Hydrodynamischer Sinuslift mit Augmentation und Implantation

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G. C. Scheiderbauer1

Einführung: Das Ziel dieser retrospektiven Studie ist es, den Erfolg des hydrodynamischen Sinuslifts mit dem Piezogerät bei simultaner Augmentation und Implantation auszuwerten und Vergleiche zu alternativen Techniken herzustellen.

Material und Methode: Im Zeitraum von Dezember 2007 bis Juli 2009 wurden an 109 Kieferhöhlen bei 100 Patienten hydrodynamische Elevationen der Schneider-Membran in Implantat-Achse durchgeführt, mit autologen Knochen augmentiert und 130 Implantate inseriert.

Ergebnisse: An präoperativen, unmittelbar postoperativen und ein Jahr postoperativen digitalen Röntgenbildern wurden Messungen durchgeführt. Der Alveolarkamm war zwischen 2,0 mm und 10,2 mm hoch, die Elevation erfolgte auf mindestens 12 mm Höhe bezogen auf den Alveolarkamm. Der hydrodynamische Lift in Implantat-Achse war 82-mal erfolgreich, das Anheben der Schneider-Membran, das Augmentieren am Kieferhöhlenboden und die Implantation erfolgten durch denselben Zugang. In 27 Fällen wurde nach positivem Nasenblasversuch durch Perforation der Schneider-Membran ein laterales Fenster zur Kieferhöhle angelegt, die Perforation mit einer resorbierbaren Membran gedeckt, danach augmentiert und implantiert. Perforation und durchschnittliche Kieferkammhöhe standen in keinem Zusammenhang.

Sechs Monate postoperativ erfolgte die Insertion eines Gingivaformers mit 20 Ncm, alle 130 Implantate waren osseointegriert. Eine Verlaufskontrolle wurde ein Jahr nach prothetischer Versorgung beim Zahnarzt mit radiologischer Beurteilung des Knochenlagers durchgeführt.

Schlussfolgerung: Vorteile des hydrodynamischen Sinuslifts sind intakte laterale Kieferhöhlenwand, kleinerer Wundbereich, nur ein Eingriff, d. h. Augmentation und Implantation während derselben Behandlung. Diese Technik ist eine Alternative zum Sinuslift mit lateralem Kieferhöhlenfenster, jedoch kein Ersatz im Falle einer Perforation der Schneider-Membran.

Schlüsselwörter: hydrodynamischer Sinuslift; Schneider-Membran; Augmentation; Implantation

Einleitung

Die Implantologie hat den Weg vom Platzieren im Restknochen zur Inserierung an prothetisch idealer Position gefunden. Der Oberkiefer ist im Seitenzahnbereich oft von geringer Kieferkammhöhe, vor implantatprothetischer Versorgung ist dann ein Aufbau am Kieferkamm und / oder am Sinusboden erforderlich.

Diese Studie untersucht den hydrodynamischen Sinuslift mit dem Piezogerät bei simultaner Augmentation des Kieferhöhlenbodens in Implantat-Achse unter Berücksichtigung des Risikos der Perforation [10] der Schneider-Membran, die Elevation der Membran erfolgt hydrodynamisch.

Zum präprothetischen Aufbau am Kieferhöhlenboden werden mehrere Verfahren unterschieden:

  • Der direkte Sinuslift nach Tatum [33, 29, 13] wählt den lateralen Zugang zum Kieferhöhlenboden. Die seitliche Kieferhöhlenwand wird durch eine umlaufende Linie geschwächt, dieser Deckel eingedrückt und mit der Schneider-Membran nach innen oben präpariert. Der entstandene Hohlraum wird mit Eigenknochen, mit Fremdknochen, mit synthetischen Ersatzmaterial oder einer Mischung aus Ersatzmaterial mit Eigenknochen aufgefüllt. Daraus resultiert eine knöcherne Verdickung des Kieferknochens. Nach mehreren Monaten bis zu einem Jahr folgt in einem zweiten Eingriff die Implantation.
  • Der indirekte Sinuslift nach Summers [2, 7, 15, 25, 26, 30] wird in Implantat-Achse mit stumpfen Instrumenten durchgeführt. Der Kieferhöhlenboden wird mechanisch mit leichten Hammerschlägen angehoben, Eigenknochen und / oder Fremdmaterial, das sich am Kieferhöhlenboden unter der Schneider-Membran ausbreitet, durch das Bohrloch eingebracht. Die Kieferhöhlenschleimhaut deckt das Augmentat ab. Die Implantatinsertion erfolgt im Rahmen derselben Behandlung.
  • Die Transkrestale Antro Membrano Plastic (Ballonverfahren) [1, 9, 11, 18] als weitere Möglichkeit wählt den Zugang an den Kieferhöhlenboden in Implantat-Achse. Die Kieferhöhlenschleimhaut wird mittels Ballonkatheter mit kontrollierter Füllung des Katheters mit Flüssigkeit abgelöst und angehoben, der neue Raum mit Knochenspänen und / oder Ersatzmaterial aufgefüllt und einzeitig implantiert.
  • Beim hydrodynamischen Sinuslift (Intralift) nach Kurrek et al. [14] wird mittels Ultraschallchirurgie ein Zugang zur Schneider-Membran am Kieferhöhlenboden in Implantat-Achse ermöglicht. Mit ultraschallaktiviertem Wasserdruck wird die Membran abgelöst und der so gewonnene Raum aufgefüllt und ein Implantat inseriert.
  • Weitere Techniken sind in der Literatur bekannt: Anheben der Schneider-Membran mit hydraulischem Druck [3, 23, 32], Wasserdruck vom Handstück [4], endoskopisch kontrollierter Sinuslift [6, 19], Intrusion des Alveolarknochens in den Sinusboden [34], manuelle Schleimhautelevation durch crestalen Zugang zum Sinusboden [28].

 

Die angeführten Techniken sind wissenschaftlich untersucht, im chirurgischen Aufwand unterschiedlich und für den Patienten verschieden belastend.

Die Piezochirurgie [22, 27, 31] schont Weichteile und hat das Abheben der Schneider-Membran vereinfacht und das Risiko der Perforation [8, 24] reduziert. Beim hydrodynamischen Sinuslift (Intralift) ermöglicht die Anwendung der Piezochirurgie ein schonendes Abheben der Membran mittels Wasserdruck in Implantat-Achse durch einen minimalen Zugang.

Ziel der Arbeit ist es, die Prognose des hydrodynamischen Sinuslifts in Bezug auf die Implantateinheilung und das Risiko der Perforation der Schneider-Membran zu analysieren. Einzeitiges Vorgehen – Augmentieren und Implantieren – wurde wegen der in der Literatur bestätigten Langzeitprognose [20] gewählt.

Material und Methode

In dieser retrospektiven Studie wurden Daten von 100 Patienten ausgewertet, die zwischen Dezember 2007 und Juli 2009 konsekutiv einer hydrodynamischen Sinusbodenelevation mit dem Aufsatz TKW-5-Trumpet (Satelec, Aceton, Intralift-Set) [14] unterzogen wurden, von den Patienten waren 52 Frauen und 48 Männer. Von den Probanden waren elf Personen Raucher, alle Raucher gaben weniger als 20 Zigaretten täglich an, 89 Personen waren Nichtraucher.

Die Behandlungen erfolgten nach einem Standardprotokoll mit dem „Piezotome“ (Aceton, Mettmann, Deutschland). Die Patienten wurden über die geplante Behandlung aufgeklärt und willigten schriftlich ein. Gleichzeitig mit der Augmentation wurden 130 Implantate inseriert.

Alle Fälle wurden nach OP-Planung am digitalen OPT (Abb. 1), nach digitaler Kieferkammhöhenmessung und mit laborgefertigten Bohrschablonen für die Pilotbohrung durchgeführt. In Lokalanästhesie mit Ultracain Dental forte-Ampullen (Sanofi-aventis, Paris) wurde ein Kieferkammschnitt ausgeführt, die Schleimhaut vom Kieferkamm stumpf abpräpariert und mit der sterilen Bohrschablone die Position des Implantats festgelegt. Mit dem Vorbohrer wurde der Alveolarknochen in Implantat-Achse durchbohrt (Abb. 2), zur Schonung der Schneider-Membran erfolgte der letzte Millimeter der Bohrung in Linksdrehung. Das Bohrloch wurde mit den nächsten Bohrern (Abb. 3, 4) desselben Implantatsystems innerhalb des Alveolarkamms erweitert. In diesen knöchernen Trichter wurde die TKW-5-Trumpet (Abb. 5, 7) eingedrückt, das Piezogerät intermittierend angewendet. Der Eingriff gelang, wenn die Trumpet dicht in den knöchernen Trichter eingedrückt werden konnte. Mit einer stumpfen Messsonde wurde alle 30 Sekunden der Fortschritt überprüft (Abb. 6), bis eine Tiefe von mindestens 12 mm ab Alveolarkamm erreicht war (Abb. 8).

