Klinische und röntgenologische Ergebnisse mit XIVE S Plus Implantaten: eine retrospektive Kohortenstudie

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Michael Grobitzsch1, Peter Tetsch2

Ziel: Evaluierung des krestalen Knochenabbaus von XIVE S Plus Implantaten (DENTSPLY Implants Manufacturing GmbH, Mannheim, Deutschland) nach prothetischer Belastung.

Material und Methoden: Gegenstand vorliegender Untersuchungen waren 194 XIVE S Plus Implantate bei 100 Patienten im Rahmen einer retrospektiven Kohortenstudie. Alle Implantate wurden im Zeitraum von 2006 bis 2012 in einer Privatpraxis inseriert und vom selben Behandler mit abnehmbaren und festsitzenden Suprakonstruktionen prothetisch versorgt. Basis der Untersuchung war das Vorliegen von 3 Röntgenaufnahmen eines jeden Implantats. Dabei handelte es sich um:
1. das postoperative Röntgenbild, 2. die Aufnahme nach der Einheilung und 3. das Röntgenbild in Rechtwinkeltechnik zum Kontrollzeitpunkt innerhalb der Studie. Weiterhin wurden im Rahmen der studieninternen Kontrolluntersuchung alle Implantate hinsichtlich relevanter Beurteilungsparameter (PD, BOP, API, SBI) in einen Studienerfassungsbogen aufgenommen. Die Digitalisierung der Röntgenfolien erfolgte im JPEG-Format und die anschließende Vermessung des krestalen Knochenverlaufs nach Eichung der Aufnahme im copgiX-Programm (IVS Solutions AG, Chemnitz, Deutschland). Die statistische Auswertung erfolgte im SSPS-Programm (IBM, Ehningen, Deutschland).

Ergebnisse: Bei der Studienpopulation handelte es sich um 53 % Männer und 47 % Frauen mit einem durchschnittlichen Alter von 60,8 Jahren. 63,4 % bzw. 123 aller nachuntersuchten Implantate wurden im Unterkiefer inseriert. Der mittlere Durchmesser betrug 3,93 mm (verwendete Durchmesser von 3,0 bis 4,5 mm) und die durchschnittliche Länge 11,9 mm (verwendete Längen 9,5 bis 15 mm). Die durchschnittliche Gesamtliegezeit der nachuntersuchten 194 Implantate betrug 46,7 Monate, wobei die Freilegung im Mittel nach 3,98 Monaten durchgeführt wurde. Die prothetische Belastung erfolgte im Schnitt nach 6,16 Monaten.

Der mittlere krestale Knochenverlust zum Zeitpunkt der Implantatfreilegung betrug mesial vom Implantat 0,25 mm und distal 0,34 mm. Nach einer durchschnittlichen prothetischen Belastungszeit von 46,7 Monaten betrug der Knochenverlust mesial vom Implantat 0,48 mm und distal 0,53 mm.

Schlüsselwörter: XIVE S Plus; krestaler Knochenverlust; FRIADENT plus Oberfläche; FRIADENT BioPoreStructuring

Objective: Evaluation of crestal bone loss with XIVE S Plus implants (DENTSPLY Implants Manufacturing GmbH, Mannheim, Germany) after prosthetic loading.

Material and methods: The subject of this retrospective cohort study consisted of 194 XIVE S Plus implants in 100 patients. All implants were inserted in a private practice in the period from 2006 to 2012 and treated prosthetically by the same dentist with removable and fixed superstructures. The study was based on examination of 3 X-rays. These were: 1. the postoperative radiograph, 2. the X-ray taken after healing and 3. the X-ray taken at a right angle at the time of follow-up within the study. In addition, at the study follow-up examination, the relevant assessment parameters of all implants (PD, BOP, API, SBI) were recorded on a form. The X-rays were digitized in JPEG format and, following calibration of the image, the subsequent measurement of crestal bone course was performed with the copgiX program (IVS Solutions AG, Chemnitz, Germany). Statistical analysis was with SSPS (IBM, Ehningen, Germany).

