Zahnarzt in Peking

PDF

 

Dr. Paul Wiedemann, M.Sc., neues Mitglied der DGI seit September, arbeitet seit April 2017 als Zahnarzt in Peking. Warum es ihn in den fernen Osten gezogen hat und welche Erfahrungen er dort macht, beschreibt er im Interview mit der Redaktion.

Was hat Sie dazu bewogen, in China zu arbeiten?

Ich habe in Ungarn studiert und danach an der Danube Private University in Österreich gearbeitet und dort auch mein Masterstudium absolviert. Darum wollte ich – daran anknüpfend – noch in einem anderen Land arbeiten. Allerdings haben mich die angebotenen Arbeitsplätze in Europa nicht so sehr angesprochen. Anders war dies mit einer Anzeige, in der mein jetziger Arbeitgeber eine Stelle ausgeschrieben hatte. Ich habe angerufen, bin hingeflogen – und es passte. Vor einem halben Jahre bin ich nach China gezogen und lebe und arbeite seitdem in Peking.

Wer ist Ihr Arbeitgeber?

Ich arbeite für eine chinesisch-deutsche Klinikgruppe, die auch gerade nach Shanghai expandiert. Unsere Klinik ist daher nach deutschem Vorbild aufgebaut, die Orientierung an der deutschen Zahnmedizin ist Prinzip. Wir arbeiten mit deutschen Firmen zusammen und setzen deutsche Behandlungskonzepte um, die in China sehr geschätzt werden. Darum sind Ärzte und Zahnärzte aus der Bundesrepublik sehr angesehen, und ich habe daher auch mehrere Kollegen, die aus Deutschland stammen.

Wie erleben Sie die Zahnmedizin in China?

Auf jeden Fall war ich von der Qualität der Zahnmedizin an unserer Klinik positiv überrascht. Die Chirurgen sind exzellent. Wir haben auch viele Patienten. Ich alleine setzte pro Monat etwa 150 Implantate, da ich ausschließlich oralchirurgisch arbeite. Das gibt natürlich viel Routine und ich kann sehr viel Erfahrung sammeln. Die Patienten, die ich sehe, sind vorbehandelt und nach der chirurgischen Behandlung übernimmt sie mein prothetisch tätiger Kollege. Der Austausch zwischen uns Ärzten ist sehr intensiv, sodass dies gut funktioniert.

Wie kommunizieren Sie mit Ihren Patienten?

Ich habe einen Übersetzer. Ich spreche Englisch und er übersetzt ins Chinesische. Aber ich lerne auch Mandarin und habe mir bereits einen Grundwortschatz angeeignet. Denn die Sprache ist natürlich für eine gute zwischenmenschliche Beziehung generell und zu Patienten vor allem von außerordentlicher Bedeutung.

Wie erleben Sie Ihre Patienten?

Das Basiswissen über Medizin und Gesundheit ist bei der älteren Generation nicht sehr ausgeprägt. Wer heute älter ist als 50 Jahre, ist in einer Zeit aufgewachsen, in der andere Prioritäten gesetzt wurden als Zahngesundheit. Darum spielt bei uns die Aufklärung eine ganz große Rolle. Das funktioniert auch sehr gut. Generell sind die Unterschiede zwischen deutschen und chinesischen Patienten jedoch gering. Allerdings ist es den Patienten hierzulande wichtig, dass eine Behandlung schnell abgeschlossen wird. Ihre Bereitschaft für wiederholte Termine ist deutlich geringer als in Deutschland.

Eine Implantatbehandlung gehört in China sicherlich nicht zu jenen Therapien, für die das Gesundheitswesen aufkommt. Wie ist das geregelt?

In China ist es sehr verbreitet, dass die junge Generation für die ältere bezahlt, Kinder übernehmen daher sehr häufig medizinische Kosten für ihre Eltern. Das funktioniert hier gut, obwohl die Preise einer Implantattherapie mit jenen in Deutschland vergleichbar sind.

Würden Sie Kolleginnen und Kollegen empfehlen, in China zu arbeiten, und wagen Sie schon ein erstes Fazit nach dem ersten halben Jahr?

Die Arbeit hier ist sehr interessant. Die Kulturen sind verschieden, aber das macht die Tätigkeit spannend und man macht ganz besondere Erfahrungen. Vor allem erlebt man hier, dass man Zahnmedizin auch mit weniger Bürokratie betreiben kann. Diese ist hier überschaubar. Um es etwas zuzuspitzen: Zahnmedizin in China ist etwas für Kolleginnen und Kollegen, die gerne behandeln und arbeiten und weniger schreiben wollen.

Das Interview führte Barbara Ritzert, Pöcking.

Fotos: privat

 

 

 


(Stand: 27.11.2017)

DGI Nachrichten aktuell

Implantieren in Zeiten von Corona? 
Der Präsident der DGI, Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz mit einem Statement

zum Statement Prof. Grötz

Aktuelle Ausgabe 2/2020

Im Fokus

  • CMD: Implantatprothetische Therapie
  • Zahnimplantate bei Diabetes mellitus
  • Zirkonoxid in Einzelzahnlücken

FORTBILDUNGSANGEBOTE DGI

Die DGI bietet ein umfassendes und überregionales Fortbildungsangebot an. 

WERDEN SIE AUTOR

Sie haben ein spannendes Thema aus dem Bereich der Implantologie und würden gerne einen Artikel dazu in der ZZI veröffentlichen? Dann nutzen Sie unseren Editorial Manager und reichen Sie ihr Manuskript direkt bei uns ein.

Manuskript einreichen