den Patienten zum Rauchverzicht zu bringen. Aber es sei auch wichtig, Risiken zu vermeiden, indem man Grenzen respektiert. Lässt sich eine schlechte Mundhygiene nicht verbessern, erweist sich eine schwere Parodontalerkrankung als nicht beherrschbar. Bei Nikotinabusus, Bruxismus oder starkem Knochenabbau sprach Dr. Strunz von „Kontraindikationen lokaler Art“, dann sollte man Patienten von einer Implantation abraten.

 

Auch zum Thema Zahnentfernung und Alveolenmanagement hatte die Referentin Tipps – angefangen von kleinen Tricks bei der Zahnentfernung bis hin zum Vorgehen, um den Kieferkamm zu erhalten durch Socket- oder Ridge-Preservation. Zum Thema Zahnentfernung empfahl Dr. Strunz, die Krone möglichst zu entfernen und die Wurzel besser kontrolliert zu teilen, als unkontrolliert abzubrechen und die Wurzeln einzeln zu entfernen.

Heilige Lamelle. „Die buccale Lamelle ist heilig!“ Wie es danach weiter geht, entscheidet sich nach der Inspektion der Alveole. Vorteile des Alveolenmanagements ist vor allem der Erhalt von Kontur und Weichgewebe und eine bessere Wundheilung.

Implantate können versagen. DGI-Schriftführer Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas (Mainz) demonstrierte in seinem Vortrag „Implantologie für Einsteiger“ zunächst das Thema Implantatversagen. Zwar sind die künstlichen Zahnwurzeln wissenschaftlich anerkannt und erprobt – Studien belegen hohe „Überlebensraten“ von mehr als 90 Prozent bis zu 20 Jahre –, gleichwohl sind Probleme nicht ausgeschlossen. Gehen Implantate früh verloren oder müssen wieder entfernt werden, ist dies beispielsweise Folge eines OP-Traumas, von Infektionen, von unzureichender Primärstabilität, Überbelastung oder einer Fehlpositionierung, aufgrund eines Planungsfehlers. Auch Knochenerkrankungen sind problematisch, etwa nach einer Bestrahlung oder der Behandlung mit Bisphosphonaten. Aber auch nach Jahren können Implantate noch versagen: eine periimplantäre Entzündung, ästhetische Probleme oder mechanische Komplikationen können auftreten.

 

Als Anfänger sollte man keine Implantate bei Parodontalpatienten setzen, riet Professor Al-Nawas. Denn selbst wenn die Entzündung ausgeheilt ist, gilt: Einmal Parodontalpatient, immer Parodontalpatient. „Ein Rückwärts-Staging gibt es nicht“, so der Experte. Das zeigen auch Untersuchungen: Nach sieben Jahren steigen die Verlustraten bei Parodontalpatienten deutlich an im Vergleich zu gesunden Implantatträgern. Man sollte auch kein Implantat setzen als Anfänger, wenn der Patient mehr als zehn Zigaretten am Tag raucht. Und: „Sofortimplantationen sind generell komplex, also gilt Vorsicht.“ Zu den Fehlern, die es unbedingt zu vermeiden gilt, gehört vor allem auch der Nervenschaden. Kommt man dem Nerv zu nahe, sollte man den Patienten nach etwa drei Stunden anrufen und nachfragen. „Ist dann alles in Ordnung, sind Sie beruhigt und der Patient fühlt sich gut betreut“, betonte der MKG-Chirurg, der alle Implantatpatienten generell nach einem Tag anruft und nach dem Befinden fragt. Um den Stress für Zahnarzt oder Zahnärztin aus dem OP zu nehmen, empfahl Professor Al-Nawas: „Nehmen Sie sich eine Idee der Prothetik mit in den OP, es genügt dafür eine Tiefzieh-Schiene. Der klassische Einsteigerfall sei ein Prämolar und ein Patient mit dickem Gingivatyp.

