Vergleichende klinische Untersuchung zur Versorgung mit Aluminiumoxid- <br/>und Zirkoniumdioxid-Kronen, befestigt auf Einzelzahnimplantaten

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M. Trautwein1, S. Wentaschek1, H. Scheller1, G. Weibrich1,2

Ziel: Das Ziel der vorliegenden klinischen Untersuchung war es, kurzfristige Ergebnisse von auf Brånemark Implantaten befestigten, seit längerem klinisch verfügbaren vollkeramischen Zirkoniumdioxid-Abutments und Gerüsten (Procera AllZirkon) im Seitenzahnbereich zu analysieren und mit bewährten Aluminiumoxid-Kronensystemen (Procera AllCeram Kronen) im Rahmen einer prospektiv dokumentierten, kontrollierten Humanstudie zu vergleichen.

Material und Methoden: Insgesamt wurden 20 Patienten mit je einer Procera Krone (n = 10 Zirkoniumdioxid, n = 10 Aluminiumoxid) konsekutiv in die Studie aufgenommen. Die in der Abteilung bei prothetischen Neuversorgungen etablierten Routinekontrollen nach zwei Wochen und sechs Monaten nach Eingliederung der Versorgung wurden von allen Patienten wahrgenommen und die Untersuchungsergebnisse prospektiv dokumentiert. Analysiert wurden mögliche Veränderungen der periimplantären Weich- und Hartgewebearchitektur sowie die subjektive ästhetische Gesamtwirkung auf Patient und Behandler (visuelle Analogskala – VAS).

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Aufgrund der vorliegenden Untersuchungsparameter ließ sich eine ähnlich gute Gewebeverträglichkeit für beide routinemäßig verwandten Gerüstmaterialien feststellen. Die Analyse der Befunde der Weichgewebesituation (Papillenindex nach Jemt) zeigte eine tendenziell günstigere Entwicklung in der Gruppe mit Suprakonstruktionen aus Zirkoniumdioxid. Die subjektive Bewertung von Patient und Zahnarzt bezogen auf die Ästhetik zeigte ein sehr gutes Ergebnis für beide Materialien.

Schlüsselwörter: Einzelzahnkrone; Implantat; Vollkeramik; Zirkoniumdioxidkeramik; Aluminiumoxidkeramik; Ästhetik; Gewebeverträglichkeit; CAD/CAM-Technologie; Procera AllZirkon; Procera AllCeram

Einleitung

Patienten erwarten heute von Zahnersatz neben der Wiederherstellung der Funktion auch ein adäquates Ergebnis der dentalen und mukogingivalen Ästhetik. Daher wurde zur besseren Imitation von Lichtleitfähigkeit und Transluzenz natürlicher Zähne in den letzten Jahren eine Vielzahl vollkeramischer Systeme entwickelt. Diskutierte Vorteile dieser Entwicklung sind neben ästhetischen Aspekten auch in verminderter Plaque-
akkumulation zur Prävention entzündlicher Veränderungen der marginalen Gingiva zu sehen [8]. Ein Nachteil voll-
keramischer Restaurationen besteht in der etwas höheren Frakturgefahr im Vergleich zu metallkeramischen Verbundsystemen [3].

Abutments und Vollkeramikkronen, deren Gerüste aus dem später entwickelten Werkstoff Zirkoniumdioxidkeramik bestehen, sollen aufgrund ihres industriell gefertigten Hartkerns über bessere mechanische Eigenschaften im Vergleich zur bewährten Aluminiumoxidkeramik verfügen und somit das Frakturrisiko deutlich reduzieren [11]. Mögliche Nachteile sind aber in den ästhetischen Behandlungsergebnissen durch reduzierte Farbanpassungsmöglichkeiten der Zirkoniumdioxidkronen zu sehen.

