Die digitale FGP-Technik

DOI: 10.3238/ZZI.2019.0296-0302

Die definitive zweizeitige Versorgung von Implantaten nach intraoperativem Scan unter Berücksichtigung der dynamischen Okklusion

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Schlüsselwörter: Einzelzahnersatz Emergenzprofil Implantatprothetik digitale FGP-Technik functionally generated path one abutment-one time

Zusammenfassung: Der Fallbericht beschreibt die digitale Implementierung des „One-abutment-one-time“-Konzepts in der zahnärztlichen Praxis, bei dem durch einen während der Implantation erstellten Intraoralscan eine einteilige Implantatkrone bereits zum Freilegungstermin hergestellt werden kann. Zusätzlich können durch die digitale FGP-Technik (functionally generated path) die dynamische Okklusion in einem ergänzenden Scan berücksichtigt und damit nachgewiesenermaßen Einschleifkorrekturen für die Kaubewegungen minimiert werden. Bei der Nachuntersuchung einer Studienkohorte aus einer restaurativ tätigen Praxis konnte nach 6 Monaten ein harmonischer Mukosaverlauf beobachtet werden.

Dieses rationalisierte Konzept mit einer reduzierten Zahl an Behandlungssitzungen, reduzierter Behandlungszeit sowie Morbidität resultiert in einer hohen Zufriedenheit bei Patienten und Behandlern.

Schlüsselwörter: one abutment-one time; Implantatprothetik; Einzelzahnersatz; Emergenzprofil; functionally generated path; digitale FGP-Technik

Zitierweise: Edinger D, Bultmann M: Die digitale FGP-Technik. Z Zahnärztl Implantol 2019; 36: 296–302.

DOI.org/10.3238/ZZI.2019.0296–0302

Einleitung

Für eine gute Zahnrestauration ist eine funktionelle Gestaltung der Okklusalfläche erforderlich. Daher muss nicht nur die statische, sondern auch die dynamische Okklusion berücksichtigt werden, die sich aus der individuellen Kaubewegung ergibt.

Heutige computergestützte Systeme für Zahnrestaurationen unterstützen Zahnärzte hauptsächlich durch den intraoralen Scan des präparierten Zahns oder des Implantats sowie den Zahntechniker bei der Gestaltung der Restauration, wobei eine mittelwertige Kaufläche aus einer Zahnbibliothek zum Einsatz kommt. Diese Systeme berücksichtigen jedoch nur die statische Okklusion, bestenfalls können sie die Okklusalfläche an einige durchschnittliche Bewegungen anpassen: um funktionelle Gesichtspunkte zu berücksichtigen, kann das Kauflächendesign in einem virtuellen Artikulator erfolgen, der jedoch nur eine mittelwertige Gestaltung ermöglicht. Um eine vollwertige Gestaltung zu erreichen, können individuelle Bewegungsparameter mit einem entsprechenden Registriersystem gemessen und in das Designprogramm importiert werden (Achsiografie). Dies ist jedoch für eine einzelne Zahnrestauration sehr aufwendig.

Die FGP-Technik

 

Eine Methode der konventionellen Zahnheilkunde, die „Functionally-generated- path“-Technik (FGP), berücksichtigt die dynamische Okklusion und eignet sich daher für die Herstellung von funktionell passenden Restaurationen. Sie wurde ursprünglich 1943 von Meyer entwickelt [14–16]. Laut dem „Glossary of Prosthodontic Terms“ der Academy of Prosthodontics registriert diese Methodik die Bewegungsbahnen von Zähnen oder Bisswällen in einer plastisch verformbaren Masse im antagonistischen Kiefer [1]. Die Methodik wurde von Pankey und Mann weiterentwickelt [10–12, 17]. Aktuelle Fallberichte beschreiben die klinische Varianz in der Anwendung der genannten Technik [18, 20, 21, 26], auch für implantatgetragenen Zahnersatz [24]. Eine In-vitro-[23], eine In-vivo-[13] und gar eine klinische, randomisierte [8] Studie prüfen das Verfahren wissenschaftlich. Zusammenfassend führt die FGP-Technik im Vergleich mit konventionell hergestelltem Zahnersatz zu signifikant verbesserten Restaurationen. Im Besonderen wird auch die Zeit für die Anpassung bei der Eingliederung signifikant reduziert, und in den klinischen Studien profitieren die Patienten subjektiv mit einer verbesserten Zufriedenheit.

