„An Implantaten kommt heute niemand vorbei“

PDF

Schlüsselwörter: Curriculum Implantologie DGI DGI-Mitglied Fortbildung Implantologie Zahnärztin

Lena Niedballa, seit März 2019 Zahnärztin in einer Praxis in Herne, ist genauso alt wie die DGI und seit diesem Jahr Mitglied in der Gesellschaft. Im Gespräch erzählt sie, wie und warum sie zur DGI kam und was sie sich als junge Zahnärztin von der Gesellschaft wünscht.

Seit wann sind Sie Mitglied der DGI?

Erst seit diesem Jahr. Ich habe mein Examen im letzten November gemacht und bin seit März dieses Jahres in der Assistenzzeit. Ich wollte aber gleich zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn auch Mitglied der DGI werden.

Warum haben Sie sich für die DGI entschieden? Es gibt ja auch andere Organisation im Bereich der Implantologie.

Das hängt mit dem Studium zusammen. Ich habe in Düsseldorf studiert und während dieser Zeit war Professor Schwarz noch an dieser Universität, der dann auch Präsident der DGI war. Er hat uns das Gebiet nahegebracht und uns Studenten auch über neue Entwicklungen informiert. Darum war der Weg zur DGI sehr naheliegend. Außerdem finde ich es schön, dass bei der DGI nicht nur die Interessen von Implantatherstellern und großen Firmen im Vordergrund stehen, sondern dass die Inhalte der Gesellschaft einen wissenschaftlich fundierten Hintergrund haben. Ich hatte den Eindruck, dass es bei der DGI um die Organisation geht, um Forschung und Wissenschaft sowie um die Verbesserung der Konzepte und nicht um einen Selbstdarsteller, der versucht sein Produkt zu verkaufen.

Nutzen Sie schon Fortbildungsangebote der DGI?

Damit fange ich jetzt an. Ich besuche als erstes den 33. Kongress in Hamburg, um schon einmal reinzuschnuppern. Dann möchte ich im nächsten Jahr auch mit dem Curriculum Implantologie anfangen. Ich bin ja erst in diesem Jahr in den Beruf eingestiegen und wollte zunächst Erfahrungen in der allgemeinen Praxis sammeln, mich zunächst in der Praxis einfinden. Aber klar ist, an Implantaten kommt heute ja niemand mehr vorbei, sei es, dass man selbst implantologisch tätig ist, Implantate nur prothetisch versorgt oder Patienten mit Implantaten in der Prophylaxe hat. Man muss sich damit auskennen. Darum will ich jetzt gerne den ersten Schritt tun und mich dann tiefer in die Materie einarbeiten.

Haben Sie das Glück, in einer Praxis zu arbeiten, in der implantiert wird?

Ja. Mein Chef ist implantologisch tätig und auch Mitglied der DGI.

Wie erlebten Sie das Thema Implantologie im Laufe Ihres Studiums? Haben Sie Entwicklungen beobachtet?

Wir hatten Glück in Düsseldorf, dass Professor Schwarz dort war. Wie weit die Implantologie an anderen Universitäten vermittelt wird, kann ich nicht beurteilen. Ich habe noch auf der Basis der alten Approbationsordnung gelernt. Und soweit ich es mitbekommen habe, hat sich bezüglich der Implantologie auch in der neuen Approbationsordnung leider noch nicht viel verändert. Obwohl man Implantaten ja zwangsläufig begegnet, kann man als Student nicht davon ausgehen, dass an der Universität eine qualitativ hochwertige Lehre auf diesem Gebiet geboten wird.

Ich fände es schön, wenn man vonseiten der DGI mehr auf die Universitäten zuginge, um Angebote für Studenten zu etablieren. Das wäre eine gute Ergänzung zur kostenlosen Mitgliedschaft. Solche Angebote wären einerseits sicherlich auch hilfreich, um neue Mitglieder zu werben, würden aber andererseits auch die Lehre vorantreiben und mehr junge Leute für die Implantologie begeistern, für die der Schritt in die Implantologie dann auch einfacher wird.

Kommen wir zum Abschnitt nach der Approbation. Haben Sie den Eindruck, dass die DGI den Bedürfnissen der jüngeren Zahnärztinnen und Zahnärzte ausreichend Rechnung trägt? Was würden Sie sich wünschen?

Ich könnte mir sehr gut eine Art Bindeglied vorstellen, das den Einstieg in die Implantologie erleichtert, so etwas wie Schnuppertage vor dem Curriculum. Das könnte dazu beitragen, junge Kollegen für das Thema zu begeistern. Solche Angebote könnten auch helfen, mehr Frauen für die Implantologie zu gewinnen.