Um herauszufinden, ob man sich eine Implantation im Einzelfall zutrauen kann, steht das SAC-Tool von ITI zur Verfügung. Dieses helfe sehr strukturiert, die Komplexität und potenzielle Risiken eines Falles abzuschätzen. Und auch diesen Rat hatte Professor Al-Nawas für den Nachwuchs: „Trauen Sie nicht den superschönen Bildern auf den Kongressen. Jeder, der solche zeigt, hat auch Fälle, die hässlich aussehen.“

Keep it simple. PD Dr. Jonas Lorenz (Frankfurt) stellte das Motto „Keep it simple“ über seinen Vortrag, der mit „Schneiden und Nähen“ begann und mit dem Heilungsverlauf und Komplikationen endete. Wichtig sei es, sich mit den Instrumenten vertraut zu machen und die Ausstattung im Praxisteam zu checken. Ebenso gelte es, auf die Hygiene zu achten – und nicht zuletzt Leitlinien und Vorgaben zu befolgen. Man solle nicht an Klingen sparen und es sei wichtig, die Nahttechnik, dem operativen Eingriff anzupassen und atraumatisches Nahtmaterial zu verwenden. Auch anatomische Besonderheiten können Risikofaktoren bei einem Eingriff sein.

 

Man sollte sich nicht von falschem Ehrgeiz im Umgang mit Komplikationen antreiben lassen, so eine Take-Home-Message des Oralchirurgen: Es gelte, Risikofaktoren zu erkennen und darauf zu reagieren. Mögliche Komplikationen müssten beherrscht werden können, und man müsse wissen, wie man reagiert, wenn sie auftreten. Es sei wichtig, das eigene Indikationsspektrum zu beachten und dieses nicht mithilfe von „Tools“ zu erweitern. Mut machte Dr. Lorenz seinen Kolleginnen und Kollegen aber auch: Man wachse an Komplikationen, wenn man damit richtig umgehe.

„Behandeln Sie Implantate nicht wie Zähne“: Kurz und knapp war die zentrale Botschaft von Prof. Dr. Florian Beuer (Berlin), der Ende November von Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz das Amt des DGI-Präsidenten übernehmen wird. Seine zweite wichtige Botschaft für die jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte: „Für den Zahnersatz, etwa Kronen, sind Implantate im Vergleich zu Zähnen Stress pur.“ Darum sei es wichtig, dass die Prothetik das Implantat bestimmt. „Machen Sie ausgehend von der Prothetik zunächst die Planung des Eingriffs, also ‚backward planning‘. Die chirurgischen Maßnahmen müssen so erfolgen, dass die Prothetik passt“, so Professor Beuer. Und er riet dazu, wenn immer möglich, Implantate zu verschrauben.

 

Schwachstelle Prothetik. Denn oft ist die Prothetik die Schwachstelle einer implantatgetragenen Versorgung: Während die Erfolgsraten bei Implantaten inzwischen bei über 99 Prozent nach zehn Jahren und mehr angekommen sind, sind prothetische Misserfolge fünfmal häufiger. Denn der Zahn ist sensibler als ein fest mit dem Knochen verwachsenes Implantat. Ob die Okklusion passt, merkt der Patient bei einem natürlichen Zahn daher schnell. Damit jedoch ein Implantat Druckgefühl vermittelt, muss der Patient acht- bis zehnmal stärker zubeißen. Darum seien auch Keramikabplatzungen das häufigste Problem. Gefolgt mit großem Abstand von Schraubenlockerungen, Retentionsverlust, der Lockerung oder Fraktur des Abutments oder gar einer Implantatfraktur.

Der Experte listete fünf Punkte auf, die für den Erfolg der Behandlung wichtig sind: Erstens, die Patientenselektion, Fallplanung und die Zusammenstellung des Teams, zweitens die Abformtechnik, drittens die Kieferrelationsbestimmung, die bei der Herstellung von implantatgetragenem Zahnersatz extrem wichtig sei, viertens die technische Herstellung, die Materialauswahl, das Okklusionskonzept („Die Gruppenführung ist bedeutsamer als die Eckzahnführung.“) und die Provisorien, die als „therapeutischer Zahnersatz“ das Weichgewebe ausformen. Vor allem die Nachsorge sei natürlich unerlässlich, betonte Professor Beuer. Und er hatte noch einen Rat für den Nachwuchs aus eigener Erfahrung: „Die meisten Misserfolge hatte ich immer dann, wenn ich etwas schnell machen wollte.“

Fünf Partner für Implantologie, Ästhetik, Netzwerk. Bereits seit 2017 läuft in Timmendorf ein stets ausgebuchter Tageskurs mit Hands-on, den mehrere Partner bestreiten: die Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Zahnmedizin (DGÄZ), die DGI und Dentista unter dem Motto „Implantologie, Ästhetik, Netzwerk – wissen, machen, können“. 2021 engagierten sich auch der BdZA und der ICOI Europe. Das Referententeam präsentierte neben zahnmedizinischen Themen auch juristische Aspekte, die für junge Zahnärztinnen und Zahnärzte bedeutsam sind.