Results: The study population consisted of 53 % men and 47 % women with a mean age of 60.8 years. 63.4 % or 123 of the implants were inserted in the mandible. The mean diameter was 3.93 mm (diameter range from 3.0 to 4.5 mm) and the mean length was 11.9 mm (range 9.5 to 15 mm). The average period in situ of the 194 implants was 46.7 months and exposure took place after an average of 3.98 months. Prosthetic loading was after 6.16 months, on average. The mean crestal bone loss at the time of implant exposure was 0.25 mm mesial to and 0.34 mm distal to the implant. After a mean prosthetic loading period of 46.7 months, bone loss was 0.48 mm mesial to and 0.53 mm distal to the implant.

Keywords: XIVE S Plus; crestal bone loss; FRIADENT plus surface; FRIADENT BioPoreStructuring

Zitierweise:

Grobitzsch M, Tetsch P: Klinische und röntgenologische Ergebnisse mit XIVE S Plus Implantaten: eine retrospektive Kohortenstudie. Z Zahnärztl Implantol 2015:31:295–301

DOI 10.3238/ZZI.2015.0295–0301

Einleitung

Die prothetische Rehabilitation von Patienten mit Implantat-getragenen Suprakonstruktionen ist seit mehreren Jahren fester Bestandteil im klinischen Alltag vieler Zahnärzte. Angestrebtes Ziel zeitgemäßer chirurgisch-prothetischer Behandlungsmaßnahmen mit Implantaten ist eine Restitutio ad integrum. Voraussetzung für eine erfolgreiche implantologische Versorgung ist die Ankylose des Implantats im Knochen; dieser Zustand wird auch als Osseointegration bezeichnet [2]. Pathohistologisch handelt es sich dabei um eine Fremdkörperreaktion in Form einer Exterritorialisierung, wobei diese im Hinblick auf die Implantatstabilisierung und Krafteinleitung die entscheidende Rolle beim Behandlungserfolg spielt [4]. Jedoch muss auch bei Einhaltung höchster Behandlungsstandards und Verfolgung entsprechender prothetischer Richtlinien von degenerativen Veränderungen am periimplantären Knochen und der periimplantären Weichgewebsmanschette ausgegangen werden. Somit stellen Untersuchungen zum krestalen Knochenabbau an prothetisch belasteten Implantaten eine sinnvolle Möglichkeit zur klinischen Erfolgsbewertung dar.

In vorliegender Arbeit ist das XIVE S Plus Implantat (DENTSPLY Implants Manufacturing GmbH, Mannheim, Deutschland) Mittelpunkt der Untersuchungen. Die materialtechnische Grundlage ist Reintitan Grade 2, wobei seit 2003 die FRIADENT plus Oberfläche auf diesem Implantat zur Anwendung kommt. Dabei wird zunächst die Oberfläche des Implantatgrundkörpers mittels Aluminiumkorundstrahlung (primäre Mikrostruktur) modifiziert. Nach vollautomatischer Reinigung von Resten der Aluminiumkorundpartikel erfolgt das Ätzen der Oberfläche im Hochtemperaturverfahren (sekundäre Mikrostruktur). Ziel des Hochtemperaturätzvorgangs ist die Sicherstellung der Oberflächenhomogenität sowie die Entstehung der für die FRIADENT plus Oberfläche charakteristischen Mikroporen. Firmenintern wird dies als FRIADENT BioPoreStructuring bezeichnet. Verwendung finden dabei Gemische aus Fluorwasserstoffsäure, Salzsäure, Schwefelsäure und Oxalsäure. Ergebnis ist eine mittelraue Oberfläche mit veränderten physiochemischen Eigenschaften und verbesserter Benetzbarkeit, woraus sich Vorteile beim Osseointegrationsprozess in Hinblick auf Zellmigration und Zell-anlagerung ergeben [6].

Folgende retrospektive Kohortenstudie hatte das Ziel, den Verlauf des krestalen Knochenniveaus an XIVE S Plus Implantaten nach 46,7 Monaten darzustellen. Alle 194 Implantate waren mehrjährig mit abnehmbaren und festsitzenden Suprakonstruktionen versorgt.

Material und Methoden

Von November 2013 bis Mai 2014 wurden 194 Implantate bei 100 Patienten im Rahmen einer Masterthesis retrospektiv nachuntersucht. Die Implantate waren im Zeitraum von 2006 bis 2012 in einer Privatpraxis inseriert und vom selben Behandler auch prothetisch versorgt worden.

Basis der Untersuchung war das Vorliegen von 3 Röntgenaufnahmen eines jeden Implantats. Dabei handelte es sich um 1. das postoperative Röntgenbild, 2. die Aufnahme nach der Einheilung und 3. das Röntgenbild in Rechtwinkeltechnik zum Kontrollzeitpunkt innerhalb der Studie.