Dann kann ich Ihnen verraten, dass die DGI genau dies im kommenden Jahr auf dem Dental Summer anbieten wird, einen ganzen Tag Schnupperkurs zum Thema Implantologie.

Das passt, da bin ich auch.

Sehen Sie die Notwendigkeit, spezielle Angebote für Frauen zu etablieren? Wenn die Frauen an jenem Punkt angekommen sind, an dem sie implantologisch tätig sein wollen, dann sind die Angebote der DGI ausreichend. Aber der Weg hin zu diesem Punkt ist, so glaube ich, momentan für Frauen noch schwieriger. Wichtig für die Implantologie sind die chirurgischen Grundlagen. Auf diesem Gebiet könnte man Kurse für Einsteiger geben, vielleicht auch gezielt für Frauen.

Warum?

Weil ich das Gefühl habe, dass in einer Gruppe ohne männliche Kollegen vielleicht dann doch noch einmal andere Fragen oder Probleme angesprochen werden.

Im Studium lernen die Studierenden aber alle dasselbe. Lücken im Wissen und bei den Fähigkeiten, die man durch Lernen schließen muss, müssten bei beiden Geschlechtern daher gleich häufig sein. Sind Zahnärzte mutiger als Zahnärztinnen?

Ich glaube, in meiner Generation verändert sich gerade ganz viel. In Düsseldorf lag der Frauenanteil bei den Studierenden über 70 Prozent. Natürlich gelten diese Zahlenverhältnisse noch nicht für den Arbeitsmarkt, auf dem der Männeranteil noch höher ist. Und wenn man sich die implantologisch Tätigen anschaut, dann sind das hauptsächlich Männer. Es verändert sich nur langsam, aber ich hoffe, dass der Frauenanteil auch in diesem Bereich wächst. Es gab unter uns Studierenden eine interne Umfrage, wie viele sich für die Implantologie interessieren, und es haben etwa 80 Prozent ihr Interesse signalisiert. Den genauen Frauenanteil bei dieser positiven Antwort kenne ich nicht, aber da 70 Prozent der Befragten weiblich waren, muss das Interesse auch bei den Frauen hoch sein. Es geht jetzt vor allem darum, diese Frauen abzuholen und ihnen den ersten Schritt zu erleichtern. Das ist zunächst der Schritt in die DGI, um sich weiter zu informieren. Das wäre ja der einfachste Weg, die Zahnärztinnen abzuholen, indem man direkt an den Unis startet.

Wie könnte dieses Abholen aussehen?

Im Prinzip wäre schon so etwas wie ein Schnuppertag geeignet, den ich jetzt gerade für mich plane. Solche Angebote sollten gezielt jungen Assistenzzahnärztinnen oder auch Zahnärztinnen generell in der Praxis angeboten werden sowie Studentinnen – und zwar flächendeckend und nicht nur im Rahmen von Veranstaltungen wie dem Dental Summer. Das wäre ein wichtiger Punkt für die Fortbildung der DGI.

Ich würde mir auch wünschen, dass mehr Frauen in die Selbstständigkeit gehen und, dass klar wird, dass man auch als Frau und als Frau mit Familie die Chance hat, sich eine Praxis aufzubauen. Viele Kolleginnen sehen ihre Perspektive als Angestellte und dann möglicherweise auch nur halbtags.

Wenn ich das richtig verstehe, planen Sie also schon, irgendwann ihre eigene Praxis zu haben?

Ja, das wünsche ich mir natürlich oder zumindest eine Tätigkeit als Partnerin in einer Praxis. Das könnte ich mir sehr gut vorstellen. Bei zwei Ärzten teilt sich eben alles und man kann Engpässe leichter überbrücken. Für immer angestellt bleiben, das möchte ich nicht.


(Stand: 26.11.2019)

Die beiden Ausgaben der Kongresszeitung SPECTATOR CONGRESS zur DGI-Jahrestagung 2019 bietet einen umfassenden Ausblick auf das Implantologie-Event in Hamburg.

1. Ausgabe (September 2019)
2. Ausgabe (November 2019)

Aktuelle Ausgabe 04/2019

Im Fokus

  • S3-Leitlinie: Odontogene Infektion
  • Patienten mit Bruxismus
  • Hopeless Teeth

FORTBILDUNGSANGEBOTE DGI

Die DGI bietet ein umfassendes und überregionales Fortbildungsangebot an. 

WERDEN SIE AUTOR

Sie haben ein spannendes Thema aus dem Bereich der Implantologie und würden gerne einen Artikel dazu in der ZZI veröffentlichen? Dann nutzen Sie unseren Editorial Manager und reichen Sie ihr Manuskript direkt bei uns ein.

Manuskript einreichen