Obwohl die neueren Zirkoniumdioxidkronen bereits seit einigen Jahren routinemäßig neben der bewährten Alumi-
niumoxidkeramik in der klinischen Versorgung eingesetzt werden, fehlen bisher weitgehend vergleichende Studien im Hinblick auf mögliche periimplantäre Hart- und Weichgewebsreaktionen sowie resultierende ästhetische Unterschiede. Daher sollten in dieser Studie die Untersuchungsdaten von routinemäßig zur Patientenversorgung eingesetzten Zirkoniumdioxidabutments (Procera Abutment Zirkoniumdioxid) und befestigten Vollkeramikkronen (Procera AllZirkon) im Vergleich zu routinemäßig verwandten vollkeramischen Kronensystemen aus Aluminiumoxid (Procera AllCeram Kronen auf Procera Abutment Aluminiumoxid) analysiert werden. Besonderes Interesse galt dabei der periimplantären Weich- und Hartgewebearchitektur in den ersten sechs Monaten nach Eingliederung der prothetischen Suprakonstruktion sowie den erzielten Resultaten bezüglich der ästhetischen Wirkung auf Patient und Behandler.

Material und Methode

Patientengut

Eingeschlossen in die Studie wurden 20 Patienten (11 männlich, 9 weiblich) im mittleren Alter von 36 Jahren (von 25 bis 61 Jahren) mit bereits osseointegrierten und freigelegten Einzelzahnimplantaten (Brånemark MK III RP mit TiUnite Oberfläche und Außenhexrotationssicherung, Firma Nobel Biocare, Schweden) im Seitenzahnbereich, die zur prothetischen Versorgung überwiesen wurden.

Zehn Patienten wurden mit Procera AllZirkon Kronen auf Procera Zirkoniumdioxid Abutments, die anderen zehn Patienten mit Procera AllCeram Kronen auf Procera Aluminiumoxid Abutments versorgt. Parodontale Sondierungstiefen im Normbereich und eine akzeptable Mundhygiene waren bereits Voraussetzung für die vorangegangene Implantation. Ausschlusskriterien waren analog die in der Implantologie üblichen Allgemeinerkrankungen. Alle zur Implantatversorgung überwiesenen Patienten stimmten der Verwendung der bei den Routineuntersuchungen erhobenen Daten zur wissenschaftlichen Auswertung zu. Zusätzliche Untersuchungen beziehungsweise Untersuchungstermine waren nicht erforderlich. Die Patienten erhielten die Versorgungen mit Abutments und Kronen im Gegenzug kostenfrei.

Die Festlegung, ob die Aufbauteile für den jeweiligen Patienten aus Aluminiumoxid oder Zirkoniumdioxid hergestellt werden, wurde vom Behandler getroffen. Die Zuordnung erfolgte randomisiert (Losverfahren). Die Patienten waren in Bezug auf die verwendete Unterart der beiden routinemäßig verwendeten Keramikmaterialien verblindet.

Die resultierende Aufteilung der beiden Materialgruppen in OK-/UK-Implantate bzw. zum Ersatz von Prämolaren/Molaren ist in Tabelle 1 dargestellt.

Je fünf Implantate mit Procera AllZirkon Kronen auf Procera Zirkonoxid Abutments befanden sich in der Prämolarenregion und in der Molarenregion.

Sechs Implantate mit Procera AllCeram Kronen auf Procera Abutments Aluminiumoxid befanden sich in der Prämolarenregion, vier in der Molarenregion.

Studiendesign und Erstuntersuchung

Bei Erstvorstellung der Patienten beim Behandler erfolgte eine klinische zahnärztliche Untersuchung (Evaluierung der Ausgangssituation)1.

An diesem Termin erfolgte neben einer professionellen Zahnreinigung auch die Polyetherabformung (Impregum, Firma 3M/ESPE, Seefeld) der Implantate (Abformpfosten für offene Abformung mit individuellen Löffeln). Die Farbauswahl erfolgte bei Tageslicht mithilfe des Farbrings Vitapan 3D-Master (Firma Vita Zahnfabrik, Bad Säckingen) durch Behandler und Zahntechniker. Alle Behandlungsschritte und Nachuntersuchungen wurden von demselben behandelnden Zahnarzt durchgeführt.

Herstellung der Abutments und Kronen

Alle vorbereitenden Arbeitsschritte zur Herstellung der Procera-Kronen wurden gemäß Herstellerangaben des Procerasystems im hauseigenen zahntechnischen Labor von demselben Zahntechniker durchgeführt2.