In der Untersuchung prüfte der Nasenblasversuch die Schneider-Membran auf Dichtheit. War der Nasenblasversuch negativ, wurde das Bohrloch in Implantatachse auf den späteren Implantatdurchmesser erweitert (Abb. 9). Durch das Bohrloch wurde Eigenknochen in kleinen Portionen eingebracht (Abb. 10), entnommen vom Tuber oder aus der retromolaren Region im Unterkiefer. Nach Augmentation wurde ein weiterer Nasenblasversuch durchgeführt, blieb dieser negativ, wurde das Implantat inseriert (Abb. 10).

Bei positivem Nasenblasversuch durch Perforation der Schneider-Membran wurde die Behandlung erweitert und ein Sinuslift mit lateralem Zugang zur Kieferhöhle durchgeführt. Nach Abschieben der Schneider-Membran wurde der Defekt dargestellt, mit einer resorbierbaren Kollagenmembran (Resorba: „Kollagen-resorb”) abgedeckt, danach augmentiert und implantiert.

Nach Vorgabe des Hauszahnarztes wurden 130 Implantate inseriert, verteilt auf die Systeme Camlog (84), ITI (28), XiVE (17), 3i (1). Die Implantatinsertion erfolgte in der Region 14 (3), 15 (10), 16 (53), 17 (10), 25 (13), 26 (39), 27 (2); die Anzahl der Implantate ist jeweils in Klammern angegeben. Die Verteilung nach Implantatdurchmesser und Längen ist in der Tabelle 1 angeführt.

Nach Implantatinsertion wurde ein digitales Kontroll-OPT durchgeführt (Abb. 11). Vor dem Wundverschluss wurde das Implantat innen mit 2%-igem Wasserstoff gespült und mit einer Verschluss-Schraube oder einem Gingivaformer verschlossen. Die 4/0 Naht erfolgte resorbierbar. Standardgemäß waren zwei Wochen strenges Schnäuzverbot, acht Tage Antibiose oral mit 300 mg Cefalexin, nach Bedarf Antiphlogistikum oral, Naproxen 500 mg Tabl. 2 x täglich und für zwei Tage kalte Kompressen verordnet. Eine Woche Salbeiteespülung, Schonen der Wundränder, weiche Kost, Rauchverbot und körperliche Schonung waren vorgeschlagen. Im Falle von Komplikationen waren zusätzliche Kontrollen eingeplant. Die Nahtentfernung erfolgte zwei Wochen postoperativ.

Die Implantateinheilung verlief bei 97 Implantaten gedeckt, bei 33 Implantaten wurde ein Gingivaformer inseriert. Die offene Einheilung wurde bei Implantaten mit Eindrehwiderstand über 30 Ncm angewandt, mit dem Winkelstück 945 (W&H), 20:1 maschinell eingedreht und mit Drehmomentbegrenzung mit dem Implantmed (W&H) objektiviert.

Die Implantatfreigabe für die definitive prothetische Versorgung beim Hauszahnarzt erfolgte sechs Monate nach Implantatinsertion. Der Gingivaformer wurde mit der Drehmomentratsche mit 20 Ncm festgezogen. Der Patient war angehalten, die Prothetik drei Monate zu schonen und harte Speisen zu vermeiden.

Ein Jahr nach prothetischer Versorgung erfolgte eine Nachkontrolle mit radiologischer Verlaufskontrolle mittels OPT (Abb. 12).

Zur Standardisierung der Messung der Kieferkammhöhe wurden am OPT durch den mesialen und distalen Knochenkontaktpunkt am Implantat mit dem Alveolarkamm und mit dem Sinusboden Achsen gelegt, die in der Implantatmitte als Messpunkte dienten. Der augmentierte Knochen wurde markiert und von der Alveolarkammlinie aus in der Implantatmitte vermessen (Abb. 13). Das Ausmessen erfolgte digital am Bildschirm mit Vergrößerung des Messabschnitts. Die Messwerte wurden auf Zehntelmillimeter gerundet.

Ergebnisse

An 100 Patienten wurden 109 hydrodynamische Sinusbodenelevationen mit simultaner Augmentation und Implantation durchgeführt.

