Prospektive Fünf-Jahres-Verlaufsstudie definitiver Sofortversorgungen zahnloser Patienten mittels eines intraoral verschweißten Titan-Gerüsts<div class="titleEnglish"/>

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M. Degidi1, D. Nardi2, A. Piattelli3

Zielsetzungen: Ziel dieser prospektiven Studie war die Beurteilung der Eignung des Konzepts intraoralen Schweißens als Verfahren zur Eingliederung einer endgültigen Zahnersatzversorgung für zahnlose Patienten am Tag der Implantatinsertion.

Materialien und Methoden: Alle Patienten mit vollständig unbezahntem Kiefer erhielten eine festsitzende Restauration, verstärkt durch ein intraoral verschweißtes Titangerüst. Auf den Implantaten wurden definitive Abutments fixiert und anschließend mit einem Gerät zum intraoralen Schweißen mit einem Titansteg verschweißt. Dieses Gerüst diente zur Verstärkung der endgültigen Versorgung aus Kunststoff, die noch am Tag der Implantatinsertion eingegliedert wurde. Zahnersatz und Implantaterfolg, mittlerer marginaler Knochenverlust, Sondierungstiefe und Sondierungsblutung wurden über einen Zeitraum von 60 Monaten hinweg nachuntersucht.

Ergebnisse: 36 Patienten mit einem unbezahnten Oberkiefer und 44 Patienten mit einem unbezahnten Unterkiefer, mit einem durchschnittlichen Alter von 58,1 ± 16,8 Jahren (n = 80), wurden nacheinander mit 320 sofortbelasteten Implantaten versorgt. Es traten keine Brüche oder im Röntgenbild erkennbare Veränderungen des verschweißten Gerüsts auf. 317 (99,06 %) der Implantate waren osseointegriert und bei der Nachuntersuchung nach 6 Monaten klinisch stabil. Bei der Nachuntersuchung nach 60 Monaten betrug der kumulierte mittlere marginale Knochenverlust bei den Oberkiefer-Fällen 0,967 mm ± 0,361 mm und bei den Unterkiefer-Fällen 1,016 mm ± 0,413 mm.

Schlussfolgerungen: Es ist möglich, den zahnlosen Patienten noch am Tag der Implantatinsertion mit einem festsitzenden, definitiven Zahnersatz zu versorgen, der von einem intraoral verschweißten Titangerüst verstärkt wird.

Schlüsselworte: Implantologie; Osseointegration; Prothetik

Zusammenfassung in einem Satz: Es ist möglich, zahnlose Patienten am Tag der Implantation mit einem definitiven festsitzenden Zahnersatz, verstärkt durch eine intraoral verschweißte Gerüstkonstruktion, zu versorgen, ohne Osseointegration und Implantaterfolg zu gefährden.

Einleitung

Die gestiegene Lebenserwartung in der westlichen Welt stellt den Zahnarzt ständig vor neue Herausforderungen, da es eine zunehmende Zahl von in einem oder beiden Kiefern unbezahnten Patienten gibt [11]. Diese Patienten lehnen häufig eine Versorgung mit herausnehmbarem Zahnersatz ab, sei es nun aus psychologischen oder funktionellen Gründen. Die Versorgung mit einem provisorischen, sofort belasteten, implantatgetragenen Zahnersatz hat sich bereits als brauchbare Möglichkeit zur Behandlung des unbezahnten Oberkiefers [13, 22, 24, 26, 27] und des unbezahnten Unterkiefers [1, 5, 6, 12, 21, 28] erwiesen, sofern ausreichende Implantat-Primärstabilität erzielt werden konnte [25].

Nur wenige Studien haben über die Versorgung des unbezahnten Kiefers mit einem sofort belasteten definitiven Zahnersatz berichtet.

Im Jahr 1999 schlugen Brånemark et al. [4] ein klinisches Protokoll mit vorgefertigten Komponenten und chirurgischen Schablonen, Eliminierung der Abformvorgänge und Eingliederung eines definitiven, festsitzenden Zahnersatzes am Tag der Implantat-Insertion vor. Die Autoren berichteten über eine Erfolgsquote von 98 % sowohl der Implantate als auch des Zahnersatzes im zahnlosen Unterkiefer und bestätigten die Möglichkeit der definitiven Versorgung am Operationstag.