Nach Abtasten der aufmodellierten Situation mit einem Scanner (Procera Piccolo, Nobel Biocare) wurden die Daten in das CAD/CAM-Programm Procera 3D CAD Design (Nobel Biocare) eingelesen. Die so ermittelten geometrischen Daten wurden per Datenfernübertragung zur Herstellung des Abutments an den Hersteller (Nobel Biocare) übertragen. Das Aluminiumoxid- oder Zirkoniumdioxidabutment wurde nach Erhalt vom Techniker nachbearbeitet und zur virtuellen Konstruktion des Kronengerüsts gemäß Herstellerangaben nochmals eingescannt3 und diese Datensätze dann erneut zur Umsetzung der virtuellen Konstruktion in ein keramisches Gerüst übermittelt. Nach Erhalt der entsprechenden Aluminiumoxid- bzw. Zirkoniumdioxidgerüstkappen wurden die entsprechenden Kronen im hauseigenen zahntechnischen Labor alle mit der gleichen Vita VM Verblendkeramik (Vita VM9, Vita Zahnfabrik) verblendet und fertiggestellt.4

Insertion von Abutments und Kronen

Die mitgelieferten, für beide Materialgruppen identischen TorqTite Abutmentschrauben (Nobel Biocare) aller Keramik-abutments wurden den Herstellerangaben folgend mit einem Drehmoment von 35 Ncm fixiert und anschließend die Kronen für beide Gruppen mit dualhärtendem, selbstadhäsivem Kompositbefestigungsmaterial (RelyX Unicem, 3M/ESPE) eingesetzt.

Die Größe und Kontur der Interdentalpapillen neben Restaurationen auf Einzelzahnimplantaten wurde beim Einsetzen der Kronen von bukkal fotografisch erfasst und mithilfe des
Papillenindex nach Jemt [2] abhängig vom Volumen der vorhandenen Papille entsprechend den fünf verschiedenen Stufen kategorisiert (siehe Tabelle 2). In die Wertung einbezogen wurden die Indexwerte der Papillen mesial und distal der Implantate.

Zusätzlich wurde auf einem speziellen VAS(Visueller Analog Skala)-Bewertungsbogen mit skalierten Zahlenwerten entsprechend dem Schulnotensystem5 von „1“ (= „sehr gut“, beste Note) bis „6“ (= „ungenügend“; schlechteste Note) die subjektive Einschätzung durch Patienten und behandelnden Zahnarzt mit dem ästhetischen Ergebnis der Procera Krone hinsichtlich Farbe, mukogingivaler Kontur, Form und Ästhetik evaluiert.

Kontrolluntersuchungen

Routinemäßige Nachkontrollen nach prothetischer Neuversorgung erfolgten an der hiesigen Poliklinik für Prothetik nach zwei Wochen und nach sechs Monaten, wobei bei den entsprechenden klinischen Untersuchungen alle Parameter wie bei der Erstuntersuchung noch einmal evaluiert wurden. Die routinemäßige Röntgenkontrolle der Implantate in Rechtwinkeltechnik erfolgte jedoch dem an der Klinik etablierten Schema folgend erst nach sechs Monaten.

Auch die erneute Bewertung des subjektiven ästhetischen Ergebnisses durch Patient und behandelnden Zahnarzt erfolgte genauso wie die erneute Bestimmung des Papillenindex nach Jemt jeweils nach zwei Wochen und nach einem halben Jahr Gebrauchsphase.

Statistische Methoden

Die Darstellung der so gewonnenen Ergebnisse erfolgte rein deskriptiv, getrennt nach den einzelnen Untersuchungsparametern in Form von Säulendiagrammen und kann aufgrund der verfügbaren Fallzahl nur zur Hypothesengenerierung dienen.

Zur Beurteilung der Reaktion der Gewebe auf die unterschiedlichen Werkstoffe wurde im Rahmen dieser Studie als wesentliches Kriterium die Entwicklung der Papillen im zeit-
lichen Verlauf und nicht deren absoluter Zustand analysiert und beurteilt. Dieser Ansatz wurde gewählt, um möglicherweise vorhandene unterschiedliche weichgeweblich-anatomische Voraussetzungen schon am Tag des Einsetzens zu kompensieren.

Dazu diente die Berechnung der relativen Veränderung des Papillenindex nach Jemt (Abb. 1) über die Zeit (z. B. durch Subtraktion der absoluten Werte des Papillenindex zum Zeitpunkt sechs Monate minus Papillenindexwerte zum Zeitpunkt 0 Monate).