Bei allen Patienten wurden nach Einwilligung zunächst die Patientenvorgeschichte (Zahnverlust und zeitlicher Bezug zur Implantation, Socket Preservation), die individuelle Implantathistorie (Größe, Durchmesser, Region, Augmentationen simultan zur Implantation, weichgewebschirurgische Maßnahmen, offene vs. gedeckte Einheilung, Einheildauer, Freilegungstechniken) in einem Studienerfassungsbogen im Excel-Format zusammengetragen. Gleichzeitig wurden implantatrelevante inflammatorische Indizes (PD, BOP, API, SBI, Taschensondierungstiefen) nachuntersucht und ebenfalls in vorgenanntem Bogen erfasst. In gleicher Sitzung erfolgte eine Röntgenkontrollaufnahme des betreffenden Implantats in Rechtwinkeltechnik.

1. Digitalisierung vorhandener Aufnahmen

Da die Röntgenaufnahmen in konventioneller Folientechnik angefertigt wurden, erfolgte im 1. Schritt die Digitalisierung der Aufnahmen. Dafür wurden diese mithilfe einer Kamera Canon EOS 1100D und eines Canon Makroobjektivs mit 100 mm Festbrennweite auf einem SOLIGOR-Stativ abfotografiert. Die Röntgenbilder wurden dazu an einem Röntgenbildbetrachter fixiert und die nicht vom Röntgenbild abgedeckten Bereiche des Betrachters mit einer Verdunklungsmaske gegen Streulicht abgedeckt. Die Aufnahmen wurden ohne Blitz angefertigt und im JPEG-Format gespeichert.

2. Metrische Röntgenbildanalyse

Zur metrischen Analyse der im JPEG-Format digitalisierten Röntgenaufnahmen wurde das copgiX-Programm (IVS Solutions AG, Chemnitz, Deutschland) verwendet. Nach Import der Daten erfolgte zunächst der Zuschnitt untersuchungsrelevanter Bildbestandteile. Die im Anschluss nötige Eichung des Bildes als Voraussetzung zur metrischen Vermessung wurde über die jeweils bekannte Implantatlänge durchgeführt. Zur eindeutigen Identifizierung messrelevanter Bildabschnitte bestand im copgiX-Programm die Möglichkeit zur Auswahl bestimmter Filteroptionen („Inversion“, „Pseudofarben“, „Kontrastreich“, „Zoom-Modus“). In der jeweils eindeutigsten Darstellung wurde dann die entsprechende Messung vorgenommen und die ermittelten Messwerte wurden in den Excel-Studienerfassungsbogen eingepflegt.

3. Statistische Analyse

Die statistische Analyse der gewonnenen Daten erfolgte im SPSS-Programm (IBM, Ehningen, Deutschland). SPSS steht für Statistical Products and Service Solutions.

Ergebnisse

Bei den Studienteilnehmern handelte es sich um 53 % Männer mit einem durchschnittlichen Alter von 62,8 Jahren und 47 % Frauen, die im Schnitt 59,5 Jahre alt waren. Die Altersdifferenz zwischen den Geschlechtern betrug 3,3 Jahre und ist statistisch nicht signifikant (p = 0,112).

63,4 % bzw. 123 aller nachuntersuchten Implantate wurden im Unterkiefer inseriert und 36,6 % bzw. 71 Implantate im Oberkiefer. Der mittlere Durchmesser betrug 3,93 mm (verwendete Durchmesser von 3,0–4,5 mm) und die durchschnittliche Länge 11,95 mm (verwendete Längen 9,5–15 mm). Alle Implantate zeigten mindestens 1,0 mm keratinisierte Mukosa zirkulär zum Emergenzprofil.

Die durchschnittliche Gesamtliegezeit der retrospektiv nachuntersuchten 194 Implantate betrug 46,7 Monate, woraus sich eine sehr starke Aussagekraft hinsichtlich der Ergebnisse des gemessenen krestalen Knochenverlusts ergibt. Die Einheilungszeit betrug im Schnitt 3,98 Monate und erfolgte gedeckt. Die prothetische Belastung wurde im Mittel 6,16 Monaten nach Implantatinsertion durchgeführt. Die durchschnittliche prothetische Belastung, ermittelt aus der Differenz der Liegedauer und der Zeit von operativer Implantateinbringung bis zur Belastung, betrug 40,5 Monate.

