Neue Wurzeln schlagen für Sicherheit und Patientenvertrauen

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Die ImplantatüÜberlebensraten von deutlich über 90 Prozent in einem Zeitraum von zehn Jahren sind eindeutig. Haben wir also nicht allen Grund zur Zufriedenheit? Es dürfte einige Bereiche in der (Zahn-)Medizin geben, die uns um solche Therapieergebnisse beneiden. Müssen wir uns deshalb überhaupt noch Gedanken machen über die täglichen Anwendungen der Implantate, beispielsweise auch in der allgemeinzahnärztlichen Praxis?

Ich finde schon! Schließlich bleiben weiterhin hoch brisante Fragen offen: Welche Konzepte haben sich in den vergangenen Jahrzehnten in der Implantologie wirklich bewährt? Wie sicher ist also die Implantattherapie im Allgemeinen und wie gut sind die vielen neuen Konzepte im Speziellen? Was sind die Alternativen?

Bei der Suche nach Antworten auf diese Fragen ist die Rückbesinnung auf die Wurzeln unserer Fachrichtung und ihrer Ziele hilfreich. Die Organisatoren der Dreiländertagung in Bern haben diese Rückbesinnung darum verdienstvollerweise zum Motto des Kongresses gemacht: „back to the roots“.

Gemeint ist damit aber sicherlich nicht, sich auf die Anfänge der Perio-Implantatprothetik zu besinnen. Unsere Wurzeln reichen tiefer.

Bei der Therapieentscheidung zum Implantat, zum Knochenaufbau, zur Weichgewebevermehrung und zum implantatgestützten Zahnersatz müssen wir uns an den nach wie vor geltenden Regeln der konventionellen Therapieformen orientieren.

Die Entwicklungen in der Parodontologie und Endodontologie haben dazu beigetragen, den natürlichen „Zahnbestand“ längerfristig und erfolgreicher zu stabilisieren. Die Möglichkeiten dieser Verfahren sind damit auch die „First-Line“-Differentialtherapien zum Implantat.

Ist aber die Extraktion eines Zahns unumgänglich, gilt das Implantat mit der Implantatprothetik heutzutage häufig als „alternativlos“ – weil auch von Patienten gewünscht.

Dann müssen andere Entscheidungskriterien herangezogen werden, um die individuell richtige Therapieentscheidung zu treffen. Dies setzt ein umfängliches Wissen über Diagnostik, Therapieplanung und die Durchführung der Implantation voraus. Dieses Wissen sowie die vorhandenen Unsicherheiten und offenen Fragen gilt es, immer wieder zu vermitteln.

Wie sicher ist ein Implantat im sonst parodontopathogen geschädigten Gebiss? Ist ein Kieferkammaufbau „kurzen“ Implantaten vorzuziehen? Diese Fragen sind noch nicht gänzlich geklärt, es fehlt an verlässlichen Evidenzen. Auch das Thema festsitzender versus herausnehmbarer Zahnersatz sorgt für Kontroversen.

Last but not least endet unsere Diagnostik schon lange nicht mehr am Parodont. Medizinisch aufwändige Anamnesen, komplementär-medizinische Betrachtungsweisen und Argumente gegen eine Implantation müssen bedacht werden.

Solange ein Restrisiko besteht, dass unser Patient eventuell „Schaden“ durch unsere implantologische Tätigkeit nehmen könnte, müssen wir weiter forschen, um möglichst viele Unwägbarkeiten auszuschließen.

Ohne das Bewährte zu verlassen, müssen wir immer wieder auch neue Wurzeln schlagen, um ein Höchstmaß an Sicherheit und Patientenvertrauen zu erlangen.

Möge der „Berner Kongress“ dazu beitragen, „Mehr-Wissen“ für unsere tägliche Implantattherapie zu erlangen.

Hopp Schwiiz!!

 

Ihr

 

Dr. Karl-Ludwig Ackermann


(Stand: 28.11.2012)

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