Zwei Fragen an drei Vorstands-Kandidaten

Vorstandswahlen in der Mitgliederversammlung in Wien

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Am 27. November wählen die Mitglieder der DGI einen neuen Vorstand. Als Kandidaten stellen sich neben langjährigen Vorstandsmitgliedern auch drei DGI-Mitglieder erstmals zur Wahl.

Bei der Mitgliederversammlung der DGI am 27. November 2015, die im Rahmen der 7. Gemeinschaftstagung von DGI, ÖGI und SGI in Wien stattfindet, finden in diesem Jahr auch Vorstandswahlen statt. Fest steht: DGI-Vizepräsident Prof. Dr. Frank Schwarz, Düsseldorf, wird in Wien die Präsidentschaft übernehmen und Dr. Gerhard Iglhaut als Past-Präsident dem Vorstand für eine weitere Amtsperiode angehören. Einer Wiederwahl stellen sich der Schatzmeister, Dr. Karl-Ludwig Ackermann, der dem Vorstand seit dem Jahr 2000 angehört, und Prof. Dr. Germán Gómez-Román, der seit 2008 im Vorstand die Position des Pressesprechers innehat. Es stellen sich außerdem drei Kollegen erstmals zur Wahl. Alle drei sind in der DGI natürlich keine Unbekannten und als renommierte Referenten und Experten auf ihrem Gebiet ausgewiesen. Sie werden auch auf der Gemeinschaftstagung in Wien als Referenten zu hören sein. Die Redaktion der ZZI hat dies zum Anlass genommen, den drei Kandidaten jeweils zwei Fragen zu stellen.

Was motiviert Sie, für den Vorstand zu kandidieren?

Bilal Al-Nawas: Die DGI verbinde ich persönlich mit vielen wissenschaftlichen Meilensteinen in meinem Leben. Meine ersten Vorträge und Poster habe ich unter anderem auf der DGI-Jahrestagung präsentiert. Der Jahreskongress ist für mich auch heute noch die wichtigste nationale Veranstaltung im Bereich der Implantologie. Daneben war ich im Rahmen meiner Arbeit in Mainz bei Professor Wagner an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie bereits frühzeitig in das Curriculum Implantologie aktiv eingebunden. Diese Arbeit mit den Kollegen im Rahmen der Kurse, insbesondere die Interaktion im OP und beim Hands-on, macht auch heute noch große Freude. In der DGI finden nicht nur Hochschullehrer aller Fächer, sondern auch motivierte niedergelassene Kollegen aus unterschiedlichen Fachrichtungen zusammen. Mit den wichtigen Leitlinienprojekten der vergangenen Jahre hat die DGI gezeigt, dass sie als wissenschaftliche Fachgesellschaft die Implantologie in eine stabile Zukunft führt. Sie agiert auch der Industrie gegenüber unabhängig und kann damit ihren Mitgliedern fachliche Unterstützung auf hohem Niveau bieten. Die DGI hat sich als wissenschaftliche, aber auch berufspolitische Kraft in Deutschland fest etabliert. Sie ist für mich die Fachgesellschaft einer interdisziplinären Implantologie, die gleichermaßen der fundierten Wissenschaft wie auch der klinischen Anwendung verpflichtet ist. Daneben ist die DGI erfreulicherweise auch eine Plattform und Gelegenheit, aktive Menschen aus Hochschule und Praxis zu treffen, die jenseits von Fächergrenzen die Implantologie weiterentwickeln und zu einem spannenden Fach machen.

Was wollen/können Sie durch Ihre Vorstandsarbeit beitragen, welche Schwerpunkte möchten Sie setzen, um die DGI weiterzuentwickeln?