1. Knochenverlust während der Einheilungsphase

Gemessen wurde die Differenz des krestalen Knochenverlusts zwischen Insertion des Implantatkörpers, ausgehend vom postoperativen Röntgenbild und der Röntgenaufnahme am Tag der Freilegung. Der Mittelwert des mesialen Knochenverlusts während der Einheilphase betrug 0,25 mm und der durchschnittliche disto-krestale Knochenverlust im gleichem Zeitraum 0,34 mm (Abb. 1), wobei der Unterschied statistisch nicht signifikant war (p = 0,61). Den Werten lagen Daten von 184 Implantaten zugrunde.

Bei der geschlechtergetrennten Betrachtung wurden 170 Implantate betrachtet, je 85 pro Gruppe. Wie aus Abbildung 2 zu entnehmen ist, bestand im Mittel ein mesialer Knochenverlust von 0,23 mm bei Frauen und 0,27 mm bei Männern. Dieser ist jedoch statistisch nicht signifikant (p = 0,42). Im distalen Bereich bestand ein mittlerer Knochenverlust bei Frauen von 0,35 mm und bei Männern von 0,31 mm. Auch diese Differenz ist statistisch nicht signifikant (p = 0,702).

2. Kumulierter mesialer Knochenverlust während Einheilungs- und Belastungsphase

Der Berechnung lagen die Daten von 182 Implantaten zugrunde, wobei der Mittelwert des mesialen Knochenverlusts von Implantatinsertion bis zur Kontrolle 0,48 mm betrug.

In der Abbildung 3 ist der vertikale Knochenverlust im mesialen Implantatbereich dargestellt. Auf der Vertikalen ist der Knochenverlust in Millimetern abzulesen. Der Anstieg der Regressionsgeraden weist auf den mit längerer Liegedauer einhergehenden krestalen Knochenverlust mesial vom Implantat hin. Das Bestimmtheitsmaß beträgt R2 = 0,015.

Den statistischen Berechnungen bei geschlechtergetrennter Betrachtung lagen 182 vermessene Implantate zugrunde, je 91 in der Männer- und Frauengruppe. Im Mittel verloren die weiblichen Personen im mesialen Bereich 0,48 mm Knochen während der Zeit bis zur Kontrolle. Bei Männern betrug der Knochenverlust im gleichen Zeitraum 0,5 mm. Die Differenz beider Mittelwerte beträgt 0,02 mm und ist statistisch nicht signifikant (p = 0,81).

3. Kumulierter distaler Knochenverlust während Einheilungs- und Belastungsphase

Die statistischen Berechnungen des distalen Knochenverlusts basierten auf Messwerten von 182 Implantaten. Der Mittelwert des disto-krestalen Knochenverlusts lag bei 0,54 mm. Auch hier weist, wie aus Abbildung 4 zu entnehmen ist, die Regressionsanalyse auf den mit längerer Liegedauer einhergehenden krestalen Knochenverlust distal vom Implantat hin. Das Bestimmheitsmaß beträgt R2 = 0,01.

Bei geschlechtergetrennter Betrachtung im distalen Bereich verloren die Frauen im Mittel 0,52 mm Knochen im Zeitraum bis zum Kontrollzeitpunkt. Bei Männern betrug der Verlust 0,54 mm. Die Differenz zwischen den Geschlechtern beim distalen Knochenverlust betrug 0,02 mm und ist statistisch nicht signifikant (p = 0,858). Die Berechnungen basieren auf den Daten von 182 vermessenen Implantaten, je 91 in der Männer- und Frauengruppe.

4.

Individualprophylaxe und kresta

ler Knochenverlust am Implantat

Die Regressionsanalyse der erhobenen Daten hinsichtlich Zusammenhängen von krestalem Knochenverlust und Anzahl durchgeführter professioneller Zahnreinigungen führte zu keinem eindeutig belegbaren Ergebnis. Eine Korrelation zwischen hoher Zahnreinigungsfrequenz und vermindertem krestalem Knochenverlust lässt sich nur vermuten. Das Bestimmtheitsmaß R2 beträgt für die mesialen Bereiche 0,007 und für die distalen Regionen 0,02.

