„Implantologie 2020“ ? Ergebnisse eines ÖGI-Workshops wurden beim diesjährigen Treffen in Fuschl vorgestellt

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Auf der diesjährigen ÖGI-Tagung in Fuschl vom 4. bis 5. November wurden in einem Vortragsblock die Ergebnisse des zweitägigen ÖGI-Treffens in Saalfelden vom Mai 2011 präsentiert. Im Frühling machten sich die jüngeren Mitglieder der Gesellschaft Gedanken, wie sich die Implantologie und die damit verbundenen wissenschaftlichen Disziplinen bis ins Jahr 2020 verändern werden und welche Rolle dabei eine nationale Gesellschaft wie die ÖGI spielt. Die Vorlage zu diesem Wochenende in Saalfelden bildete ein Treffen der European Association for Osseointegration (EAO) im Juli 2010, wo auf internationaler Ebene ähnliche Themen diskutiert wurden. Der Einladung des Vorstandes der ÖGI folgten Teilnehmer aus ganz Österreich, die sich in diesen beiden Tagen sowohl auf fachlicher als auch auf persönlicher Ebene kennen lernten. Damals wurden zu Beginn alle Teilnehmer mittels „Los“ in Gruppen eingeteilt, um eine zufällige Aufteilung der Teilnehmer zu gewährleisten. Es wurden Gruppen zu den Themen Chirurgie, Prothetik, Aus- und Weiterbildung und zum Forschungsschwerpunkt des Tissue Engineering gebildet. Im Gegensatz zu klassischen Kongressen und Seminaren wurde auf frontale Vorträge verzichtet ? alle konnten sich zu den Themen einbringen. So stellten alle Gruppen am Ende des ersten Tages ihre Konzepte und Ideen vor. Es folgte eine rege Diskussion. Im Vordergrund stand immer die Frage, was umgesetzt werden kann und was jeder Einzelne und eine Gesellschaft wie die ÖGI dazu beitragen kann. In Fuschl wurden diese erarbeiteten Zukunftskonzepte und Ideen von den Sprechern jeder Gruppe präsentiert.

So stellte Dr. Christoph Arnhart aus Wien die Ergebnisse der „Aus- und Weiterbildungsgruppe“ vor. Dieses Thema tauchte in vielen Gruppen auf und stand in Saalfelden immer wieder im Mittelpunkt hitziger Diskussionen. Die Grundlage für die ausführlichen Ergebnisse bildete ein Diskussionsmodus, das so genannte „Worldcafe“. Der Sinn des Diskussionsforums „Worldcafe“ war es, möglichst rasch mit möglichst vielen Teilnehmern ein Thema zu erarbeiten. So waren jeweils fünf bis sechs Teilnehmer an einem Tisch von den unterschiedlichen Diskussionsleitern geladen und diskutierten basierend auf den bisherigen Ergebnissen. Die „Tischrunden“ liefen parallel und dauerten 20 Minuten bis die Teilnehmer den Tisch wechselten. Anfangs stand der Status quo der Ausbildung im Vordergrund. Es wurde festgehalten, dass der Grundstein des Wissens im Studium gelegt werden sollte, wie es auch bisher an den Universitäten üblich ist. Die Aufgabe der Universitäten ist es und wird auch zukünftig darin liegen, die Studierenden mit einfachen implantologischen und prothetischen Planungen und Lösungsvorschlägen an die Thematik heranzuführen. Ein weiterer Schritt nach dem Studium wäre eine fundierte Ausbildung, die sowohl auf universitärer Ebene als auch im Rahmen von implantologischen Gesellschaften wie der ÖGI stattfinden kann. Es wurde dabei ein zertifiziertes Curriculum andiskutiert, das sicherlich nicht nur die theoretische Implantologie, Prothetik und Parodontologie umfasst sondern auch eine vertiefende Ausbildung, die manuelle Fähigkeiten rund um diese beiden Fachgebiete einschließt.

Dr. Stephan Acham aus Graz zeigte die Ergebnisse zum Thema Chirurgie und welche Entwicklungen in Zukunft zu erwarten sind. Was die Operationstechniken betrifft, so wird der Trend zu minimalinvasiven Operationsmethoden weiter anhalten, die Planungsmethoden vereinfachen und die Fehlerquellen verringern. Indikationserweiterungen durch die Beseitigung überholter Dogmen machen neue Standards, die natürlich auch einer fundierten wissenschaftlichen Überprüfung bedürfen, notwendig.