Ergebnisse

I. Klinische und
radiologische Parameter

Von den insgesamt 20 eingefügten Kronen waren alle Restaurationen zum Zeitpunkt der Sechsmonatskontrolle in situ, Frakturen mit Funktionsverlust, Schraubenlockerungen oder Keramikabplatzungen mit Erneuerungsbedarf traten nicht auf.

Auch relative Misserfolge wie Kronenlockerungen durch Dezementierung oder Keramikabplatzungen ohne Erneuerungsbedarf wurden im Untersuchungszeitraum nicht evaluiert.

Alle Patienten gaben weder Schmerzempfinden auf Perkussion noch einen spontanen oder chronischen Schmerz an.

An allen Implantaten wurde zu allen Untersuchungszeitpunkten mehr als 1 mm fixierte Gingiva vestibulär und lingual evaluiert.

Die Periotestwerte lagen in einem Bereich von minus fünf bis plus zwei, alle Implantate wiesen zu allen Untersuchungszeitpunkten einen Lockerungsgrad 0 auf.

Die beiden Gruppen zeigten im Untersuchungszeitraum insgesamt nur geringe Veränderungen hinsichtlich der periimplantären Sondierungstiefen und lagen in ähnlichen Bereichen wie bei den Kontrollzähnen (Aluminiumoxid – vom Tag des Einsetzens bis zur zweiten Kontrolle mesial: Anstieg im Mittel um 0,6 mm; distal: Anstieg um 0,8 mm. Zirkoniumdioxid – mesial: Anstieg um 1,1 mm; distal: Anstieg um 0,5 mm. Referenzzähne an allen Messpunkten: Anstieg < = 0,5 mm).

Der radiologisch messbare Knochenabbau mesial und distal der Implantate unterschied sich zwischen den beiden Gruppen kaum. Mesial: ZrO2 0,2 ± 0,1 mm (Min. 0,1 mm, Max.
0,4 mm), Al2O3: 0,2 ± 0,2 mm (Min. 0,0 mm, Max. 0,5 mm), Distal: ZrO2 0,25 mm ± 0,16 mm (Max. 0,4 mm, Min. 0,06 mm), Al2O3: 0,22 mm ± 0,13 mm (Max. 0,4 mm, Min. 0,0 mm).

Die Verteilung und Entwicklung der Plaqueindices war in beiden Gruppen ähnlich. In beiden Gruppen war ein leichter Rückgang der Plaquehäufigkeit zu erkennen.

Auch der Sulkusblutungsindex war in beiden Gruppen etwa gleich verteilt. In beiden Gruppen war eine leichte Verbesserung der Indices zu erkennen (Al2O3: Mittelwert von 0,8 auf 0,5; ZrO2: Mittelwert von 0,9 auf 0,7). Kein Implantat oder Zahn zeigte Anzeichen einer Mukositis oder einer Periimplantitis/Parodontitis.

Die Lage der Kronenränder verblieb bis auf eine Rezession von 1 mm Breite und einer Ausdehnung von 1 mm in zerviko-apikaler Richtung an einer Procera AllCeram Krone subgingival.

In der Gruppe Zirkoniumdioxid waren niedrigere Absolutwerte bezüglich des Papillenindex nach Jemt vorhanden. Bei der Analyse der Änderungen des Papillenindex nach Jemt bezüglich des gesamten Beobachtungszeitraums zeigten sich nur minimale Unterschiede zwischen Test- und Kontrollgruppe hinsichtlich der Regeneration der Papillen (Abb. 1).

Eine Abhängigkeit der Papillenregeneration vom Sulkusblutungsindex oder vom Plaqueindex war bei der Analyse der zugrunde liegenden Streudiagramme nicht festzustellen.

II. Subjektive Bewertung durch Patient und Behandler

Die Farbe aller Kronen der Al2O3-Gruppe wurde zum Kontrollzeitpunkt nach sechs Monaten von den Patienten mit „sehr gut“ bewertet. In der Gruppe ZrO2 reduzierte sich die Anzahl der Patientenbewertungen „gut“ von vier Fällen am Tage des Einsetzens auf nur einen Fall bei der Kontrolle nach sechs Monaten. Alle restlichen Bewertungen waren auch hier „sehr gut“.

