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Einzelverbindungselemente Chairside

Dr. Ramona Schweyen, PD Dr. Jeremias Hey

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Beitrag lesen sollten?

Die Einarbeitung implantatgestützter Attachments in bereits vorhandene Deckprothesen kann die Lebensqualität der betroffenen Patienten erheblich steigern. Lesen Sie hier, mit welchen Tricks sich eine Chairside-Umarbeitung mit überschaubarem Aufwand realisieren lässt.

Hintergrund

Die Einarbeitung von implantatgestützten Attachments an einen vorhandenen Zahnersatz kann die Lebensqualität zahnloser Patienten schlagartig verbessern. Sofern man ein paar Kleinigkeiten beachtet, lässt sich diese Maßnahme auch in eher chirurgisch-implantologisch orientierten Praxen schnell und erfolgreich durchführen.

Vorbereitung des
Zahnersatzes

Die Grundvoraussetzung für die Umarbeitung des Zahnersatzes ist eine stabile Okklusion, welche eine sichere Positionierung des umzuarbeitenden Zahnersatzes durch Zusammenbiss des Patienten gewährleistet (? Abb. 1a/b). Dieser Aspekt wird oftmals unterbewertet, da die Folgen zumeist verzögert auftreten. Liegt keine sichere Verzahnung vor, besteht die Gefahr, den Zahnersatz in falscher Position auf den Patrizen zu fixieren. Die Okklusion der Prothesen sollte daher vor Beginn der Umarbeitung extraoral geprüft werden ( ? Abb. 2).

Im Zweifelsfall ist es oftmals günstiger, den Zusammenbiss vor dem Einarbeiten der Verankerungselemente laborseitig in zentrischer Relation exakt einschleifen zu lassen, da eine fehlerhafte Okklusion zu einem übermäßigen Abnutzen der Verankerungselemente führen kann. Überdies kommt es vor, dass die bisher stabile Oberkieferprothese sich nun beim Zusammenbiss zu lösen beginnt. Im unglücklichsten Fall wird in einer falschen Kieferrelation, oftmals zu weit anterior, verschlüsselt. In derartigen Fällen entwickeln Patienten verzögert Schmerzen im Bereich der Kaumuskulatur.

Bei der Auswahl des Verbindungselementes sollten sowohl das horizontale und vertikale Platzangebot als auch die Implantatstellung, insbesondere die Angulation und Gingivahöhe, berücksichtigt werden. Die ausgewählten Patrizen sollten mit aufgesetzten Matrizen idealerweise zentral unterhalb des Zahnersatzes und deutlich unterhalb der Kauebene zu liegen kommen. Zu hohe Attachments bergen die Gefahr der Perforation des Zahnersatzes, wenn dieser durch Ausschleifen für die Aufnahme der Matrizen vorbereitet wird. Die Patrizen werden entsprechend der Herstellerempfehlung mit Drehmomenten angezogen. Mit Locator-Attachments lässt sich i.d.R. eine niedrigere Bauhöhe erzielen als mit beispielsweise Kugelkopfankern.

Nach Auswahl des Attachments muss der Zahnersatz vor dem Einarbeiten der Matrizen ausreichend in Position der Implantate ausgeschliffen werden ( ? Abb. 3). Eine exakte Überprüfung der basalen Passgenauigkeit ist allerdings nur durch Verwendung von Indikatoren möglich (vgl. Abb. 4 und 5).

Das gleichmäßige Aufliegen der Prothesenbasis auf dem Kieferkamm und das Hohlliegen der Patrizen während des vorsichtigen Zusammenbeißens kann mittels Indikatorsilikon überprüft werden (z.B. Fit Checker, GC Germany GmbH, Bad Homburg). Liegt keine ausreichende basale Abstützung des Zahnersatzes vor, ist eine direkte Einarbeitung der Matrizen nicht zu empfehlen (? Abb. 4). Bei Ausweisung eines deutlichen Hohlraums im Indikatorsilikon ist neben der Einarbeitung der Matrizen eine zusätzliche Unterfütterung erforderlich. Die Möglichkeit der gleichzeitigen Unterfütterung und Einarbeitung der Matrizen wird unter Variante 1 erläutert.

Liegt eine gute basale Passung im Bereich der Kieferkämme vor, kann eine direkte Einarbeitung der Matrizen in den Zahnersatz erfolgen (? Abb. 5). Das Vorgehen wird unter Variante 2 vorgestellt.

Variante 1:

Einarbeitung der Matrize und Unterfütterung des Zahnersatzes im zahntechnischen Labor

Soll eine gleichzeitige Einarbeitung der Matrizen und Unterfütterung des Zahnersatzes erfolgen, wird der ausgeschliffene Zahnersatz zunächst mit Haftvermittler basal benetzt und die Patrizen werden trocken gelegt. Zur exakteren Abformung können die Patrizen intraoral mit Abformmaterial umspritzt werden (? Abb. 6a/b). Die Unterkieferprothese wird zeitgleich ebenfalls mit Abformmaterial beschickt, eingesetzt und der Unterkiefer in die zentrische Relation geführt. Während der Aushärtung des Abformmaterials wird der Zahnersatz durch leichten Zusammenbiss vom Patienten stabilisiert (? Abb. 7).