Diskussion

Die Anzahl der in die Statistik eingehenden Stichproben variiert zum Teil zwischen 194 und 170. Dies ist auf den Verlust eines Implantats im Rahmen einer Periimplantitis, auf die Nichtauswertbarkeit einiger Röntgenaufnahmen und auf die Einteilung in verschiedene Betrachtungsgruppen zurückzuführen.

Digitalisierung der Röntgenaufnahmen

Bei der Digitalisierung der vorhandenen konventionellen Röntgenfolien in das verwendete JPEG-Format ist ein Datenverlust infolge des Datentransfers unvermeidbar. Da der Digitalisierungsprozess nach standardisiertem Ablauf mithilfe einer hochauflösenden Kamera (Canon EOS 1100D) mit Canon Makroobjektiv (100 mm Festbrennweite) auf einem SOLIGOR-Stativ durchgeführte wurde, erscheint ein im Prozess möglicherweise aufgetretener Informationsverlust für die vorliegende Studie als nicht relevant.

Röntgenanalyse

Da es sich bei den vorliegenden Untersuchungen um eine retrospektive Kohortenstudie handelt, war die Aufnahmetechnik bei den ausgewerteten Implantaten zum Teil nicht die gleiche. Um die daraus resultierende Fehlerquelle zu minimieren, wurden mithilfe des vorbeschriebenen copgiX-Programms und der softwareinternen Filtermöglichkeiten die messrelevanten Bildausschnitte eindeutig dargestellt. Weiterhin wurde vor der Messung jedes Bild über die bekannte Implantatlänge geeicht. Damit sind die Unterschiede der Röntgenaufnahmetechnik nahezu vernachlässigbar.

Knochenverlust während der Einheilungsphase

Die vorliegende Untersuchung zeigte einen durchschnittlichen krestalen Knochenverlust von mesial 0,25 mm und distal 0,34 mm im Zeitraum der Einheilungsphase. Der Unterschied zwischen beiden Werten zeigte in diesem retrospektiven Studiendesign keine statistische Signifikanz. Dies resultiert schwerpunktmäßig aus der überwiegend praktizierten gedeckten Einheilung während der Phase der implantären Osseointegration. Dabei ist der periimplantäre Knochen keinen lokal unterschiedlichen Einflüssen der Mundhöhle ausgesetzt. Im Fall einer offenen Einheilung wäre hinsichtlich der Mundhygiene im distalen Bereich ein größerer Knochenverlust denkbar gewesen.

Die herstellerseitigen Vorgaben zur Implantatbettaufbereitung wurden sowohl bei der ablativen als auch bei der nonablativen Methode streng beachtet. Der Einsatz des Krestalbohrers erfolgte bei jeder Implantatinsertion.

Den tierexperimentellen Studien von Novaes et al. folgend, kommt es zu einer drastischen Verbesserung des krestalen Knochenverlusts an XIVE Implantaten während der Einheilungsphase, wenn der Krestalbohrer verwendet wird [7]. Begründet werden diese Beobachtungen in der Minderdurchblutung des krestalen Knochens durch die hohe Primärstabilität der XIVE Implantate ohne die Benutzung des Krestalbohrers. Novaes et al. empfehlen eine verminderte Bohrtiefe des Krestalbohrers bei weicheren Knochenqualitäten [7].

Kumulierter Knochenverlust während der Gesamtliegedauer

In den vorliegenden Untersuchungen konnte ein kumulativer Knochenverlust in der Einheilungs- und Belastungsphase von durchschnittlich 0,5 mm festgestellt werden. Eine gesonderte statistische Betrachtung prothetischer Rehabilitationen mit Platform Switching erfolgte nicht. Der Mittelwert der Gesamtliegedauer betrug 46,7 Monate. Des Weiteren wurde der Zusammenhang zwischen Liegedauer und krestalem Knochenverlust analysiert. Es zeigt sich in der Regressionsanalyse (Abb. 4: Visualisierung der distalen Bereiche) ein vermehrter Knochenverlust bei steigender Liegedauer der Implantate. Das Bestimmtheitsmaß beträgt R2 = 0,01.

Prädilektionsstellen krestalen Knochenverlusts

Eine Korrelation zwischen Implantatlokalisation und Prädilektionsstellen für krestalen Knochenabbau wäre zu erwarten gewesen, kann aber anhand der Datenlage vorliegender Studie nicht hergestellt werden.