Das gewählte Verfahren zur Anhebung der Schneider-Membran war an 109 Sinusböden 82-mal erfolgreich nach negativem Nasenblasversuch. In 27 Fällen wurde nach positivem Nasenblasversuch ein direkter Sinuslift mit lateralem Fenster und Deckung der Perforation durchgeführt.

Die Einheilzeit war mit sechs Monaten festgelegt, wobei von 130 Implantaten 33 offen und 97 gedeckt verblieben sind. Alle offen eingeheilten Implantate waren mit zumindest 30 Ncm bei Insertion primärstabil.

Nach sechs Monaten wurden nach offener Einheilung die Gingivaformer getauscht, nach gedeckter Einheilung die Implantate freigelegt und mit Gingivaformern versorgt. Alle Implantate waren osseointegriert. Das galt sowohl bei erfolgreicher hydrodynamischer Anhebung der Schneider-Membran in Implantat-Achse mit simultaner Augmentation und Implantation als auch bei den 27 Perforationen mit angeschlossenem Sinuslift mit lateralem Zugang.

Der hydrodynamische Sinuslift in Kombination mit Augmentation und Implantation wurde in der Untersuchungsserie bei Kieferkammhöhen von 2,0 mm bis 10,2 mm durchgeführt, bei der durchschnittlichen Kieferkammhöhe von 6,3 mm (SD 1,81 mm).

Perforation und Kieferkammhöhe standen in keinem Zusammenhang, Eingriffe ohne Perforationen gelangen bei der durchschnittlichen Kieferkammhöhe von 6,33 mm (SD 1,77 mm), Perforationen traten bei einer durchschnittlichen Kieferkammhöhe von 6,35 mm (SD 2,02 mm) auf.

Die augmentierte Höhe, der Gewinn an Kieferkammhöhe, gemessen in der zentralen Implantat-Achse, lag bei 1,4 mm bis 11,5 mm, im Mittel wurden 6,4 mm Höhe aufgebaut (SD +/- 1,7).

Subjektiv und nicht quantifizierbar war eine um 20 bis 30 Minuten verkürzte OP-Dauer im untersuchten Patientenkollektiv bei erfolgreicher Elevation der Schneider-Membran durch den Zugang in der späteren Implantat-Achse im Vergleich zu der Gruppe, bei der nach positivem Nasenblasversuch ein direkter Sinuslift mit lateralem Zugang zum Kieferhöhlenboden durchgeführt wurde. Im subjektiven, nicht quantifizierbaren Vergleich war für Patienten aus der Gruppe mit erfolgreichem Zugang in der späteren Implantat-Achse der Eingriff entsprechend einer Implantation in ausreichend ortständigem Knochen. Das Durchführen der Augmentation blieb bei Knochenentnahme vom Tuber derselben Seite oft unbemerkt. Diese Gruppe wies subjektiv geringere postoperative Beschwerden, weniger Schwellungen und seltener Hämatombildungen auf als die Vergleichsgruppe.

Die Vergleichsgruppe mit positivem Nasenblasversuch und der Perforation der Schneider-Membran wurde mit einem direkten Sinuslift mit Verschluss der Perforation mit einer resorbierbaren Membran behandelt. Die postoperativen Beschwerden zeigten in subjektiver Bewertung eine längere Heilungsphase und eine längere Phase der postoperativen Schwellung.

Nachdem alle Patienten auf die Möglichkeit der Perforation und der Erweiterung der Behandlung präoperativ informiert wurden, ergab sich daraus kein Einfluss auf die Patientenzufriedenheit.

Diskussion

Die Sinusbodenelevation ist heute Teil der Implantologie. Mit dieser Technik sind viele Fälle im Oberkiefer Implantat-prothetisch gut lösbar. Durch die Sinusliftoperation wird der Kieferhöhlenboden verdickt, um ein Implantat aufnehmen zu können.

Der hydrodynamische Sinuslift in Kombination mit Augmentation und Implantation mit dem Aufsatz TKW-5-Trumpet im durchgeführten OP-Protokoll ist in kürzerer Dauer als der direkte Sinuslift durchzuführen. Durch die piezochirurgische Schonung der Weichteile, hier insbesondere der Schneider-Membran, ist die Ablösung dieser Membran relativ sicher durchzuführen. Die fehlende Einsehbarkeit des Sinusbodens während der Behandlung ist ein Nachteil. Nach Erweiterung des Bohrlochs auf den Implantat-Durchmesser ist der Nasenblasversuch durchführbar, die Schneider-Membran durch das Bohrloch oft darstellbar.