Zur Vereinfachung können die Prothesen hierfür extraoral mit Klebewachs in maximaler Okklusion fixiert werden ( ? Abb. 8a/b). CAVE: Nicht immer lassen sich die fixierten Prothesen gleichzeitig einsetzen. Insbesondere ausgeprägte dorsale Extensionen können an der Unterkieferprothese entfernt werden. Durch die Verankerung auf den Implantaten kommt es zu einer deutlich verbesserten Druckableitung, sodass eine großflächige Auflage oftmals nicht mehr zwingend erforderlich ist.

Als Abformmaterial für das beschriebene Vorgehen hat sich Polyether bewährt. Ausgehärtet gewährleistet es eine eindeutige und stabile Insertion der entsprechenden Laboranaloga (? Abb. 9a/b). Anschließend erfolgt im Labor die Einarbeitung der Matrizen und eine Unterfütterung der Prothese.

Herstellerseitig werden für die Übertragung der Patrizen oftmals spezielle Abformkappen angeboten. Diese können im Falle einer Einarbeitung von Matrizen in einen vorhandenen Zahnersatz häufig aufgrund des fehlenden vertikalen Platzangebots nicht verwendet werden und eignen sich eher für die Abformung vor einer Neuanfertigung.

Variante 2:

Direktes Einpolymerisieren der Matrize in den Zahnersatz

Liegt eine gute basale Passung des Zahnersatzes vor, kann eine direkte Einarbeitung der Matrizen erfolgen. Dafür wird der ausgeschliffene Prothesenanteil mittels Haftvermittler für den Verbund zum Kunststoff konditioniert (je nach Kunststoff spezielles Bonding entsprechend der Herstellerangaben).

Die Matrizen werden auf den Patrizen positioniert (? Abb. 10a/b). Bei der Chairside-Einpolymerisation von Matrizen in den Zahnersatz muss beachtet werden, dass dieses Vorgehen immer die Gefahr der unerwünschten Umarbeitung eines herausnehmbaren Zahnersatzes in einen festsitzenden mit sich bringt. Je nach vorliegender Implantatangulation und Patrizenhöhe entstehen Unterschnitte, in denen der chairsideapplizierte Kunststoff erhärten und eine anschließende Entnahme des Zahnersatzes verhindern kann. Im unglücklichsten Fall muss dann das Verankerungselement im Mund freigeschliffen werden.

Zum Ausblocken der Unterschnitte stehen speziell bei Locatoren herstellerseitig Silikonringe zur Verfügung, welche jedoch häufig insbesondere bei stärker freiliegenden Abutments nicht zur Abdeckung der Unterschnitte ausreichen. Eine sichere Alternative stellt hier die Applikation von dünnfließendem Silikon oder Polyether dar (hier: Permadyne, 3M Deutschland GmbH, Neuss) (? Abb. 11a/b).

Anschließend werden die Matrizen intraoral unter relativer Trockenlegung mit Kunststoff umspritzt (hier: Qu-Resin, bredent GmbH & Co. KG, Senden) und der ausgeschliffene Anteil der Prothesenbasis ebenfalls mit Kunststoff beschickt (? Abb. 12a/b). Danach erfolgt die zügige Repositionierung des Zahnersatzes auf den Implantaten. Der Zahnersatz wird bis zur Erhärtung des Kunststoffs durch leichten Zusammenbiss in zentrischer Relation stabilisiert.

Zum Abschluss wird der überflüssige Kunststoff mittels Fräse entfernt und die schwarzen Laboreinsätze werden durch Polyamideinsätze ausgetauscht (? Abb. 13a/b). Um sich ein aufwendiges Ausarbeiten zu ersparen, können Prothesenanteile, an denen kein Kunststoff anhaften soll, zuvor mit Vaseline eingepinselt werden.

Prinzipiell kann die dargestellte Vorgehensweise auch auf andere Verbindungselemente, z.B. Kugelkopfanker (? Abb.14a?h), übertragen werden. Dies gilt auch für die Einarbeitung von auf eigenen Zähnen befestigten Verbindungselementen. Die Chairside-Einpolymerisation von Kugelkopfmatrizen erweist sich im Vergleich zu Locatormatrizen häufig als anspruchsvoller, da eine möglichst parallele Ausrichtung der Matrizen erforderlich ist und die Kugelkopfpatrizen deutliche Unterschnitte aufweisen. Zudem benötigen Kugelkopfmatrizen deutlich mehr Platz im Zahnersatz und werden beim Aufsetzen der Prothese nicht selten abgewinkelt. Auch hier kann die Verwendung von dünnfließendem Silikon oder Polyether hilfreich sein. Während des Aushärtungsprozesses können die Matrizen sicher parallel ausgerichtet und stabilisiert werden.?

Interessenkonflikt: Für Dr. Ramona Schweyen und PD Dr. Jeremias Hey bestehen keine Interessenkonflikte.


(Stand: 16.01.2018)

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