Der größere Aufwand für Zahnärzte und Techniker, die FGP einsetzen, hat jedoch eine breite Anwendung dieser analogen Methode verhindert. Durch das hier vorgestellte Verfahren ist es möglich, das Prinzip der analogen FGP-Technik in den digitalen Workflow zu übertragen und so die dynamische Okklusion zu berücksichtigen. Die digitale FGP-Technik ist wesentlich weniger aufwendig, v.a. die zahntechnischen Schritte, und damit auch in der täglichen Arbeit anwendbar.

Der Vergleich von analoger und digitaler FGP-Technik am Beispiel eines präparierten Zahns erleichtert das Verständnis und zeigt das Rationalisierungspotenzial:

Anatomisches Gegenkiefermodell, analog: Der Kiefer mit dem präparierten Zahn wird abgeformt. Eine Registrierpaste wird auf die präparierten Zähne aufgetragen. Der Patient schließt in maximaler Interkuspidation (IP). Das Registrat verbleibt auf den präparierten Zähnen und die Oberfläche mit der Abformung der Antagonisten wird mit Abdruckgips abgeformt.

digital: Vor der Präparation werden Intraoralscans beider Kiefer mit der Einstellung „Krone“ mit der Option Vorpräpara­tion angefertigt. Für die IP-Position werden die beiden Kieferscans mit den Vestibulärscans zugeordnet (Abb. 1). Von dieser Sitzung wird eine Kopie angefertigt. Nach der Präparation wird in einer Kopie der präparierte Zahn gescannt.

Funktionelles Gegenkiefermodell, analog: Mit einer thermoplastischen Masse auf einem Kompositträger werden folgende Bewegungen aufgezeichnet (Abb. 2a, 2b): zahngeführte Protrusions- und Laterotrusionsbewegungen, zusätzliche manuell induzierte Side-Shift, d.h. unmittelbare Seitwärtsverschiebungen der Gelenkköpfe durch seitlichen Druck auf den Unterkiefer. Diese Bewegungen verlaufen abseits der Kondylenbahnen, beim einfachen Kauen. Außerdem kaut der Patient auf der kontralateralen Kieferseite auf einem Stück aufgerollter und in eine Klemme eingespannter Kofferdam. Dadurch werden besonders große Kräfte auf den Unterkiefer ausgeübt, um die Grenzbewegungen des Unterkiefers zu erfassen. Auch dieses Registrat verbleibt auf den präparierten Zähnen und die Oberfläche mit den Bewegungsbahnen der Antagonisten wird ebenfalls mit Abdruckgips abgeformt.

digital: Es wird weiches Wachs in die zu versorgende Lücke eingebracht. Der Patient führt die genannten Kaubewegungen durch, wodurch das Wachs entsprechend dem Platzbedarf der Antagonisten verformt wird. Die dabei entstandene Wachsoberfläche wird in der zweiten Kopie gescannt (Abb. 3).

Modellmontage, analog: Das Arbeitsmodell wird in das Artikulator-Unterteil eingesetzt. Das anatomische Gegenkiefermodell wird auf dem Arbeitsmodell eingepasst und mit einem Split-Cast am Artikulator-Oberteil befestigt. Das funktionelle Gegenkiefermodell wird ebenfalls auf dem Arbeitsmodell eingepasst und am Artikulator-Oberteil befestigt.

digital: Die Koordinatensysteme beider Sitzungskopien sind automatisch identisch. Das FGP-Registrat wird aus dem Scan ausgeschnitten (Abb. 4). Das so entstandene isolierte FGP-Registrat wird digital in eine Abformung verwandelt, sodass die Unterseite (das Negativ) betrachtet wird (Abb. 5). So lässt sich in den folgenden Schritten das FGP-Registrat quasi als Antagonist betrachten, und die Störkontakte können dargestellt werden.

Der Identitätsschlüssel, analog: Er dient zur Kontrolle der korrekten Montage. Man sucht sich einige nicht verzeichnete Punkte im funktionellen Gegenkiefer, die sich auch im anatomischen Gegenkiefer wiederfinden. Auf dem Arbeitsmodell wird je ein Wachskegel gegen diese markierten Punkte des anatomischen Gegenkiefers aufgewachst.

Nun wird der anatomische Gegenkiefer gegen den funktionellen Gegenkiefer ausgetauscht und der Artikulator geschlossen. Wenn die Montage korrekt war, berühren nun die Wachskegel die korrespondierenden Punkte auf den Antagonisten, ohne jedoch gestaucht zu werden.

digital: Antagonistenscan und FGP-Scan werden simultan dargestellt und es wird mit einem transversalen Querschnitt durch den Zahn gefahren. Die anatomischen Höckerspitzen müssen in den höchsten Bereichen des FGP-Scans liegen, sie dürfen diesen weder durchdringen noch unterhalb liegen (Abb. 6).

