Fortbildung aus der Praxis für die Praxis

DGI-Qualitätszirkel

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In den letzten Monaten haben sich in vielen Landesverbänden regionale Qualitätszirkel gegründet, die von engagierten DGI-Mitgliedern geleitet werden. Ziel ist der Austausch und Diskurs zu relevanten und interessanten Themen aus der Praxis vor Ort.

Die Aktivitäten der regionalen DGI-Qualitätszirkel sind die perfekte Ergänzung zu den großen Veranstaltungen auf Landes- und Bundesebene. Darum hat der Vorstand Kolleginnen und Kollegen ermutigt, solche regionalen Zirkel zu gründen. Dem Ruf sind inzwischen Mitglieder in fast allen Landesverbänden gefolgt, die ersten Veranstaltungen haben stattgefunden. Die Redaktion hat dies zum Anlass genommen, bei einigen QZ-Leitern nachzufragen, wie die Initiative bei den Teilnehmern angekommen ist.

Thema 1: „Die neue GOZ“

Der Qualitätszirkel Rheinland – Region Aachen wird von Dr. Christian Hammächer geleitet, der von seinen Aachener Kollegen Dr. Dr. Martin Erbe, Dr. Dr. Ralf Kettner, Dr. Jamal M. Stein und Prof. Dr. Murat Yildirim aus Düren unterstützt wird.

Das erste Treffen fand am 18.09.2013 statt. Dr. med. habil. Dr. med. dent. Georg Arentowicz referierte zum Thema „Die Implantologie in der neuen GOZ – Ein Resümee nach zwei Jahren“. Das Therma lockte mehr als 30 Teilnehmer.

? Warum haben Sie das Thema ausgewählt, warum ist es wichtig?

Dr. Hammächer: Wir haben dieses Thema ausgewählt, da wir der Meinung waren, dass auch abrechnungstechnische Fragen und Entwicklungen für die Kollegen in der Praxis neben der klinisch/fachlichen Fortbildung ein relevantes und interessantes Thema darstellen. Dieser Qualitätszirkel richtete sich darüber hinaus nicht nur allein an die zahnärztlichen Kolleginnen und Kollegen, sondern auch an die Abrechnungshelferinnen, die ebenfalls eingeladen waren. So waren an diesem Abend viele Praxen „doppelt“ vertreten, was sich sicherlich motivierend auf die Mitarbeiterinnen und teamstärkend ausgewirkt hat.

? Welche Hauptbotschaften des Referenten haben Sie und Ihre Kollegen aus der Veranstaltung gezogen?

Dr. Hammächer: Dr. Dr. Arentowicz sprach in seinem interessanten und praxisnahen Vortrag viele Aspekte der betriebswirtschaftlichen und abrechnungstechnischen Probleme an, die die Kollegen tagtäglich beschäftigen. Neben zahlreichen, mit klinischen Fällen erläuterten Abrechnungsbeispielen wurden auch Fragen der Teilnehmer nach z.B. Abdingung, Steigerungssätzen sowie Kommunikation mit den Versicherungsträgern praktisch und hilfreich beantwortet. Seine Kernaussagen zum Stand der Implantologie in der neuen GOZ lauteten folgendermaßen: Die neue GOZ umfasst endlich wichtige Behandlungsmaßnahmen aus dem Bereich der Implantologie, denen eindeutige Leistungspositionen zugeordnet werden. Insbesondere die interne und externe Sinusliftoperation, die Weichgewebschirurgie sowie weitere augmentative und regenative Maßnahmen werden in der neuen GOZ transparent und nachvollziehbar definiert und können zutreffend berechnet werden. Leider zeigt die Realität, dass die Erstattungspraxis der Versicherungsträger gegenüber unseren Patienten trotz der gebührenordnungsrechtlichen Eindeutigkeit immer noch zu wünschen übrig lässt.

? Über welche Aspekte haben Sie und Ihre Kollegen besonders intensiv diskutiert?

Dr. Hammächer: Insbesondere über den Umgang mit Steigerungssätzen, deren Begründung sowie den rechtlichen Hintergrund wurde viel diskutiert. Auch zur Kommunikation dieser Probleme gegenüber dem Patienten gab Dr. Dr. Arentowicz einige hilfreiche Ratschläge an die Teilnehmer.

? Wo sehen Sie und Ihre Kollegen bei dieser Thematik weitergehenden Informationsbedarf?