 

Positiv kommunizieren. „Das Leben eines Kranken kann nicht nur durch die Handlungen eines Arztes verkürzt werden, sondern auch durch seine Worte oder sein Verhalten.“ Mit diesem Zitat aus der Gründungsschrift der US-amerikanischen Ärztevereinigung begründete Dr. Dr. Anette Strunz die Bedeutung einer positiven Kommunikation und lieferte praktische Beispiele, wie man diese in der Praxis einsetzt. Wichtig sei nicht nur das, was man sagt, sondern auch die nonverbale Kommunikation und die Stimmung und Atmosphäre in einer Praxis, denn der postoperative Verlauf hängt nicht nur vom chirurgischen Trauma, sondern auch vom Angstzustand des Patienten ab.

Es gelte vor allem auf die Kraft der Suggestion zu setzen, der ein Patient immer ausgesetzt ist, sobald er auf dem Behandlungsstuhl sitzt. Zu sagen „Sicherheitshalber sind hier Schmerztabletten, falls sie diese überhaupt brauchen“ ist besser als „Hier sind Ihre Schmerztabletten für später“. Das beeinflusst die Erwartungshaltung des Patienten. Auf der Liste der Tabu-Wörter, die im Behandlungszimmer vermieden werden, stehen bei der MKG-Chirurgin etwa auch Begriffe wie „Zange“. Damit dieses Konzept aufgeht, ist auch die Mitarbeiter-Schulung unerlässlich.

Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas diskutierte mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, was beim Einstieg in die Implantologie wichtig ist und gab einen Überblick über Erfolgsraten und Risiken einer Implantattherapie sowie über Belastungskonzepte, Implantat-Design und das Vorgehen bei der Therapie und mögliche Stolperfallen.

Im Zentrum der Präsentation von Prof. Dr. Dr. Robert Sader (Frankfurt) stand die Augmentation. Die Patientenwünsche sind hier eindeutig: eine naturähnliche Restoration, eine zeit- und kosteneffiziente Behandlung und eine minimal-invasive Therapie. Es folgte ein Überblick über die modernen Konzepte der lokalen Augmentation, mit denen sich diese Wünsche heute erfüllen lassen – beginnend mit dem Alveolen-Management über Guided Bone Regeneration, Bone-Splitting, bis zu intraoralen Block-Transplantaten oder dem Sinuslift. Hinzu kamen Einblicke in die Klassen der Knochenersatzmaterialien.

 

Juristische Themen. Antworten auf berufsrechtliche und andere juristische Fragen hatte RA Carsten Wiedey (Berlin). Es ging etwa um knifflige Aspekte wie die Therapiefreiheit eines angestellten Zahnarztes in einer Praxis, die ein bestimmtes Konzept verfolgt. Hier können die Therapiefreiheit des Behandlers oder der Behandlerin mit der Weisungsgebundenheit des/der Angestellten kollidieren. Dann spielt die Entscheidung des Patienten nach Aufklärung und bei gegebener Indikation die zentrale Rolle. Geht es um die prothetische Versorgung ist der Behandler für die Kommunikation mit dem Labor verantwortlich, der Praxisinhaber für das Honorar und vertragliche Aspekte. Viele Fragen der Teilnehmenden kamen zu haftungsrechtlichen Themen. „Darf man Implantate setzen, ohne dass man es intensiv geübt hat?“ Antwort: Ja, aber besser nicht. Angestellte Zahnärztinnen und Zahnärzte sollten, so eine weitere Empfehlung des Rechtsanwaltes, eine zusätzliche Berufshaftpflicht abschließen und klären, ob es sinnvoll ist, die Implantologie in einen Vertrag zu integrieren. Bei der Abrechnung gelte es zu beachten, dass man Steigerungsfaktoren begründen und Rabatte weitergeben müsse. Und auch wie der Ausstieg aus dem Angestelltenverhältnis rechtlich gelingen kann, war ein intensiv diskutiertes Thema.


(Stand: 02.09.2021)

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