Der Differenzschlüssel, analog: Er dient zur Markierung der realisierbaren zentrischen Stops, die nicht zu Kollisionen in der Funktion führen. Das Arbeitsmodell und der funktionelle Gegenkiefer werden in den Artikulator eingesetzt, eine Registrierpaste wird aufgetragen und der Artikulator geschlossen. Nach dem Abbinden verbleibt die Paste auf dem Arbeitsmodell.

Der funktionelle Gegenkiefer wird gegen den anatomischen Gegenkiefer ausgetauscht. Nun wird eine andersfarbige Paste auf die isolierte erste Paste aufgetragen und der Artikulator wiederum geschlossen.

Nach dem Abbinden verbleibt die zweite Paste auf dem anatomischen Gegenkiefer. Die durchgedrückten Stellen zeigen die erlaubten Stops und werden auf dem Antagonisten markiert.

digital: aus der Zahnbibliothek wird eine anatomisch geformte Kaufläche nach Polz [19] importiert und an den anatomischen Gegenkiefer angepasst (Abb. 7, 8). Dabei können die Kontaktpunkte des aufgewachsten Zahns mit dem anatomischen Gegenkiefer markiert werden (Abb. 9). Nun wird das FGP-Registrat zusätzlich eingeblendet. Jetzt können mit dem anatomischen Gegenkiefer die erlaubten Kontakte, die den funktionellen Gegenkiefer nicht durchdringen, identifiziert werden (Abb. 10).

Herstellung der Restaurationen, analog: Zunächst werden Wachskegel auf den am anatomischen Gegenkiefer markierten erlaubten Stops angebracht, der Artikulator wird geschlossen und die Wachskegel werden gegenüber am Arbeitsmodell festgewachst. Nach erneutem Erweichen des Wachses auf der Antagonistenseite wird der Artikulator geöffnet. Hierdurch hat man die Zentrikkontakte auf dem Arbeitsmodell mit Wachskegeln markiert.

Die weitere Modellation erfolgt gegen den anatomischen Gegenkiefer. Die Stops werden dabei mit roter Okklusionsfolie dargestellt. Nun wird der anatomische gegen den funktionellen Gegenkiefer ausgetauscht und der Artikulator wird vorsichtig geschlossen. Alle funktionell störenden Bereiche kommen nun in Kontakt und können mit schwarzer Okklu­sionsfolie dargestellt werden. Diese Bereiche werden abgetragen, und am Ende müssen alle schwarzen Kontakte auf roten Kontakten liegen.

digital: Die bereits vorhandene Kaufläche wird angepasst, indem die störenden Kontaktpunkte entfernt werden (Abb. 11) und die Kaufläche geglättet wird (Abb. 12).

One abutment-one time

Um die Zahl der Sitzungen zu minimieren, wurde die digitale FGP-Technik kombiniert mit dem Verfahren one abutment-one time.

Das übliche analoge oder digitale Vorgehen bei der Versorgung von Einzel­zahnimplantaten umfasste folgende Sitzungen: die Implantation, die Freilegung, die Abformung und die abschließende Eingliederung der Krone. Insgesamt waren also 4 Termine erforderlich. Unter der Bezeichnung „one abutment-one time“ wurde ein Verfahren vorgestellt, bei dem durch einen während der Implantation erstellten Scan ein Abutment oder die Implantatkrone bereits zum Freilegungstermin hergestellt werden kann [2, 3, 22]. Der wissenschaftliche Hintergrund wurde bereits in einem früheren Beitrag beschrieben [4]. Dieses Verfahren ließ sich auch in einen digitalen Workflow umsetzen [5, 6]. Durch die sofortige Platzierung der okklusal verschraubten Krone konnte das Weichgewebe direkt an das definitive Emergenzprofil angepasst werden. Außerdem wurde vermieden, dass durch das wiederholte Abnehmen eines Gingivaformers das sich bildende lange Saumepithel mehrfach abgelöst wird, was zu Nachteilen führen kann [25], und es gab weniger Komplikationen verbunden mit dem subgingivalen Kronenrand [9]. Bei diesem Vorgehen sind folgende Sitzungen erforderlich: die Implantation mit intraoperativem Scan und die Freilegung mit Eingliederung der Krone. Insgesamt sind also nur 2 Termine erforderlich.