In der Aluminiumoxidgruppe bewertete der behandelnde Zahnarzt die Farbe der Suprakonstruktion (jeweils zu allen Zeitpunkten) in einem Fall mit „gut“ und in neun Fällen mit „sehr gut“. In der Gruppe „Zirkoniumdioxid“ wurde die Farbe bis auf eine „gute“ Bewertung am Tag des Einsetzens mit „sehr gut“ bewertet. Nach zwei Wochen und nach sechs Monaten wurde ausschließlich die Note „sehr gut“ vergeben.

Bei der Bewertung der Form der klinischen Krone durch die Patienten für die Gruppe Aluminiumoxid wurde die Note „3“ nur in einem Fall, dann aber zu allen drei Zeitpunkten vergeben. „Gut“ wurde für die Form der Kronen von Patienten in drei Fällen zum Zeitpunkt des Einsetzens sowie in einem Fall bei der Zweiwochenkontrolle und in zwei Fällen nach einem halben Jahr bewertet. Alle anderen Bewertungen zu den verschiedenen Zeitpunkten lauteten „sehr gut“.

In der Gruppe Zirkoniumdioxid wurde bei der Patientenbewertung am Tage des Einsetzens und zur Kontrolle nach zwei Wochen hälftig die Note „1“ und „2“ vergeben. Nach einem halben Jahr erhöhte sich die Anzahl der Patientenbewertungen „sehr gut“ auf sieben Fälle, bei drei Bewertungen mit „gut“.

Die Form der Suprakonstruktion wurde durch den behandelnden Zahnarzt in der Gruppe „Aluminiumoxid“ immer mit „1“ bewertet. Die Suprakonstruktionen auf Zirkoniumdioxidbasis wurden am Tage des Einsetzens in vier Fällen mit „gut“ bewertet, danach jeweils in drei Fällen. In allen anderen Fällen fiel die Bewertung „sehr gut“ aus.

Die Bewertung der mukogingivalen Kontur durch die Patienten fiel in der Gruppe Zirkoniumdioxid schlechter aus als in der Aluminiumoxidgruppe (siehe Abb. 2), was sich auch in der Bewertung durch den Zahnarzt widerspiegelte, wenn auch nicht so deutlich wie in der Bewertung durch die Patienten
(siehe Abb. 3).

Auch bezüglich der ästhetischen Gesamtwirkung wurden in der Gruppe Zirkoniumdioxid von Patienten und vom Zahnarzt im Vergleich zur Aluminiumoxidgruppe häufiger schlechtere Noten vergeben (Abb. 4).

Insgesamt wurden in der Aluminiumoxidgruppe von den Patienten nur die Noten „1“ und „2“ vergeben. Dabei erhöhte sich die Anzahl der „sehr guten“ Bewertungen von anfänglich sechs auf sieben und schließlich auf neun Fälle. In der Gruppe Zirkoniumoxid wurden zu den ersten beiden Erhebungszeitpunkten je zur Hälfte die Noten „gut“ und „sehr gut“ vergeben. Nach einem halben Jahr verbesserte sich zwar die Bewertung der Gesamtwirkung der Ästhetik in zwei Fällen von „gut“ auf „sehr gut“, ein Patient änderte jedoch seine „gute“ Bewertung in „befriedigend“.

Restaurationen auf der Basis von Aluminiumoxid bewertete der Zahnarzt in der ästhetischen Gesamtwirkung am Tage des Einsetzens in drei Fällen als „gut“. Nach zwei Wochen fiel eine Bewertung „gut“ aus, bis nach einem halben Jahr alle Bewertungen auf „sehr gut“ stiegen (Abb. 5). Kronen auf Zirkoniumoxidbasis wurden zu allen Zeitpunkten in zwei Fällen mit „gut“ und in acht Fällen mit „sehr gut“ in der ästhetischen Gesamtwirkung beurteilt.

Diskussion

Erst in jüngerer Zeit werden zunehmend auch ästhetische Gesichtspunkte als Kriterien für den Implantaterfolg, sowohl von Patienten als auch von Autoren etablierter Erfolgskriterien für Implantatversorgungen, herangezogen.