Dieses Vorgehen der Anhebung der Schneider-Membran, der Augmentation und der Implantation durch eine Bohrung pro Implantat setzt die chirurgische Technik des klassischen Sinuslifts voraus, um im Falle der Perforation den Eingriff abschließen zu können.

In der Studie fanden sich 27 Fälle mit positivem Nasenblasversuch mit Perforationen von insgesamt 109 elevierten Schneider-Membranen, das sind 25,23 % der Behandlungen. Diese Fälle wurden um einen direkten Sinuslift mit lateralem Fenster erweitert. Die Schneider-Membran wurde unter Sicht weit abgeschoben, bis die Perforation dargestellt und mit einer resorbierbaren Membran abgedeckt werden konnte. Danach konnten alle Patienten weiterbehandelt werden, der Sinusboden wurde von lateral augmentiert und gleichzeitig das/die geplante/n Implantat/e inseriert.

Ursachen der Perforation beim hydrodynamischen Sinuslift waren zu tiefes Eindrücken des Instruments über den Alveolarknochen hinaus, zu tiefes Eindrücken der Messsonde, zu großer Druck beim Einbringen von Knochenspänen, Kieferhöhlensepten oder fester Halt der Schneider-Membran am Kieferhöhlenboden.

In der Studie von A. Kurrek [14] findet sich kein Hinweis auf mögliche Perforationen und kein Hinweis auf Behandlungsmöglichkeiten. In der Studie von S. Kasabah [10] traten bei 146 direkten Sinusliftbehandlungen Perforationen der Schneider-Membran in 82 Fällen, also bei 56,16 % der Fälle, auf. F. Khoury [12] fand bei derselben Behandlung an 215 Patienten Perforationen der Schneider-Membran bei 51 Patienten, also bei 23,72 % der Patienten. Die vorliegende Studie fand 25,23 % Perforationen mit positivem Nasenblasversuch.

Perforation und Kieferkammhöhe standen in der Untersuchungsserie in keinem Zusammenhang. Der hydrodynamische Sinuslift in Kombination mit Augmentation und Implantation wurde bei Kieferkammhöhen von 2 mm bis 10,2 mm durchgeführt, durchschnittlich 6,3 mm. Eingriffe ohne Perforation gelangen bei der durchschnittlichen Kieferkammhöhe von 6,33 mm, Perforationen traten bei einer durchschnittlichen Kieferkammhöhe von 6,34 mm auf.

Alle Implantate wurden prothetisch versorgt. Die gute Prognose kann auf den gering invasiven Eingriff und auf die Verwendung von Eigenknochen zurückzuführen sein [12]. Die Eigenknochen-Augmentation hat den Nachteil der starken Resorption, in der Literatur mit 37 % [17] angegeben. Dem gegenüber steht die Möglichkeit der Regeneration des Knochens im Sinus auch ohne Füllmaterial [16].

Die im Vergleich Eigenknochen zu Eigenknochengemisch mit Ersatzmaterial in der Literatur gefundene schlechtere Überlebenswahrscheinlichkeit im Eigenknochen mit 79,5 % [5] wurde in diesem Kollektiv nicht gefunden. In der Weiterführung dieser Studie ist ein Vergleich autologer Knochen mit Eigenknochengemisch mit Ersatzmaterial im selben Studiendesign vorgesehen.

Es wurde kein Unterschied zwischen Rauchern und Nichtrauchern festgestellt, das bestätigt sich in der Literatur [12]. Allerdings gaben alle Raucher ihren Konsum unter 20 Zigaretten täglich an. Grundsätzlich empfahlen wir Rauchern, mindestens zwei Wochen, besser gar nicht zu rauchen.

Postoperative Beschwerden des hydrodynamischen Sinuslifts mit kombinierter Augmentation und Implantation waren im Vergleich zum direkten Sinuslift in dieser Studie geringer. Postoperative Wundheilung, Schwellung, Beschwerden im Wundbereich waren ähnlich der Implantation im ausreichenden Eigenknochen, die Schmerztherapie wurde von den meisten Patienten am Tag nach der Behandlung abgesetzt. Die Wundheilungsdauer reduzierte sich im untersuchten Patientenkollektiv in der Gruppe mit erfolgreicher Elevation der Schneider-Membran durch den Zugang in der späteren Implantat-Achse um mehrere Tage im Vergleich mit den Patienten, bei denen nach positivem Nasenblasversuch ein direkter Sinuslift mit lateralem Zugang zum Kieferhöhlenboden gewählt wurde.