Dr. Hammächer: Die Veranstaltung gab einen interessanten Überblick zu der angekündigten Thematik und bot darüber hinaus zahlreiche praktische Abrechnungsbeispiele und Tipps aus Chirurgie und Prothetik. Sicherlich kann es sinnvoll sein, den eigenen Wissensstand bzw. den der Abrechnungshelferin in speziellen Abrechnungsfortbildungen zu optimieren, um noch mehr Sicherheit im Umgang mit der neuen GOZ in den entsprechenden Bereichen zu gewinnen.

Thema 2: „Misserfolge in der ästhetischen Zone vermeiden“

Der Qualitätszirkel Rheinland – Mönchengladbach wird von Dr. Dr. Ralf-Thomas Lange und Jörg Weyel geleitet. Die QZ-Leiter hatten Dr. Christian Hammächer, Aachen, als Referenten für ihre erste Veranstaltung gewinnen können. Sein Thema: Vermeidung implantatprothetischer Misserfolge in der ästhetischen Zone.

? Warum haben Sie das Thema ausgewählt, warum ist es wichtig?

Dr. Dr. Ralf-Thomas Lange: Für die Gründungsveranstaltung unseres Qualitätszirkels wollten wir ein Thema wählen, das sicherlich viele Kolleginnen und Kollegen interessiert und bei dem es um eine Region geht, die buchstäblich sofort ins Auge fällt. Schließlich ist die ästhetische Zone für den Behandler eine Herausforderung und für den Patienten sehr wichtig. Unsere Fortbildung soll Kolleginnen und Kollegen dabei unterstützen, erfolgreich zu behandeln. Denn zufriedene Patienten sind die beste Werbung für die Implantologie.

? Welche Haupt-Botschaft(en) des Referenten haben Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Veranstaltung für sich gezogen?

Dr. Dr. Ralf-Thomas Lange: Eine offene und ehrliche Aufarbeitung schwieriger Fälle in kollegialer Atmosphäre ist das Herzstück einer guten Fortbildung. Natürlich ist es für einen Referenten angenehmer, gelungene Fälle zu demonstrieren. Doch aus Sicht des Auditoriums lernt man häufig mehr, wenn ein Referent den Mut hat, auch Fälle zu zeigen, bei denen die chirurgische bzw. prothetische Therapie nicht optimal verlaufen ist. Unser Kollege Dr. Christian Hammächer hat diesen Mut gehabt.

Seiner Meinung nach sind die Hauptparameter zur Vermeidung von Misserfolgen bei der Implantattherapie in der ästhetischen Zone eine optimale Implantatposition sowie ein stabiles periimplantäres Hart– und Weichgewebe. Eine Missachtung dieser Parameter ist von Anfang an ein Kompromiss oder führt auf kurz oder lang zu einem Behandlungsmisserfolg, der auch mit den zur Verfügung stehenden prothetischen Therapieoptionen bzw. zahntechnischen Möglichkeiten nur noch begrenzt kompensiert werden kann. Die wichtigste Voraussetzung zur Vermeidung von Misserfolgen sei, so hat Dr. Hammächer betont, das richtige Einschätzen der Ausgangssituation und das Erkennen des individuell optimalen Therapieweges. Auch die Option der Brückenversorgung, u.U. kombiniert mit kammerhaltenden Maßnahmen, sollte in manchen Fällen Berücksichtigung finden.

? Über welche Aspekte haben Sie und Ihre Kollegen besonders intensiv diskutiert?

Dr. Dr. Ralf-Thomas Lange: Insbesondere die vom Referenten dargestellten komplexen Therapieansätze mittels aufwendiger hart- und weichgeweblicher Augmentation warfen eine zentrale Frage auf: Wie viel Chirurgie ist nötig, wie wenig Chirurgie ist möglich? Bei dieser Frage geht es nicht nur um medizinische Aspekte. Vielmehr können wir sie nur in Abstimmung mit dem Patienten beantworten, da in die Therapie-Entscheidung auch die Vorstellungen des Patienten einfließen und dabei die Kosten der Behandlung eine Rolle spielen. Es gilt hier, drei Aspekte unter einen Hut zu bringen: Was möchte der Patient? Was ist aus chirurgischer Sicht sinnvoll? Mit welchen Maßnahmen kann man ein gemeinsames Ziel erreichen, das in der ästhetischen Zone nicht nur funktionell, sondern auch ästhetisch voraussagbar sein muss. In der Diskussion kam deutlich zum Ausdruck, dass nicht alles was medizinisch machbar und möglich erscheint, auch im Sinne des Patienten ist. Darum ist eine klare Risikoanalyse des therapeutischen Vorgehens und das Gespräch darüber mit dem Patienten extrem wichtig.