Dabei spielen vor allem hygienisch schwer zugängliche Bereiche eine tragende Rolle. Die Datenlage zeigte einen vermehrten Knochenverlust distal vom Implantat, jedoch ist dieser statistisch nicht signifikant.

In der Poweranalyse unserer erhobenen Rohdaten zeigt sich die von uns durchgeführte Untersuchung mit mehr Fällen (n = 194) als bei ähnlichen Studiendesigns als nicht „underpowered“.

Individualprophylaxe und krestaler Knochenverlust am Implantat

Die engen Zusammenhänge zwischen oraler Hygiene, Plaque-Kontrolle, professioneller Zahnreinigung und krestalen, knöchernen Resorptionsvorgängen an Implantaten sind hinlänglich bekannt. Den Untersuchungen von Ricci et al. folgend, kann mittels strikter Plaque-Kontrolle bei der täglichen häuslichen Mundhygiene und entsprechend frequentierten professionellen Zahnreinigungen der krestale Knochenverlust stark limitiert werden [8].

Da die Organisationsstruktur initial zu Beginn der Praxistätigkeit hinsichtlich effizienter Prophylaxemaßnahmen unzureichend ausgebaut war, nutzten die Studienteilnehmer diese Maßnahmen zur Erhaltung der Mundgesundheit nur niederfrequent. Im Mittel wurde jeder Studienteilnehmer im Zeitraum von Implantatinsertion bis zur Kontrolle innerhalb der Studie 5-mal zur professionellen Zahnreinigung (PZR) vorstellig. Daher lässt sich innerhalb der durchgeführten Regressionsanalyse bedingt durch eine leicht abfallende Regressionsgerade nur vermuten, dass eine häufigere Inanspruchnahme der professionellen Zahnreinigung mit vermindertem Knochenverlust einhergeht.

Vergleich mit Ergebnissen weiterer marktführender Hersteller

Astrand et al. zeigten, dass der umfangreichste Knochenverlust innerhalb der Einheilungsphase der Implantate entsteht [1]. Unterstellt man also durchschnittlichen Knochenverlust innerhalb der Einheilungsphase, zeigt das XIVE S Plus Implantatsystem hinsichtlich der Stabilität des krestalen Knochenniveaus bessere Resultate als die von de Almeida et al. vorgestellten Ergebnisse an Frialit-Implantaten (DENTSPLY Implants Manufacturing GmbH, Mannheim, Deutschland). De Almeida et al. zeigten Untersuchungsergebnisse an 42 Frialit-2-Implantaten innerhalb der Belastungsphase ab dem 6. Monat nach Insertion [3]. Die durchschnittliche Liegedauer betrug 33,5 Monate. Im Mittel wurde ein Knochenverlust von 2,3 mm bei Implantaten ohne Platform Switching und 0,27 mm bei Implantaten mit Platform Switching gemessen. Eine Angabe des Knochenverlusts innerhalb des Zeitfensters der ersten 6 Monate erfolgte in den Studienergebnissen von de Almeida et al. 2011 nicht.

Im Hinblick auf die Untersuchungen von Gehrke et al. an 155 wurzelanalogen Frialit plus Implantaten (DENTSPLY Implants Manufacturing GmbH, Mannheim, Deutschland) zeigten die in der Studie erfassten XIVE S Plus Implantate verminderten krestalen Knochenverlust [6]. Gehrke et al. geben den krestalen Knochenverlust mit 0,99 mm 12 Monate nach Insertion und mit 1,16 mm 24 Monate nach Insertion der Implantate an [6].

Weiterhin zeigten die Untersuchungsergebnisse von Astrand et al. 2004 einen kumulierten Knochenverlust an Astra Implantaten (DENTSPLY Implants Manufacturing GmbH, Mannheim, Deutschland) von 1,74 mm im Oberkiefer und 1,06 mm im Unterkiefer innerhalb eines Fünf-Jahres-Betrachtungszeitraums. Ausgangsbefund war dabei das postoperative Röntgenbild. Gleiche Datenerhebungen wurden an Brånemark Implantaten (Nobel Biocare, Zürich, Schweiz) durchgeführt. Diese zeigten im Oberkiefer einen mittleren Knochenverlust von 1,98 mm und im Unterkiefer von 1,38 mm innerhalb von 5 Jahren.

Beim Vergleich mit vorgenannten marktführenden Herstellern zeigten sich die in vorliegender Untersuchung erfassten XIVE S plus Implantate im Hinblick auf den krestalen Knochenverlust als etwas stabiler.