Klinischer Fall

Bei dem hier vorgestellten Patienten bestand eine Einzelzahnlücke in regio 35. Das Verfahren gestaltete sich unter besonderer Berücksichtigung der digitalen FGP-Technik und dem „One-abutment-one-time“-Konzepts folgendermaßen:

Die FGP-Technik sollte nur bei Patienten ohne Funktionsstörungen angewandt werden. Daher wurde zu Beginn ein Funktionsstatus erstellt. Dieser ergab keine funktionellen Auffälligkeiten. Im Rahmen der präimplatologischen Diagnostik wurden auch die Intraoralscans vorbereitet. Zur Anfertigung der präoperativen Scans wurde der Intraoralscanner (IOS) Trios 2 (3Shape, Kopenhagen, Dänemark) mit der Software Trios Design Studio 19.3.1 benutzt. Vom Zahnarzt wurde im Scanprogramm der Patient hinzugefügt und eine neue Sitzung angelegt. Es wurde auf dem zu versorgenden Implantat regio 35 eine verschraubte Krone geplant und die Option Vorpräparation als zusätzlicher Scan aktiviert. Nun wurden Scans beider Kiefer angefertigt und für die statische Okklusion wurden die beiden Kieferscans mit Vestibulärscans beider Seiten zugeordnet (Abb. 1). Von dieser Sitzung wurde eine Kopie angefertigt. In einer Kopie erfolgte nun ein Scan zur Erfassung der dynamischen Okklusion: Dazu wurde in die zu versorgende Lücke ein Tisch aus lichthärtendem Komposit (Miris, Coltène/Whaledent AG, Altstätten, Schweiz) hergestellt und darauf weiches Wachs (Boxing Wax Sticks, Kerr Corporation, Brea, CA, USA) angebracht (Abb. 2a, 2b). Der Patient wurde aufgefordert, Kaubewegungen durchzuführen, wodurch das Wachs entsprechend dem Platzbedarf der Antagonisten verformt wurde. Die dabei entstandene Wachsoberfläche wurde gescannt als Präparationsscan (Abb. 4).

Die Implantation (Straumann Bone Level SLA, RC, 4,1×8 mm, Basel, Schweiz) erfolgte in Lokalanästhesie mithilfe einer mit einem 3D-Drucker Form 2 (Formlabs Inc, Somerville, USA) gedruckten Bohrschablone (Abb. 13) unter besonderer Berücksichtigung der Hygienemaßnahmen [7]. Das chirurgische Vorgehen wurde bereits beschrieben [4]. Nach dem Setzen des Implantats wurde ein zuvor sterilisierter (134 °C, 2 bar; Melag, Berlin, Germany) Scanbody (Straumann Cares RC Mono Scanbody D 4,1 mm, H 10 mm) (Abb. 14) aufgeschraubt und dieser sowie die beiden benachbarten Zähne wurden als Präparationsscan in der zweiten Kopie der Sitzung gescannt (Abb. 15), wobei möglichst wenig Weichgewebe abgebildet wurde, da dieses aufgrund seiner variablen Form den Scanvorgang beeinträchtigen kann. Nach dem Scan wurde der Scanbody abgenommen, eine Verschlusskappe (Straumann) eingedreht und die Wunde mit Einzelknopfnähten zur subgingivalen Einheilung verschlossen (Prolene 5.0; Ethicon, Johnson & Johnson Medical, Norderstedt, Deutschland). Nach 8 Tagen wurden die Fäden entfernt. Die Scans wurden dem Techniker zur Verfügung gestellt, der in der 2-monatigen Einheilphase die Lithiumdisikilat-Implantatkrone herstellte. Der Scanbody wurde mit dem entsprechenden in der Bibliothek hinterlegten Konstruk­tionsteil gematcht, sodass die Krone auf dem virtuellen Implantat konstruiert werden konnte (Abb. 16). Dies geschah unter Verwendung der Exocat-Software Ceramill mind CAD (Amann Girrbach AG, Pforzheim, Deutschland) (Abb. 17).