Bilal Al-Nawas: Ich würde mich freuen, im Vorstand der DGI mitzuarbeiten und unsere Fachgesellschaft als Hochschullehrer wissenschaftlich, aber auch anwendungsnah weiterzuentwickeln. Die traditionell gepflegte Verbindung zwischen Hochschule und Praxis möchte ich mit Leben füllen und in die nächste Generation junger implantologisch tätiger Kolleginnen und Kollegen führen. Das Ideal eines wissenschaftlich fundierten Fachs, das jenseits industrieller und subjektiver Interessen ein hohes Ansehen bei unseren Patienten genießt, gilt es weiter zu entwickeln. Aus dieser Sicht bedarf es sicher einer verstärkten Integration der Implantologie bereits in die studentischen Lehrpläne der Hochschulen. Auch postgraduiert möchte ich die DGI weiterentwickeln, damit die Mitgliedschaft einen fassbaren Mehrwert darstellt. Insbesondere die Anwendung neuer Medien von der virtuellen Planung bis hin zur Kommunikation im Web 2.0 bietet hier Möglichkeiten, die wir sicherlich noch nicht ausgeschöpft haben. DGInet und e.academy bieten dafür beste Voraussetzungen, die es weiter mit Leben zu füllen gilt. Damit ergeben sich auch im Bereich der postgraduierten Lehre neue Formen, das erfolgreiche DGI-Curriculum modern und ansprechend zu gestalten. Sicherlich spielt die DGI als Fachgruppe mit über 8000 Mitgliedern auch international eine wichtige Rolle. Diese möchte ich weiterentwickeln und so unsere Fachgesellschaft zu einer stabilen und für die Mitglieder lohnenswerten Aktivität führen.

Was motiviert Sie, für den Vorstand zu kandidieren?

Florian Beuer: Für mich als Prothetiker ist die Implantologie ein großer Segen bei der Auswahl der geeigneten Therapie für unsere Patienten. Mit meiner fachlichen Ausrichtung, denke ich, kann ich den Vorstand gut ergänzen. Weiterhin kann ich mir eine Zusammenarbeit mit Prof. Schwarz und Dr. Iglhaut, die ich seit vielen Jahren als Kollegen und Menschen schätze, sehr gut vorstellen.

Meine Hauptmotivation ist allerdings, dass ich das Fach Implantologie weiterentwickeln und aktiv mitgestalten möchte. Dafür bietet die DGI eine sehr gute Plattform.

Was wollen/können Sie durch Ihre Vorstandsarbeit beitragen, welche Schwerpunkte möchten Sie setzen, um die DGI weiterzuentwickeln?

Florian Beuer: Als Hochschullehrer sehe ich meine primäre Aufgabe in der Erarbeitung und dem Verbreiten von neuen Erkenntnissen und Techniken sowie deren wissenschaftlicher Überprüfung. Im Amt des Fortbildungsreferenten, um das ich mich bewerbe, kann ich dieser Aufgabe am besten nachkommen. Einen Schwerpunkt möchte ich dabei dem Transport des vorhandenen Wissens in die Breite der Kollegenschaft widmen. Denn leider sind viele wissenschaftliche Erkenntnisse zu wenig bekannt. Dazu möchte ich neben den postgraduierten Curricula und Studiengängen auch den Kontakt von Studierenden mit der Implantologie unterstützen. Mir schwebt unter anderem ein Programm zur Ausbildungsunterstützung an den Universitäten vor. Weiterhin stehen wir vor der Herausforderung, das Aus- und Fortbildungsprogramm an die veränderten Voraussetzungen (Genderthematik, Generation Y, Bedeutung Work-Life-Balance u.ä.) anzupassen. Der entscheidende Punkt ist aber: Das Lernen muss Spaß machen, bei gleichzeitig höchster Qualität der Inhalte und Lehrer. Das hat die DGI in der Vergangenheit mit vielen erfolgreichen Konzepten gelebt und das möchte ich so fortführen.

Was motiviert Sie, für das Amt des Vizepräsidenten zu kandidieren?