Kritische Betrachtung der Studienergebnisse

1. 63,4 % bzw. 123 der von uns nachuntersuchten Implantate (n = 194) wurden im Unterkiefer inseriert. Folgt man den Feststellungen von Astrand et al. und Enkling, dass der krestale Knochenverlust im Oberkiefer umfangreicher ist, resultiert bei unseren Untersuchungen ein geringerer Mittelwert des Knochenverlusts [1, 5].

2. Ausgehend von vermehrtem krestalen Knochenverlust bei steigender Liegedauer der Implantate ist ein Vergleich einer retrospektiven Kohortenstudie mit zum Teil stark differierenden Betrachtungszeiträumen zu prospektiv angelegten Studienmodellen schwierig. Statistische mathematische Möglichkeiten zur Beilegung dieser Problematik wurden in der Auswertung der Ergebnisse zwar genutzt, jedoch besteht hinsichtlich der Untersuchungsansätze und -zeiträume nicht immer Eindeutigkeit.

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse der vorliegenden retrospektiven Betrachtung von prothetisch belasteten XIVE S Plus Implantaten zeigen, dass der Knochenverlust innerhalb der von Roos et al. definierten Varianz liegt [9]. Im Hinblick auf den Verlust krestaler Hartgewebsstrukturen zeigten sich die Ergebnisse der in vorliegender retrospektiver Studie untersuchten XIVE S Plus Implantate nach fast 4-jähriger Betrachtungszeit gegenüber weiteren marktführenden Systemen als vergleichbar.

Interessenkonflikt: Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt im Sinne des ICMJE im Zusammenhang mit diesem Beitrag besteht.

Zitierweise:

Grobitzsch M, Tetsch P: Klinische und röntgenologische Ergebnisse mit XIVE S Plus Implantaten: eine retrospektive Kohortenstudie. Z Zahnärztl Implantol 2015:31:295–301

DOI 10.3238/ZZI.2015.0295–0301

Korrespondenzadresse

Dr. Michael Grobitzsch

Gartenstr. 1

37671 Höxter

Tel.: 05271 4979480

mail@dr-grobitzsch.de

Literatur

1. Astrand P, Engquist B, Dahlgren S, Gröndahl K, Engquist E, Feldmann H: Astra Tech and Brånemark system implants: a 5-year prospective study of marginal bone reactions.
Clin Oral Implants Res 2004;15:413–420

2. Brånemark PI, Hansson BO, Adell R et al.: Osseointegrated implants in the treatment of the edentulous jaw. Experience from a 10-year period. Scand J Plast Reconstr Surg Suppl 1977;16:1–132

3. de Almeida FD, Carvalho AC, Fontes M et al.: Radiographic evaluation of marginal bone level around internal-hex implants with switched platform: a clinical case report series. Int J Oral Maxillofac Implants 2011;26:587–592

4. Donath K, Laass M, Günzl HJ: The histopathology of different foreign-body reactions in oral soft tissue and bone tissue. Virchows Arch A Pathol Anat Histopathol 1992;420:
131–137

5. Enkling N, Bayer S, Hagner M: Einflussfaktoren des periimplantären Knochenabbaus. ZWP 2010;16:48–55

6. Gehrke P, Jansen R, Dhom G, Neugebauer J: Prospective study of the “FRIADENT plus” implant surface: two-year clinical experience. Z Zahnärztl Implantol 2006;22: 29–34

7. Novaes AB Jr, de Oliveira RR, Taba Júnior M et al.: Crestal bone loss minimized when following the crestal preparation protocol: a histomorphometric study in dogs. J Oral Implantol 2005;31:276–282

8. Ricci G, Aimetti M, Stablum W, Guasti A: Crestal bone resorption 5 years after implant loading: clinical and radiologic results with a 2-stage implant system. Int J Oral Maxillofac Implants 2004;19:597–602

9. Roos J, Sennerby L, Lekholm U, Jemt T, Gröndahl K, Albrektsson T: A qualitative and quantitative method for evaluating implant success: a 5-year retrospective analysis of the Brånemark implant. Int J Oral Maxillofac Implants 1997; 12:504–514

Fussnoten

1 Zahnarztpraxis, Höxter

2 Praxis für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Oralchirurgie Münster


(Stand: 06.01.2016)

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