Unter Anwendung des klinischen Protokolls von Brånemark beobachteten van Steenberghe et al. [30] eine kumulierte Misserfolgsrate nach einem Jahr von 7,3 % für Implantate und von 5,0 % für den Zahnersatz. Die Autoren stellten fest, dass das marginale Knochenniveau um sofort belastete Implantate Im Unterkiefer bei einer durchschnittlichen Patientenpopulation für zumindest ein Jahr erhalten werden kann.

In einer im Jahr 2005 veröffentlichten Fallserie behandelten Ibanez et al. [16] erfolgreich zwölf unbezahnte Oberkiefer mit jeweils einer definitiven implantatgetragenen Versorgung (entweder Metall-Kunststoff oder Metall-Keramik), die 6 bis 24 Stunden nach der Operation eingesetzt wurde.

Im gleichen Jahr behandelten van Steenberghe et al. [29] 27 Patienten mit unbezahntem Oberkiefer unter Verwendung einer nach CT-Aufnahme hergestellten individuellen Chirurgie-Schablone für die geschlossene Implantation und einer vorgefertigten prothetischen Suprastruktur. Alle Patienten erhielten ihre endgültige Zahnersatzversorgung unmittelbar nach der Implantatinsertion.

Klee de Vasconcellos et al. [18] schlugen die Versorgung des Unterkiefers mit festsitzendem Zahnersatz vor, der auf einem auf den Implantaten am Tag der Insertion befestigten Titansteg hergestellt wurde. Die Gesamtüberlebensraten für Implantate und Zahnersatz betrugen 100 %. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass ein kaubelasteter festsitzender Ersatz des gesamten Zahnbogens (totale Brücke) auf vier sofortbelasteten Implantaten die Osseointegration nicht zu beeinträchtigen scheint und eine geeignete Behandlungsmöglichkeit darstellt.

Im Jahr 2006 stellten Degidi et al. [7] ein Protokoll für die Sofortbelastung mehrerer Implantate durch Verschweißen eines Titanstegs mit Implantat-Abutments unmittelbar in der Mundhöhle vor, um so eine individuelle provisorische Versorgung mit Metallgerüst herzustellen. Diese klinische Vorgehensweise wurde kürzlich evaluiert und in einer ausgewählten Anzahl von Fällen zur Herstellung und Eingliederung einer definitiven Versorgung sowohl im unbezahnten Unterkiefer [9] als auch im Oberkiefer [8] angewendet.

Das Ziel dieser prospektiven Studie war die Evaluierung des Konzepts des intraoralen Schweißens beim unbezahnten Patienten über einen längeren Zeitraum hinweg, um den Langzeiterfolg dieses Ansatzes besser beurteilen zu können.

Materialien und Methoden

Jeder Patient im Alter von mindestens 18 Jahren mit einem vollständig unbezahnten Kiefer wurde als geeignet angesehen, im weiteren Verlauf in diese prospektive Studie eingeschlossen zu werden. Der Zustand der Bezahnung des antagonistischen Kiefers wurde nicht als Einschluss- oder Ausschlusskriterium betrachtet. Patienten wurden als ungeeignet zur Studienteilnahme angesehen, wenn sie mindestens eines der folgenden Ausschlusskriterien erfüllten: (1) Vorhandene Infektion in den zur Implantatinsertion vorgesehenen Bereichen; (2) Allgemeinerkrankung, die die Osseointegration beeinträchtigen könnte; (3) Strahlentherapie des Schädel-Gesichtsbereichs in den vergangenen zwölf Monaten; (4) Rauchen von mehr als zehn Zigaretten pro Tag; (5) Schwangerschaft oder Stillzeit; (6) Hinweise auf oder Symptome von Bruxismus; (7) nicht ausreichend großes Knochenvolumen für übliche axiale Insertion von Implantaten.

Die vorliegende Studie wurde in vollständiger Übereinstimmung mit der Deklaration des Weltärztebundes von Helsinki in der Fassung von 2002 geplant und durchgeführt.

