Für die Praxis aufbereitet: die Klassifizierung der Periimplantitis

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Das DGI-SPECIAL zum aktuellen Thema lockte mehr als 100 Teilnehmer nach Frankfurt

Die US- und EU-Fachgesellschaften für Parodontologie veröffentlichten im Juni dieses Jahres die international abgestimmte neue Klassifikation parodontaler Erkrankungen. Erstmals wurden dabei auch periimplantäre Erkrankungen berücksichtigt. Dies nahm die DGI zum Anlass für ein DGI-SPECIAL.

DGI-Präsident Prof. Dr. Frank Schwarz, Frankfurt, federführender Autor einer zugrunde liegenden Publikation, konnte für die Veranstaltung international renommierte Referenten gewinnen: Prof. Tord Berglundh, Göteborg, und Prof. Dr. Giovanni Salvi, Bern. Wie die Gruppe von Professor Berglundh schon vor einigen Jahren publiziert hat, war bei einer großen Nachuntersuchung von knapp 600 Implantatpatienten neun Jahre nach der Behandlung bei einem Drittel der Patienten die Schleimhaut um die Implantate herum entzündet. Diagnose: Mukositis – es blutet bei einer schonenden Sondierung, Erythem, Schwellung und/oder Suppuration können hinzukommen.

Bei 45 Prozent hatte diese Entzündung bereits auf den Kieferknochen übergegriffen. Diagnose: „Periimplantitis“. Anders als lange angenommen, kann diese Erkrankung bereits zu einem frühen Zeitpunkt – zwei bis drei Jahre nach der Implantation – beginnen. Der Übergang von einer Mukositis zur Periimplantitis erfolgt fließend und kann nicht eindeutig diagnostiziert werden.

„Risikofaktoren für periimplantäre Entzündungen sind eine chronische Parodontitis, schlechte Plaquekontrolle und eine ungenügende Mundhygiene nach der Implantattherapie“ resümierte Professor Berglundh den Stand des Wissens. Unklar sei die Rolle des Rauchens und eines schlecht eingestellten Diabetes. Es gebe jedoch Hinweise, so der Experte, dass auch submuköse Zementreste nach der Behandlung, ein Mangel an keratinisierter Schleimhaut und eine Positionierung von Implantaten, die Mundhygiene und Betreuung erschweren, Entzündungen verursachen können.

Professor Salvi belegte mit einer Fülle von Daten die Bedeutung einer konsequenten präventiven Erhaltungstherapie nach einer Implantatbehandlung. Vor allem die mechanische Plaquekontrolle kann eine Mukositis verhindern und ist im Fall einer Entzündung in Kombination mit einem mechanischen Debridement die Standardbehandlung. Gleichwohl kann es mehr als drei Wochen dauern, bis die Entzündungszeichen verschwinden.

Wie eine Periimplantitis am besten behandelt wird, ist indes noch nicht gesichert. In den spezialisierten Zentren werden verschiedene Konzepte erprobt. Einig sind sich die Experten bislang nur darin, dass der Prävention und der rechtzeitigen und konsequenten Therapie einer Mukositis eine große Bedeutung zukommt. „Bei einer Periimplantitis ist die Wirksamkeit der nichtchirurgischen Therapien indes zumeist begrenzt ist“, betonte Professor Schwarz in seinem Vortrag zur „Chirurgische Therapie der Periimplantitis“. Bei dieser werden verschiedene Verfahren eingesetzt. Eine offene Lappenoperation wurde in verschiedenen Studien als alleinige Maßnahme oder mit resektiven, augmentativen oder einer Kombination von resektiven und augmentativen Maßnahmen verbunden. Gleichwohl ist noch unklar, welches chirurgische Vorgehen am wirksamsten ist. „Alle chirurgischen Therapien haben jedoch ein hohes Risiko für postoperative mukosale Rezessionen“, betonte Professor Schwarz. Im ästhetischen Bereich sei darum eine simultane Volumenaugmentation sinnvoll.

In nachfolgenden Workshops der Sponsoren konnten die Teilnehmer ihr Know-how in den Bereichen Erhaltungstherapie und Prävention sowie auf dem Gebiet der implantatprothetischen Rehabilitation ausgedehnter Defekte nach Explantation ausbauen und vertiefen.

Barbara Ritzert, Pöcking

 


(Stand: 28.11.2018)

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