Mögliche Gründe für die geringeren Beschwerden sind der kleinere Zugang mit Darstellung nur des Kieferkamms, Schonung des Vestibulums, verkürzte OP-Dauer im Vergleich zum direkten Sinuslift, intakte laterale Kieferhöhlenwand. Wie F. Khoury [12] fanden wir keine akuten Komplikationen, keine Zeichen einer akuten Sinusitis und keine übermäßigen Schmerzattacken.

Die untersuchten Patienten hätten sich der Behandlung ein weiteres Mal unterzogen, die Akzeptanz war sehr gut. Viele Patienten kommentierten die Behandlung nachher so, dass sie es sich „viel schlimmer“ vorgestellt hätten.

Ziel dieser Arbeit ist der Vergleich des hydrodynamischen Sinuslifts mit den Standardverfahren bezüglich der Implantateinheilung und dem Risiko der Perforation der Schneider-Membran.

Im kurzen Beobachtungszeitraum der Studie sind alle 130 Implantate an 100 Patienten eingeheilt und prothetisch versorgt, die Verweildauer der Prothetik liegt zwischen 11 und 24 Monaten. Der Erfolg von 100 % erklärt sich zufällig und durch das kleine Patientenkollektiv, im großen Kollektiv ist eine Implantatprognose gleich der Prognose im ausreichend vorhandenen Eigenknochen zu erwarten. Eine Nachuntersuchung nach drei und fünf Jahren ist im Rahmen der Standardkontrolle geplant.

Das Risiko der Perforation der Schneider-Membran ist beim Erlernen der Technik des hydrodynamischen Sinuslifts etwa so hoch wie bei den Standardverfahren. Sie lag bei unseren konsekutiven ersten 100 Fällen bei 25,23 %, allerdings reduziert sich das Risiko der Perforation mit der Lernkurve.

Der große Vorteil des hydrodynamischen Sinuslifts ist für die erfolgreich behandelte Patientengruppe zu sehen, die trotz Durchführen einer Augmentation am Sinusboden subjektiv und klinisch einen Verlauf wie bei der Implantation in ausreichend Eigenknochen zeigen. Kommt es zur Perforation der Schneider-Membran, erhält der Patient eine Behandlung im Standardverfahren, worüber er vor Behandlungsbeginn zu informieren ist. Der Patient hat zu 75,33 % die Möglichkeit, eine Sinusbodenaugmentation nur mit Zugang über den Kieferkamm zu erhalten. Damit ist der hydrodynamische Sinuslift für die allgemeine Anwendung zur Sinusbodenaugmentation geeignet.

Schlussfolgerung

Subjektiv reduziert der hydrodynamische Sinuslift in Kombination mit Augmentation und Implantation mit Piezochirurgie die OP-Dauer, damit die Beschwerden, die Schwellung und die Wundheilungsphase. Die Implantatprognose erreicht den Wert der Implantation im Eigenknochen.

Die Anwendung des Intralifts setzt das Wissen und die Technik des Sinuslifts mit lateralem Zugang voraus, um bei einer Perforation der Schneider-Membran den Eingriff fortzuführen. Die meist punktförmige Perforation konnte mit einer resorbierbaren Membran gedeckt und der Eingriff als Sinuslift im Standardverfahren mit Zugang von lateral fortgeführt werden.

Nachdem in 75,33 % der hydrodynamische Sinuslift erfolgreich und auch nach Perforation die Behandlung durchführbar ist und der Implantaterfolg bei 100 % lag, ist der Trumpet-Lift eine Alternative zum klassischen Sinuslift, der klassische Zugang zum Sinus ist Ergänzung im Fall der Perforation.

 

Danksagung: Danken möchte ich allen Mitarbeitern, im Besonderen Frau Peters Francoise BSc, MPH und Herrn Hammerer Ferdinand für deren freundliche Unterstützung.

Korrespondenzadresse

Dr. Scheiderbauer Georg Christoph

Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

Adolf-Rhomberg-Straße 3, 6850 Dornbirn, Österreich

Tel.: +43 (0)5572 398006, Fax: +43 (0)5572 398306

kieferchirurg@yahoo.de

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Fussnoten

1 Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Adolf-Rhomberg-Straße 3, 6850 Dornbirn, Österreich

DOI 10.3238/ZZI.2012.0314-0324


(Stand: 28.11.2012)

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