Alle Patienten unterzeichneten ein spezielles schriftliches Formblatt zur informierten Einverständniserklärung. Jeder von ihnen erhielt zylindrische Schraubenimplantate mit sandgestrahlter, säuregeätzter Oberfläche mit Innensechskantverbindung (Durchmesser 3,4 mm oder 3,8 mm, XiVE Plus, DENTSPLY-Friadent, Mannheim, Deutschland)

Alle Implantate wurden im ausgeheilten Knochenbereich durch denselben erfahrenen Operateur (MD) in einer privaten Zahnarztpraxis in Bologna, Italien, inseriert. Im Rahmen des Arbeitsablaufs zur Implantatinsertion wurden das Eindrehmoment und der Implantat-Stabilitäts-Quotient (ISQ) durch einen chirurgischen Motor (FRIOS Unit E, W&H Dentalwerk GmbH, Bürmoos, Österreich) und eine digitale Mess-Sonde (Osstell AB, Gamlestadsvägen 3B, Göteborg, Schweden) gemessen. Patienten wurden aus der Studie ausgeschlossen, wenn irgendeines der Implantate keine gute Primärstabilität gemäß folgender Kriterien erreichte: (1) Eindrehmoment < 25 Ncm, (2) Implantat-Stabilitätsquotient (ISQ) von < 60.

Die präoperative Untersuchung der anatomischen Strukturen und die Auswahl der Implantatlänge erfolgten anhand von Zahnfilmröntgenaufnahmen und Orthopantomogrammen oder CT-Aufnahmen, soweit verfügbar. Es wurden Abformungen von Oberkiefer und Unterkiefer genommen und im Labor Modelle angefertigt.

Zahnfarbe und Zahnform der Prothesenzähne wurden festgelegt und geeignete, hoch abrasionsfeste, im Handel erhältliche konfektionierte Prothesenzähne (VITA PHYSIODENS, VITA Zahnfabrik, H. Rauter GmbH & Co. KG, Bad Säckingen, Deutschland) wurden ausgewählt. Die Zähne wurden auf einem Modell in einem semianatomischen Artikulator aufgestellt und mit Acrylatkunststoff entsprechend der anatomischen Form des zu ersetzenden Zahnbogens verbunden. Diese definitive Kunststoff-Totalprothese wurde anschließend an der Basis ausgehöhlt, um Platz für die Aufnahme des späteren Titangerüsts zu schaffen (Abb. 1?3).

Bei allen Patienten wurde am Tag vor dem operativen Eingriff mit der Gabe eines Antibiotikums begonnen (2 g Amoxicillin pro Tag). Zum Zeitpunkt des Eingriffs erhielten sie eine Lokalanästhesie (2 % Articain/Adrenalin 1:100.000).

Die Operation begann mit einer zentral-krestalen Inzision, die sich im Oberkiefer vom rechten bis zum linken Tuber maxillaris erstreckte, im Unterkiefer vom rechten ersten Molaren zum linken ersten Molaren. Im Unterkiefer wurde rechts und links das F. mentale lokalisiert, die Lappen vollständig abgelöst und der knöcherne Kieferkamm freigelegt. Bei Vorliegen eines sehr schmalen Kieferkamms erfolgte eine geringfügige Osteoplastik unter Spülung mit reichlich steriler Kochsalzlösung. Mithilfe einer Implantations-Schablone wurden die Implantate im größtmöglichen Abstand anterior-posterior inseriert. Alle Patienten erhielten vier Implantate. Bei den Fällen im Unterkiefer erfolgte die Insertion ausschließlich im interforaminalen Bereich, die distalen Implantate wurden mindestens zwei Millimeter anterior des N. mentalis platziert. Die mesialen Implantate teilten den verbliebenen Bereich anterior in gleich große Abschnitte auf (Abb. 4). Es wurde kein Knochenersatzmaterial verwendet.