? Gab es ein Thema, bei dem Pro und Contra besonders ausgeprägt waren oder überwog die Übereinstimmung der Meinungen?

Dr. Dr. Ralf-Thomas Lange: Erwartungsgemäß haben wir den Stellenwert umfangreicher operativer Maßnahmen intensiv und auch kontrovers diskutiert. Auch die Zahl der erforderlichen Implantate für eine optimale und voraussagbare Versorgung in der Oberkieferfront, war ein Thema, das die Diskussion befeuerte. Auf die Frage, mit wie vielen Implantaten man vier fehlende Frontzähne ersetzt sollte, hatte Dr. Hammächer eine klare Antwort: Auch wenn er im Vortrag Situationen zeigte, in denen nach Distraktion und Augmentation bei ausreichendem transversalen Platzangebot die Insertion von vier Implantaten möglich und sinnvoll war, so führten doch generell zwei Implantate zum Ersatz von vier Frontzähnen zu den voraussagbareren Ergebnissen.

Weniger kann also manchmal auch mehr sein. Dies bestätigten auch Teilnehmer, die darüber hinaus von eigenen Fällen berichteten, bei denen eine umfangreiche Implantatversorgung möglich und sinnvoll erschien, aber der Patient mit der bisherigen prothetischen Versorgung sehr zufrieden war und deshalb die prothetische Versorgung, auch aus Kostengründen, wieder übernommen hat.

? In welchem Bereich sehen Sie noch Forschungsbedarf bzw. noch mehr Wissens- und Fortbildungsbedarf?

Dr. Dr. Ralf-Thomas Lange: Was die Möglichkeiten betrifft, die Einheilungsdauer der Implantate zu beeinflussen, ist sicherlich noch mehr Forschung nötig. Fortbildungsbedarf besteht beim Thema Weichgewebsmanagement sowie augmentativen Alternativen, z.B. Distraktion und augmentative Materialien. Eine Herausforderung ist sicherlich auch die Gestaltung prothetischer Suprakonstruktionen unter Berücksichtigung der gegebenen Weichgewebssituation.

Thema 3: „Individuelle Abutments“

Der Qualitätszirkel Hildesheim wird von Dr. Sebastian Vogel und Dr. Sören Klaue geleitet. Zahntechniker Christoph Linke referierte bei der Auftaktveranstaltung über das Thema „Grenzenlose Möglichkeiten auf individuellen Abutments“.

? Warum haben Sie das Thema ausgewählt, warum ist es wichtig?

Dr. Sebastian Vogel: Wir haben das Thema gewählt, da das Abutment als Schnittstelle zwischen Implantat und Krone für Chirurgen, Zahnärzte und Zahntechniker gleichermaßen interessant ist.

? Welche Hauptbotschaft(en) des Referenten haben Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Veranstaltung für sich gezogen?

Dr. Sebastian Vogel: Herr Linke konnte zeigen, dass individuelle Abutments in der Tat nahezu grenzenlose Möglichkeiten bieten. Dies gilt nicht nur bei der Versorgung ungünstiger Implantatpositionen. Weitere Vorteile sind unter anderem die Optimierung von Emergenzprofil und Höckerunterstützung sowie die günstige Einstellbarkeit der Zementierungsfuge zur Verhinderung einer periimplantären Zementitis.

? Über welche Aspekte haben Sie und Ihre Kollegen besonders intensiv diskutiert und wo gab es viel Pro und Contra?

Dr. Sebastian Vogel: Wir haben diskutiert, ob individuelle Abutments in jeder Situation notwendig sind. Bei ästhetisch besonders sensiblen Fällen oder der Versorgung schwieriger Implantatpositionen waren sich jedoch alle Teilnehmer über die Vorteile individueller Abutments einig.

? In welchem Bereich sehen Sie noch Forschungsbedarf bzw. noch mehr Wissens- und Fortbildungsbedarf?
Dr. Sebastian Vogel: Unserer Meinung nach geht die Forschung in den Bereichen digitaler Workflow stetig voran. Durch die Weiterentwicklung und Verbreitung von digitalen Abformmethoden und der CAD/CAM-Technik werden individuelle Abutments in Zukunft sicher noch häufiger zur Anwendung kommen.

Das Interview führte
Barbara Ritzert, Pöcking.


(Stand: 16.06.2015)

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