Nach Abschluss der Konstruktion wurde die Krone aus Lithiumdisilikat (IPS e.max CAD, Ivoclar Vivadent AG, Schaan, Liechtenstein) gefräst mittels der Fräsmaschine Ceramill Motion 2 (Amann Girrbach AG, Koblach, Österreich). Schließlich wurde die Krone auf eine vorgefertigte Titanbasis geklebt (Straumann Variobase, Basel, Schweiz) unter Verwendung eines dual härtenden Adhäsivzements (Multilink Hybrid Abutment, Ivoclar Vivadent AG). Die fertiggestellte Krone wurde im Autoklav sterilisiert, was nach Firmenangaben (Multilink Hybrid Abutment, Ivoclar Vivadent AG) auch für die Verklebung möglich ist (Abb. 18), und es wurde eine sterile Implantatschraube benutzt. Die Freilegungsoperation ist ebenda nachzulesen [4]. Dann wurde die Krone eingepasst. Zu stramme Kontaktpunkte wurden mit einem sterilisierten Diamantstreifen (FXDS3, Edenta AG, Au (SG), Schweiz) angepasst. Es erfolgte eine erste Okklusionskontrolle mit Okklusionsfolie (Hanel 12 µm, Coltène/Whaledent AG, Altstätten, Schweiz). Überschüsse wurden steril mit einem Diamantschleifkörper in einem Winkelstück abgetragen. Der interdentale Wundverschluss erfolgte mit Prolene 6.0 (Ethicon, Johnson & Johnson Medical) in Form von vertikalen Matratzennähten (Abb. 19). Das periimplantäre Gewebe passte sich leicht an die Kronenkontur an, wobei der Mukosarand der Kronenkontur folgte, da diese bereits die erforderliche Wölbung vorgab. Abschließend erfolgte die Okklusionskorrektur unter Kontrolle der statischen und dynamischen Okklusion. Nach der Politur wurde schließlich die Schraube mit einem Drehmomentschlüssel angezogen gemäß Herstellerangaben (Straumann 35 Ncm). Der Schraubenkanal wurde mit Teflonband (Cumdente GmbH, Tübingen, Deutschland) verschlossen und mittels Adhäsivtechnik und Komposit (Miris, Coltène Whaledent) unter Kofferdam verschlossen. Nach einer Woche wurden die Fäden entfernt. Nach einem Monat war die Wundheilung weitgehend abgeschlossen.

Zukünftige Techniken

Vor Kurzem ist der Trios-Software eine Motion-Aufzeichnung hinzugefügt worden. Dabei werden die Bewegungsmuster mittels des Scanners aufgezeichnet und anschließend quasi als Film wiedergegeben (Abb. 20). Die dabei auftretenden Kontakte können dargestellt werden. (Abb. 21). In der Okklusalansicht können diese Kontaktspuren auf den Kauflächen analysiert werden (Abb. 22). Diese Darstellung kann als Hilfe bei der Identifizierung von Störkontakten benutzt werden. Wenn in zukünftigen Softwareversionen diese Bewegungsaufzeichnung auch für das Kronendesign exportiert werden kann, entspricht dies der hier vorgestellten digitalen FGP-Technik. Allerdings ist dann keine analoge Maßnahme in Form einer Registrierpaste mehr erforderlich, sondern es kann vollständig digital gearbeitet werden.

Danksagung: Wir danken ZTM Mark Bultmann für die Anfertigung der Restauration und Dr. Stefan Bethge für die Hilfe bei der Motion-Analyse mittels des Trios-Scanners.

Interessenkonflikte: Die Autoren geben an, dass im Zusammenhang mit diesem Beitrag keine Interessenkonflikte bestehen.■

Fazit für Praktiker

Der hier beschriebene Arbeitsablauf ermöglicht eine optimale Kauflächengestaltung in nur 2 Sitzungen. Dabei sind einige Dinge in der Anwendung zu berücksichtigen:

Implantation und Herstellung des intraoperativen Scans:

Beim intraoperativen Scan ist darauf zu achten, dass möglichst wenig Weichgewebe abgebildet wird, da dies wegen seiner Beweglichkeit zu Problemen führen würde.

Erfassung der dynamische Okklu­sion mittels der digitalen FGP-Technik Die FGP-Technik sollte nur bei Patienten ohne Funktionsstörungen angewandt werden (Funktionsanalyse). Für die digitale FGP-Technik muss das Registrierwachs sicher in der Zahnlücke verankert sein. Eine Beweglichkeit würde zu Fehlern führen. Der Patient sollte dabei Bewegungen aus der Exzentrik in die Zentrik durchführen, da nur dadurch der maximale Bewegungsraum dargestellt wird. Die Erfassung der dynamischen Okklusion ist nicht nur zur Verringerung der Implantatbelastung wichtig, sondern auch zur Vermeidung von Chipping bei verblendeten Restaurationen.

Literatur

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ZTM Mark Bultmann

Via Denta GmbH, Leer/Ostfriesland

via-denta@wdes.de

Dr. Dr. Dieter H. Edinger

Privatpraxis, Hamburg

dieter@dr-edinger.de


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