In die Innensechskantverbindung des Implantats wurde ein Abutment mit runder und konischer Außenverbindung eingesetzt (MP, DENTSPLY-Friadent, Mannheim, Deutschland) (Abb. 5). Auf diese Weise konnten Divergenzen der Achsenrichtung der Implantate untereinander ausgeglichen werden. Diese Abutments wurden anschließend mit Befestigungsschrauben mit einem Drehmoment von 20 Ncm an den Implantaten fixiert. An jedem Abutment wurde nun ein Titanzylinder (das sogenannte „Schweiß-Abutment“) mit einer langen Halteschraube befestigt (Abb. 6). Ein Steg mit 2 mm Durchmesser (MP, DENTSPLY-Friadent, Mannheim, Deutschland) aus Reintitan („Grade 2“) wurde an das erste distale Abutment links mithilfe eines Intraoral-Schweißgeräts (Aptiva NS1100, EnneServizi, Lusiana, Vicenza, Italien) angeschweißt. Der Steg wurde anschließend mit einer geraden How-Zange (Unitek 3M, 3M-Konzernzentrale, St. Paul, Minnesota, USA) so gebogen, dass er demjenigen Abutment spannungsfrei anlag, das dem bereits angeschweißten benachbart war. (Abb. 7?11). Dieser Vorgang wurde für alle verbliebenen Abutments wiederholt.

Intraorales Schweißen

Das gegenwärtige Protokoll für intraorales Schweißen ist eine Verfeinerung des von Mondani [23] und Hruska [15] beschriebenen Verfahrens. Der Schweißvorgang kann in drei Abschnitte unterteilt werden: Vorbereitung, Schweißen und Abkühlung:

Vorbereitungsphase: Die zwei Elektroden der Schweißzange werden auf die einander abgewandten Seiten des Stegs und des Abutments – die beide sauber und oxidfrei sein müssen – aufgesetzt. Die Kupferelektroden an den Enden der Zange werden sanft in Kontakt mit den zu verschweißenden Teilen gebracht und fest angedrückt. Es ist entscheidend, dass der gebogene Steg und das Schweiß-Abutment während des gesamten Vorgangs einander vollständig berühren. Um eine perfekte Verbindung zwischen den zu verschweißenden Teilen sicherzustellen, muss ein gleichmäßiger kräftiger Druck aufgebracht werden. Das Vorhandensein von Wasser oder Speichel beeinträchtigt die Qualität der Schweißverbindung nicht. Operationsteam und Patient müssen während des gesamten Vorgangs Schutzbrillen tragen.

Phase des Schweißens: Durch die Entladung eines Kondensators wird eine elektrische Ladung auf die Kupferelektroden der Schweißzange übertragen. Der elektrische Strom in den Elektroden erhöht schlagartig die Temperatur der beiden Titan-Komponenten bis zum Schmelzpunkt. Das Schweißen wird ohne Schweißzusatz ausgeführt und dauert zwei bis fünf Millisekunden.

Abkühlungsphase: Aufgrund der unterschiedlichen Wärmeleitfähigkeiten der Titan-Komponenten (19) und der Kupferelektroden (386) läuft der Vorgang ab, ohne dem Patienten Unannehmlichkeiten zu bereiten oder das umgebende Gewebe zu schädigen, da keine wahrnehmbare Wärme auf den periimplantären Bereich übertragen wird [10]. Die Kupferelektroden leiten die gesamte entstehende Wärme ab. In dieser Phase kristallisiert das Titan, deshalb müssen Steg und Abutment unter Druck fixiert werden.

Das durch das Verschweißen des Titanstegs mit den Abutments hergestellte Gerüst wurde abgenommen und sein spannungsfreier Sitz mit dem Sheffield-Schraubentest 1 überprüft. Anschließend wurde das Gerüst sandgestrahlt (Modulars 3, Silfradent, S. Sofia, Forlí-Cesena, Italien) und Opaker aufgetragen (OVS 2 Opaker, Dentsply Trubyte, York, USA) um durch den Prothesenkunststoff hindurch sichtbare Lichtreflexionen des Metalls zu vermeiden (Abb. 12, 13). Das Weichgewebe wurde um die Abutments gelegt und mit Nähten fixiert. Das mit Opaker beschichtete Gerüst wurde erneut eingegliedert (Abb. 14) und die an der Basis ausgehöhlte Kunststoffprothese über dem Titangerüst mit einer kleinen Menge autopolymerisierendem Kunststoff unterfüttert. Die korrekte vertikale Dimension wurde überprüft und anhand von im Gesicht vor der Operation aufgebrachten Referenzpunkten eingestellt. Anschließend wurde die Restauration abgenommen und vollständig mit heiß-polymerisierendem Kunststoff aufgefüllt. Der Zahnersatz wurde ausgearbeitet, poliert und am gleichen Tag durch Anziehen der Befestigungsschrauben mit einem Drehmoment von 20 Ncm fixiert. Die Schraubenzugangsöffnungen wurden mit lichthärtendem Composite-Kunststoff verschlossen (Abb. 15?18). Die Patienten wurden angewiesen, sich über einen Zeitraum von vier Wochen nach dem chirurgischen Eingriff auf weiche Kost zu beschränken. Sie erhielten eine Anleitung zur Mundhygiene (Abb. 19?20).