Ein Schwerpunkt in der „Chirurgie Gruppe“ lag in der Bedachtnahme auf die demographische Entwicklung und wie sich diese auf das Behandlungskonzept und zukünftige chirurgische Entscheidungen auswirkt. Mit der Zunahme des Patientenalters steigt auch die Anzahl der Patienten, die sowohl unter altersassoziierten Erkrankungen leiden als auch Medikamente einnehmen, was wiederum die Behandlungsplanung beeinflusst. Möglicherweise erfordert dieser Wandel eine Anpassung der Implantat-Guidelines und der prothetischen Konzepte speziell für alternde Patienten. Im Hinblick auf die demographische Entwicklung wurde auch die Problematik der steigenden Zahl unterschiedlicher am Markt befindlicher Implantatsysteme und deren Verfügbarkeit nach Jahrzehnten angesprochen. Wäre da die Standardisierung einzelner Teile eine mögliche Lösung?

Die „Gruppe Prothetik“, vertreten durch Dr. Gabriella Dvorak aus Wien, präsentierte die Ergebnisse mit der Frage, was sich in der Prothetik bis 2020 verändern wird. Die provokante Frage war: Brauchen wir 2020 überhaupt noch einen Chirurgen? Sinn dieser provokanten Aussage war es zu zeigen, dass es in Zukunft notwendig sein wird, einen „Allround-Implantologen“ zu implementieren. Ziel ist es sowohl auf dem Gebiet der Implantatchirurgie als auch auf den Gebieten der Prothetik und Parodontologie, ein vertiefendes Fachwissen zu erlangen. Es besteht kein Zweifel, dass zur Schaffung und zum Aufbau von Hart- und Weichgewebe vor einer Implantation dafür spezialisierte Behandler notwendig sind. Das Wissen allein macht keine guten Chirurgen aus, da die Routine einen Hauptanteil des Behandlungserfolges ausmacht. Es wird unumgänglich bzw. ein wünschenswertes Konzept der Zukunft sein, dass Patienten von mehreren Spezialisten betreut werden. Die Kommunikation unter den Behandlern und das fachliche Grundwissen des Gegenübers werden die Voraussetzungen sein, um einen optimalen Behandlungserfolg zu gewährleisten.

Die Ergebnisse der Tissue-Engineering-Gruppe wurden von Dr. Ulrike Kuchler aus Wien vorgestellt. Nach einer Analyse der bisherigen Möglichkeiten dieser Technologie war klar, wo heutzutage unsere Grenzen liegen. Große knöcherne Defekte und auch Weichgewebe führen nach wie vor zu Problemen. Wünschenswert wäre es, wenn zukünftige Materialien eine sichere Regeneration großer knöcherner Defekte gewährleisten könnten und Materialien zur Augmentation von Weichgeweben entwickelt werden würden. Neben diesen Anforderungen stehen sowohl die leichte Verfügbarkeit und Anwendung als auch der Preis und die Langzeitstabilität im Vordergrund. Die Gruppe kam zu dem Schluss, dass Wünsche alleine nicht zur Entwicklung neuer Materialien führen und stellte daher das Konzept einer „Task Force“ vor: ein Netzwerk unterschiedlicher Forschern, die mit Hochdruck an dieser Entwicklung arbeiten. Das Ziel soll sein, das Wissen von In-vitro- bis hin zu In-vivo-Experimenten so schnell und sicher wie möglich an der Klinik umzusetzen. Ideal wäre es, wenn der finanzielle Forschungsaufwand durch die Vermarktung der Produkte gedeckt würde.

Mit der Durchführung dieser Veranstaltung konnte die ÖGI zeigen, dass auch eine nationale Fachgesellschaft an der Entwicklung und Umsetzung von Ideen beteiligt sein kann. Die Zusammenführung von Klinikern und Forschern und das gegenseitige Kennenlernen waren wichtige Schritte für das Erstellen zukünftiger Konzepte und Ideen.

 

Ulrike Kuchler (Wien), Martin
Lorenzoni
Graz), Michael Payer (Graz), Werner Zechner (Wien)


(Stand: 24.11.2011)

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