Ausgehend von den Erfolgskriterien von Jahn, M. und
d’Hoedt, B., 1992 und Naert, I. et al., 1992 [1, 5], die eine subjektive positive Patientenbeurteilung des Implantats als
Voraussetzung für den Implantaterfolg verlangen, musste kein im Rahmen dieser Studie analysiertes Implantat als Misserfolg gewertet werden. Alle Patienten unseres Kollektivs zeigten sich ausreichend zufrieden (Note „2“ und „3“) oder sehr zufrieden (Note „1“) mit der Gesamtwirkung der Ästhetik.

Beide verwendeten Materialien zeigten hinsichtlich der resultierenden Funktion und des Gesamterfolgs der Implantatversorgung vergleichbare Ergebnisse. Hinweise periimplantärer hart- oder weichgeweblicher Schädigung durch eine der beiden untersuchten Materialien konnten die analysierten Parameter nicht aufzeigen. Die Papillen an den Abutments aus Zirkoniumdioxid scheinen in der vorliegenden Studie gemessen an den relativen Veränderungen des Papillenindex nach Jemt tendenziell häufiger und diskret größer zu regenerieren als in der Aluminiumoxidgruppe. Der Mittelwert der Absolutwerte sank (und verbesserte sich damit) über den gesamten Beobachtungszeitraum in der Gruppe mit Aluminiumoxidsuprakonstruktionen um den Wert 1,05, in der Gruppe Zirkoniumdioxid um 0,95. Die Entzündungsparameter und Mundhygieneparameter (Sulkusblutungsindex und Plaqueindex nach Mombelli) zeigten keinen Hinweis auf unterschiedliche Gewebeverträglichkeit als Ursache der geringen Diskrepanz in diesem Punkt. Die bei oberflächlicher Betrachtung scheinbar evaluierten vorhandenen geringen Unterschiede in der Papillenreaktion lassen sich bei genauer Betrachtung auf initial vorhandene Unterschiede in der anatomischen Ausgangssitua-
tion zurückführen. Bei detaillierter Datenanalyse und Fokussierung auf den zeitlichen Verlauf der weichgeweblichen Veränderungen konnte in der vorliegenden Studie in beiden untersuchten Gruppen ein positiv zu bewertender und ähnlicher Anstieg der Werte des Papillenindex nach Jemt festgestellt werden. Das Ausmaß der Papillenentwicklung beider Gruppen passt zu den Ergebnissen von Jemt, der keramisch verblendete Kronen mit Metallgerüst auf Abutments aus Titan untersucht hat [2].

Die subjektive Beurteilung der Kronenfarbe bildete einen Schwerpunkt der Studie, da Zirkoniumdioxid im Vergleich zu Aluminiumoxid laut aktueller Literaturbeschreibung durch dessen geringere Lichtdurchlässigkeit „gewisse ästhetische Einschränkungen mit sich bringt“ [7]. Entgegen der Erwartung sind bei der Beurteilung der Farbe der Restaurationen überwiegend „sehr gute“ Noten vergeben worden. Klinisch für den Patienten oder den Behandler zu erkennende „ästhetische Einschränkungen“ des Materials Zirkoniumdioxid sind hier nicht evaluiert worden.

Bei der subjektiven Bewertung bildete auch die Dynamik der mukogingivalen Kontur einen Schwerpunkt, da bei einer schlechteren Bioverträglichkeit eines der Werkstoffe mit einer negativen Entwicklung der periimplantären Weichgewebe zu rechnen sein sollte [4]. Die Analyse der subjektiven Bewertungen sowohl durch die Patienten als auch durch den Zahnarzt zeigt in beiden Gruppen jedoch eine positive Entwicklung. Dies korreliert auch mit der Zunahme des Papillenindex nach Jemt ebenfalls für beide Gruppen.