Beobachtungen

  • Erfolg der prothetischen Versorgung, definiert als Nichtvorhandensein von Frakturen in der Kunststoffsuprastruktur und den Schweißpunkten, selbst dann, wenn eines oder mehrere der den Zahnersatz tragenden Implantate entfernt wurden.
  • Implantatüberleben [3], definiert als Nichtvorhandensein von Implantat-Beweglichkeit, periimplantären Aufhellungen im Röntgenbild und von Schwellung oder Schmerz im Operationsbereich zum Zeitpunkt von Nachuntersuchungen.
  • Implantaterfolg [3], definiert als Implantatüberleben mit einem marginalen Knochenverlust von weniger als 1 mm nach einem Jahr mit Belastung und danach nicht mehr als 0,2 mm Verlust zwischen jeweils zwei aufeinanderfolgenden Nachuntersuchungsterminen.
  • Veränderungen des periimplantären marginalen Knochenniveaus, definiert als Änderungen des Abstands zwischen der Ebene der Implantat-Plattform und dem am weitesten koronal liegenden Punkt des umgebenden Knochens, beurteilt anhand von Zahnfilmröntgenaufnahmen, angefertigt unter Verwendung eines individuellen Positionierungs-Jigs. Jede Zahnfilmröntgenaufnahme wurde mit einem Scanner digitalisiert (Epson Expression 1680 Pro, Epson Italien, Cinisello Balsamo, Mailand, Italien) und mit einem Messprogramm (Meazure 2.0, build 158, C Thing Software, Sunnyvale, Kalifornien, USA) gemäß Vorgehensweise nach Jaffin et al. [17] ausgewertet, bei der Plattformhöhe und Implantatlänge als Bezugswerte zur doppelten Überprüfung dienen.
  • Gesundheitszustand der marginalen Gingiva, beurteilt bei der Nachuntersuchung nach sechs Monaten mit mesialer und distaler Messung der Sondierungstiefe unter Anwendung eines Drucks von 0,15 N und der Häufigkeit von Sondierungsblutungen.
  • Biologische und technische Komplikationen.

Zahnfilmröntgenaufnahmen wurden zu folgenden Zeitpunkten angefertigt:

  • T0: nach operativer Implantat-Insertion und Eingliederung des definitiven Immediat-Zahnersatzes.
  • T1: Nachkontrolle der definitiven Zahnersatzversorgung nach sechs Monaten mit voller Kaubelastung
  • T2: Nachkontrolle der definitiven Zahnersatzversorgung nach einem Jahr mit voller Kaubelastung.
  • T3: Nachkontrolle der definitiven Zahnersatzversorgung nach zwei Jahren mit voller Kaubelastung.
  • T4: Nachkontrolle der definitiven Zahnersatzversorgung nach drei Jahren mit voller Kaubelastung.
  • T5: Nachkontrolle der definitiven Zahnersatzversorgung nach vier Jahren mit voller Kaubelastung.
  • T6: Nachkontrolle der definitiven Zahnersatzversorgung nach fünf Jahren mit voller Kaubelastung.

Ergebnisse

Achtzig Patienten in gutem allgemeinem Gesundheitszustand wurden von Januar 2006 bis Juni 2007 aufeinanderfolgend in die Studie eingeschlossen. Das durchschnittliche Alter der Patienten zum Zeitpunkt der Implantatinsertion betrug 58,1 ± 16,8 Jahre (n = 80). Jeder von ihnen wurde mit festsitzendem Zahnersatz versorgt, der auf Implantaten fixiert wurde, die entweder im unbezahnten Oberkiefer oder im unbezahnten Unterkiefer inseriert wurden.