Knut A. Grötz: Als ich von dem amtierenden Vorstand der DGI auf die Kandidatur angesprochen wurde, war ich mir sehr schnell der Tragweite bewusst. Die DGI ist eine der größten wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften Deutschlands und die größte implantologische in ganz Europa. Die Implantologie selbst ist ein Querschnittsfach, das dem traditionellen Fächerkanon der ZMK-Heilkunde (entgegen dem allgemeinen Trend zur Spezialisierung und Diversifikation) ein fächerübergreifendes, gemeinsames Denken und Handeln schenkt. Davon profitieren ganz zuerst und unmittelbar unsere Patienten! Ein besonderer Schwerpunkt der DGI für unsere Kolleginnen und Kollegen liegt dadurch in der postgraduierten Aus-, Fort- und Weiterbildung; dies ist ein Lehrauftrag besonderer Güte. Neben diesen inhaltlichen Positionierungen und Aufgaben hat die DGI aber noch einen anderen Aspekt: Sie ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, der es (dank der beeindruckenden Vorarbeiten bisheriger Vorstände) gelungen ist, eine sehr effiziente Handlungsebene zu etablieren und Synergismen zu stiften. Das ist nicht selbstverständlich, sondern ein besonderes Prädikat. Schließlich gibt es noch einen dritten Aspekt, der meine Motivation trägt: Die Implantologie führt auch die unterschiedlichsten Patientenkollektive zusammen. Von der Sportverletzung des ansonsten kerngesunden Patienten über den Zustand nach infauster Parodontalerkrankung bis hin zu lokal oder systemisch hoch und höchst kompromittierten Patienten (Strahlentherapie, Chemotherapie, Antiresorptiva-Therapie). Dies schult unser klinisches Auge und fordert uns immer wieder auf, Handlungsempfehlungen bis hin zu Leitlinien zu entwickeln. Und dafür brauchen wir eine wissenschaftliche Gesellschaft, also die DGI.

Was wollen/können Sie durch Ihre Vorstandsarbeit beitragen, welche Schwerpunkte möchten Sie setzen, um die DGI weiterzuentwickeln?

Knut A. Grötz: Meine Schwerpunkte entwickeln sich natürlich aus den gerade dargelegten Motivationen. Die Fortentwicklung des fächerübergreifenden Dialogs über die Prothetik, Chirurgie und Zahntechnik hinaus mit wachsender Einbeziehung z.B. der Parodontologie, der Kieferorthopädie, der Funktionsdiagnostik oder der Alterszahnheilkunde wird ein wichtiger Punkt sein. Der interdisziplinäre Austausch wird aber auch über die Grenzen der ZMK-Heilkunde hinausgehen, indem wir nicht mehr nur über das Inserieren und Versorgen eines Implantats sprechen, sondern über die kaufunktionelle Rehabilitation als wesentlichen Bestandteil der Lebensqualität. Wir können uns dabei immer wieder bewusst machen, dass eine Beeinträchtigung des Lebensqualitäts-Merkmals „Essen in Gesellschaft“ unsere Patienten mehr behindert, als z.B. eine „Gangstörung“. Hier agieren wir somit auf medizinischer Augenhöhe mit dem Orthopäden, um im gewählten Bild zu bleiben. Weitere wichtige Schwerpunkte werden sicherlich die Fortentwicklung der systematischen curriculären Aus-, Fort- und Weiterbildung einerseits und die Fortführung des DGI-Engagements in der Leitlinien-Erarbeitung sein. Einen letzten Schwerpunkt, den ich noch konkret benennen möchte, sehe ich in der kontinuierlichen Einbindung aller Kolleginnen und Kollegen, also auch der jungen, frisch Approbierten. Letztlich sind dies aber alles Schwerpunkte, bei denen ich mich in Kongruenz sehe mit den bisherigen DGI-Motiven und insbesondere mit den zukünftigen Vorstandsmitgliedern.

Barbara Ritzert, Pöcking


(Stand: 25.11.2015)

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