In der subjektiven Beurteilung der ästhetischen Gesamtwirkung schneidet die Gruppe mit Kronen auf Zirkoniumoxidbasis sowohl in der Wertung durch den Zahnarzt als auch aus der Sicht der Patienten leicht schlechter ab. Es ist zwar offensichtlich, dass Zirkonoxidkeramiken eine sehr helle, weiße Farbe mit einem Brechungsindex von 2,15 bis 2,18 zeigen, während Aluminiumoxid mit einem Brechungsindex von 1,64 eine Farbe ähnlich jener von Elfenbein und damit „zahnähnlicher“ erzeugt [6]. Durch ausreichende Gingivaabdeckung der opaken Keramikoberfläche des Abutments durch die subgingivale Lage des Abutmenthalses kann es jedoch nur zu einer sehr geringen farblichen Beeinträchtigung der Gingiva kommen. Der Einfluss des Gerüstkäppchens auf die Farbe der Krone war durch die sehr gut deckende Verblendungskeramik ebenfalls nur gering ausgefallen [9], da durch entsprechende Präparation eine ausreichende Schichtstärke der Verblendkeramik gewährleistet wurde. Der Grund für die ungünstigere Wirkung ist somit nicht in den „ästhetischen Einschränkungen“ [7] durch die geringere Lichtdurchlässigkeit des Werkstoffs Zirkoniumoxid, sondern in den bereits beschriebenen unterschiedlichen anatomischen Voraussetzungen der Ausgangsbefunde zu suchen, wodurch eine ungünstige Form der klinischen Krone nicht zu vermeiden war.

Hinsichtlich Gewebeverträglichkeit und ästhetischen Ergebnisses (sowohl für objektive als auch subjektive Parameter) sind aus den Daten dieser Studie bei theoretisch gleichen anatomischen Hart- und Weichgewebsverhältnissen für beide untersuchten Materialien im Sechsmonatszeitraum ähnliche Resultate abzuleiten. Interessant wäre eine erneute Beurteilung nach etwa fünf bis zehn Jahren, wenn physiologischer Knochenabbau zu resultierender Gingivarezession geführt haben wird und Teile der Abutments sichtbar werden. Auch wäre auf Basis der jetzt vorliegenden Daten eine analoge Untersuchung im Frontzahnbereich denkbar und sinnvoll, da in dieser Re-
gion Aspekten wie Farbe und Transluzenz noch größere subjektive Bedeutung zukommt und die Rekonstruktionen dort für den Patienten auch optisch sehr viel besser kontrolliert und beurteilt werden könnten.

Die Schlussfolgerungen dieser Studie gelten nur hinsichtlich des hier untersuchten Kollektivs und können ohne erneute Evaluation nicht automatisch auf andere und/oder größere Kollektive übertragen werden.

Schlussfolgerung

In der vorliegenden Studie lieferte das in der Routine-Patientenversorgung eingesetzte Material Zirkoniumdioxid als Werkstoff für Abutment und Gerüstkäppchen von vollkeramischen Einzelzahnkronen auf Implantaten im Seitenzahnbereich für das vorliegende Untersuchungsintervall in Bezug auf periimplantäre klinische und röntgenologische Befunde, aber auch bei der objektiv-skalierten (Papillenindex nach Jemt) und subjektiven ästhetischen Gesamtbewertung Ergebnisse, die in der Größenordnung der analog behandelten Aluminiumoxidgruppe liegen.

Acknowledgement

Die Studie wurde von der Firma Nobel Biocare, Göteborg, Schweden, durch kostenlose Bereitstellung von Abutments und Gerüstkappen unterstützt.

Korrespondenzadresse

Dr. Mark Trautwein

Poliklinik für zahnärztliche Prothetik

(Direktor: Univ.-Prof. Dr. H. Scheller)

Universitätsklinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Augustusplatz 2

55131 Mainz

Tel.: +49 6131 / 17-3062

Fax: +49 6131 / 17-5517

E-Mail: trautwein@prothetik.klinik.uni-mainz.de

Literaturverzeichnis

1. Jahn M, d’Hoedt B: Zur Definition des Erfolges bei dentalen Implantaten. Z Zahnärztl Implantol 1992;8:221–226

2. Jemt T: Regeneration der Gingivapapillen nach Einzelzahn-Implantatversorgung. Internat J Parodontol Rest Zahnheilk 1997;17:307–313

3. Knode H, Sorensen J-A: Fracture strength of ceramic single tooth implant restorations. J Dent Res 1992; 71:115

4. Kunzelmann K-H, Pospiech P: Vollkeramik – eine Standortbestimmung. Zahnheilkd Managem Kult 2005;5:337–343

5. Naert I, Quirynen M, van Steenberghe D, Darius P: A six-year prosthodontic study of 509 consecutively inserted implants for the treatment of partial edentulism. J Prosthet Dent 1992;67: 236–245