Die durchschnittlichen Werte für Eindrehmoment und ISQ bei Insertion sind in Tabelle 1 aufgeführt. 317 von 320 (99,06 %) der Implantate osseointegrierten und erschienen zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung nach sechs Monaten klinisch stabil.

Die röntgenologischen Beurteilungen und die Messwerte für die Sondierungstiefe sind in den Tabellen 2 und 3 zusammengefasst.

Vergleichbare biologische Frühkomplikationen wurden bei drei Patienten dokumentiert, die vier Wochen, bzw. fünf und acht Wochen nach der Operation über Schwellung, Beschwerden und Schmerz im Operationsbereich klagten. Die Restaurationen wurden dann jeweils vorsichtig entfernt und eine Beweglichkeit eines Implantats festgestellt. Das bewegliche Implantat wurde als Misserfolg eingestuft und entfernt. Der Zahnersatz wurde mit lichthärtendem Composite-Kunststoff angepasst, poliert und am gleichen Tag wieder mit den Befestigungsschrauben fixiert. Der Patient wurde dann einer Antibiotikatherapie unterzogen und erhielt über einen Zeitraum von fünf Tagen zweimal täglich jeweils 500 mg eines Beta-Lactam-Antibiotikums (Amoxicillin, Pfizer Manufacturing, Puurs, Belgien). Die biologischen Komplikationen sind in Tabelle 4 zusammenfassend dargestellt.

Im Rahmen dieser Studie wurde eine prothetische Erfolgsrate von 96.25 % zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung nach 60 Monaten erreicht. Drei Patienten (3,75 %) berichteten 9 Monate, bzw. 17 und 45 Monate nach der Insertion über kleine Sprünge der Kunststoffsuprastruktur. Ihr Zahnersatz wurde jeweils mit lichthärtendem Composite-Kunststoff wiederhergestellt, poliert und am gleichen Tag wieder mit Befestigungsschrauben fixiert.

Diskussion

Die bereits veröffentlichte [7, 8, 9], interessante Beurteilung hinsichtlich der Verwendung des Ansatzes des intraoralen Schweißens zur Sofortversorgung des zahnlosen Patienten wurde nach einer längeren Nachuntersuchungsphase durch die Ergebnisse der vorliegenden Studie bestätigt. Hruska et al. [14] untersuchten den Langzeiterfolg von 436 Implantaten, die mittels eines Geräts zum intraoralen Schweißen verblockt wurden. In der genannten Studie wurde das intraorale Schweißverfahren lediglich als Hilfsmittel eingesetzt, um die temporäre Schienung starr zu befestigen, der Titandraht wurde drei Monate postoperativ wieder entfernt, die Abutments ausgetauscht und eine neue Versorgung aus keramisch verblendeter Goldlegierung wurde eingesetzt. Nach fünf Jahren Nachuntersuchungszeit mussten lediglich drei Implantate als Misserfolge beurteilt werden. Eines versagte nach einem Jahr Belastung, indem der Hals frakturierte, und zwei versagten zwischen zwei und drei Jahren postoperativ aufgrund einer Periimplantitis.

Ein wesentliches Anliegen bei der Entwicklung der Verfahrensweise zum intraoralen Schweißen stellte die Beständigkeit der geschweißten Verbindung dar. Die Schweißverbindung wurde in einer früheren Studie untersucht [7]. Sie beschrieb eine hervorragende mikrostrukturelle Qualität, bei 50.000-facher Vergrößerung konnten nur minimale Porositäten festgestellt werden. In dieser Studie wurden 116 Schweißverbindungen zwischen Abutment und Titansteg bei jedem Nachuntersuchungstermin überprüft und es war keinerlei Fraktur oder im Röntgenbild erkennbare Veränderung der geschweißten Primärstruktur nach zwölf Monaten mit funktioneller Belastung feststellbar.

Kürzlich untersuchten Komiyama et al. [19] die Ergebnisse mit sofort belasteten Implantaten, die in unbezahnten Kiefern nach computerunterstützter virtueller Behandlungsplanung in Verbindung mit geschlossenem Implantationsverfahren inseriert wurden. Die Autoren berichteten über häufigeres Auftreten von chirurgischen und technischen Komplikationen, als bei herkömmlichen Verfahrensweisen, solche Komplikationen traten in 42 % der behandelten Fälle auf. Passungenauigkeiten der prothetischen Suprastruktur traten in fünf von 31 Fällen auf und machten bei zwei Patienten ein Auftrennen des Zahnersatzes erforderlich, um die Implantate unbelastet einheilen lassen zu können.

Implantatverluste führten zur Entfernung der Suprastruktur bei drei Patienten, die mit abnehmbaren Prothesen versorgt wurden. Bei 10 % der sofort eingegliederten fixierten Versorgungen wurden umfangreiche Veränderungen der Okklusion vorgenommen. Bei drei Patienten entwickelten sich röntgenologisch erkennbare Knochendefekte. Sie traten in zwei Fällen nach Führungsstift-Bohrungen im Oberkiefer und in einem anderen Fall mit stark atrophiertem Unterkiefer auf.

Yong und Moy [31] untersuchten die chirurgischen und prothetischen Komplikationen bei CAD/CAM-gestützter Implantatnavigation (NobelGuide, Nobel Biocare, Yorba Linda, Kalifornien, USA). Die Autoren berichteten über eine Gesamtmisserfolgsrate der Implantate von 9 %, knöcherne Interferenzen, die ein Einsetzen des Zahnersatzes in Endstellung verhinderten, und Frakturen des Carbonfaser-Zahnersatzgerüsts.

Das intraorale Schweißverfahren ermöglichte die direkte Herstellung eines präzisen und vollständig spannungsfreien Gerüsts ohne die Notwendigkeit einer Korrektur mit Befestigungsmaterialien [20] oder zusätzlicher Komponenten, wie sie häufig für mittels CAD/CAM angefertigte Gerüste erforderlich sind [17]. Es hat sich auch als zeit- und kostensparendes Verfahren erwiesen, da lediglich ein einfacher Titansteg, handelsübliche Prothesenzähne und Standard-Titan-Abutments benötigt werden. Bei Oberkiefer-Fällen sind die Knochen-Resorptionswerte vergleichbar mit denen von Ibanez et al. [16] beschriebenen und etwas geringer als die von van Steenberghe et al. [29] beobachteten Werte. Der Zahnersatz wurde nur ein einziges Mal bei der Nachuntersuchung nach sechs Monaten zur Überprüfung der Osseointegration abgenommen. Dadurch werden wahrscheinlich mögliche Beschädigungen der periimplantären Gewebe vermindert und die Risiken eines Auftretens von Rezessionen und Knochenresorptionen minimiert [2].

Schlussfolgerungen

Ziel eines Protokolls zur Sofortbelastung ist die Verminderung der Anzahl chirurgischer Maßnahmen und die Verkleinerung des Zeitfensters zwischen der Operation zur Implantatinsertion und dem Eingliedern der Versorgung, ohne die Erfolgsaussichten der Implantate zu beeinträchtigen. Im Rahmen ihrer Beschränkungen hat die vorliegende Studie bestätigt, dass es ohne Gefährdung der Osseointegration möglich ist, den zahnlosen Patienten am Tag der chirurgischen Implantatinsertion mit definitivem festsitzendem Zahnersatz zu versorgen, der von einem intraoral verschweißten Titangerüst getragen wird.

 

Danksagung: Die Autoren möchten sich bei Herrn Gianluca Sighinolfi, Zahntechniker, für seine unschätzbare technische Unterstützung bedanken.

Korrespondenzadresse

Dr. Marco Degidi, M.D., D.D.S.

Via Spina 12

40139 Bologna, Italien

info@degidi.it

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Fussnoten

1 M.D., D.D.S., Private Praxis, Bologna, Italien

2 M.D., D.D.S., Private Praxis, Bologna, Italien

3 M.D., D.D.S. Professor an der zahnmedizinischen Fakultät der
Universität Chieti-Pescara, Chieti, Italien

DOI 10.3238/ZZI.2012.0326-0338


(Stand: 28.11.2012)

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