6. Neugebauer J, Gehrke P, Karapetian VE, Schuler M, Severin RM, Zöller JE: Ästhetische Implantatversorgung mit Implantataufbauten. ZWR 2004;9: 403–409

7. Pröbster L, Groten M: Vollkeramische Restaurationsysteme für die zahnärzt-liche Praxis. Ästhetische Zahnmedizin 2006;3:8–15

8. Scarano A, Piattelli M, Caputi S, Favero GA, Piattelli A: Bacterial adhesion on commercially pure titanium and zir-
konium oxide disks: an in vivo human study. J Periodontol 2004;75:292–296

9. Vita Zahnfabrik GmbH: Vita VM9, Verarbeitungsanleitung. Bad Säckingen, Vita Zahnfabrik GmbH 2003

10. Wolf HF: Parodontologie. Stuttgart, Thieme Verlag 2004

11. Zahran M, El-Mowafy O, Watson P,
Finer Y: Bruchfestigkeit und Ermüdungsresistenz von CAD/CAM-produzierten Reinkeramikkronen im Molarenbereich. J Prosthodont 2008;17: 370–377

Fussnoten

1 Poliklinik für zahnärztliche Prothetik (Direktor: Univ.-Prof. Dr. H. Scheller), Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Augustusplatz 2, 55131 Mainz

2 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Dr. W. Wagner), Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Augustus-
platz 2, 55131 Mainz

DOI 10.3238/ZZI.2010.0367

1 Diese umfasste die Erhebung von Sondierungstiefen, Plaqueindex, Sulkusblutungsindex, Vitalität, Perkussion, Mobilität, Spontanschmerz, Lage und Sondierbarkeit von vorhandenen Kronen sowie Breite der fixierten Gingiva der mesial und distal des Implantats angrenzenden natürlichen Zähne (durch Freilegungsoperation der Implantate durch Lappenplastik gegebenenfalls verändert) und an einem kontralateral liegenden Kontrollzahn. Die Sondierungstiefe wurde mit einem stumpfen Parodontometer PCP 15 UNC (Universität North Carolina) der Firma Hu-Friedy™ (USA) unter geringem Kraftaufwand von ca. 0,20–0,25 N ermittelt. Der Behandler wurde vor Beginn der Messung kalibriert (Waage). Dabei wurde die Sonde möglichst parallel zur Implantatachse in den Sulkus geführt [10]. Diese Untersuchung umfasste zusätzlich die Erhebung der Periotestwerte (Periotest-Gerät, Firma Siemens AG, Bensheim) des Implantats sowie eine Röntgenzahnfilmaufnahme in Rechtwinkeltechnik.

2 Die Modellation wurde unter Verwendung eines Modells mit Schleimhautmaske so vorbereitet, dass das fertige Abutment mit einer ausgeprägten Hohlkehle (Schleifkörper: abgerundeter zylindrischer Diamantschleifer) in einer Breite von ca. 0,8 mm nachpräpariert werden konnte. Das zu präparierende Abutment wurde okklusal um 2 mm reduziert, damit bei einer Gerüststärke von 0,4 bis 0,7 mm ausreichend Platz für die Keramikverblendung geschaffen war. In Abhängigkeit von der verbliebenen Abutmenthöhe wurde die Modellation für einen Präpara-tionswinkel von 5° bis 15° vorbereitet. Mit Hilfe der Gingivamanschette des Meistermodells konnte die Präparationsgrenze um 0,5 bis 1,0 mm nach subgingival verlagert werden.

3 Schichtdicke und Form des Kronengerüsts wurden gemäß Herstellerangaben auf 0,4 mm (Procera AllCeram, Prämolarenregion), 0,6 mm (Procera AllCeram,
Molarenregion) und 0,7 mm (Procera AllZirkon) festgelegt.

4 Abschließend wurden die Procera AllCeram Kronen im Fügebereich mittels Korundstrahlung angeraut. Bei den Procera AllZirkon Kronen war dies nicht notwendig, da die Zirkoniumdioxidkäppchen aufgrund der hohen Festigkeit schon werkseitig mit ausreichender Rauheit hergestellt worden waren.

5 Die Ergebnisse der Visuellen Analogskala wurden durch lineare Transformation auf sechs Kategorien reduziert.


(Stand: 18.03.2011)

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