Leitlinienkonferenz

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Schlüsselwörter: DGI DGI-Präsident Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz Deutsche Gesellschaft für Implantologie Implantologie Leitlinien Leitlinienkonferenz Wiesbaden Zahnmedizin

Im September 2019 setzte die DGI ihre 2010 begonnene Leitlinienarbeit fort. Auf der Agenda stand die Aktualisierung von drei Leitlinien, die das vorgeschriebene „Verfallsdatum“ erreicht hatten. Darüber hinaus wurde eine weitere Leitlinie finalisiert. DGI-Präsident Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz (Wiesbaden) konnte in Erbach/Eltville Repräsentanten von 16 wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften und Organisationen begrüßen, die ihre Expertise einbrachten. Die Tagung war geprägt von intensiven und konstruktiven Diskussionen.

Leitlinien sind in der modernen (Zahn-)Medizin unverzichtbar: „Leitlinien liefern einen Korridor für unsere therapeutischen Entscheidungen, den wir selbst auf der Basis der bestverfügbaren Evidenz einer systematischen Literaturrecherche und unserer klinischen Expertise beschreiben“, erklärten DGI-Präsident Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz und DGI-Vizepräsident Prof. Dr. Florian Beuer MME (Berlin) in der Einladung zu diesem Arbeitstreffen.

Als weltweit erste Fachgesellschaft auf dem Gebiet der Implantologie hatte die DGI unter ihrem damaligen Präsidenten Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden (Kassel) im Jahr 2010 ihre Leitlinienarbeit gestartet. Auf einer ersten Konferenz entstanden eine S3- und zwei S2k-Leitlinien, welche den damaligen Therapiekorridor ausleuchteten. Seitdem wurden weitere Leitlinien erarbeitet und publiziert.

Nun standen die ersten drei Leitlinien von 2010 zur Aktualisierung an:

  • Implantologische Indikationen für die Anwendung von Knochenersatzmaterialien
  • Indikationen zur implantologischen 3D-Röntgendiagnostik und naviga­tionsgestützten Implantologie
  • Implantatprothetische Versorgung des zahnlosen Oberkiefers

 

Vorteilhaft war, dass die Koordinatoren, die die Erstellung dieser Leitlinien im Jahr 2010 geleitet hatten, auch 2018 erneut zur Verfügung standen: Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas (Mainz) war Koordinator des Themas Knochenersatzmaterialien, Prof. Dr. Dr. Jörg Wiltfang (Kiel) steuerte das Update der 3D-Röntgendiagnostik und der navigationsgestützten Implantologie und Prof. Dr. Stefan Wolfart (Aachen) hatte erneut die Koordination des Themas „implantatprothetische Versorgung des zahnlosen Oberkiefers“ übernommen. Wie bei allen Leitlinienkonferenzen der DGI lagen die methodische Moderation und das AWMF-Audit bei Prof. Dr. Ina Kopp, der Leiterin des AMWF-Instituts für Medizinisches Wissensmanagement. Sie wurde unterstützt von Priv. Doz. Dr. Dr. Eik Schiegnitz (Mainz), dem Leitlinienbeauftragten der DGI. Groß waren Engagement und Einsatz der Teilnehmer. Konzentriert an einem Tag musste ein erhebliches Arbeitspensum bewältigt werden.

Die Arbeitsgruppe zum Thema 3D-Röntgendiagnostik und Navigation hat ihre Empfehlungen erweitert und erläutert, wann eine 3D-Röntgendiagnostik erfolgen sollte. „Vor jeder Implantatinsertion ist eine klinische Untersuchung und eine ausreichende radiologische Diagnostik des Implantatbetts erforderlich. Lassen sich die erforderlichen Informationen für Diagnostik, Therapieentscheidung und Durchführung sowie in speziellen Fällen für Verlaufskontrollen aus der klinischen Untersuchung und/oder der klassischen zweidimensionalen Bildgebung nicht gewinnen, sollte eine dreidimensionale Diagnostik erfolgen.“ Die Leitlinie enthält darüber hinaus einen warnenden Hinweis, dass aufgrund von Messungenauigkeiten im DVT bei der Planung des Eingriffs ein Sicherheitsabstand von zwei Millimetern zu wichtigen anatomischen Strukturen eingehalten werden sollte.

Beim Thema Navigation stellte das Team fest, dass der Nutzen einer navigierten Implantatinsertion inzwischen in randomisiertem, kontrollierten Studien überprüft wurde. Diesen zufolge zeigen navigiert gesetzte Implantate eine geringere Abweichung von der Planung. Dies hat jedoch keinen Effekt auf das Überleben der Implantate. Geringer ist jedoch der postoperative Schmerz, was vermutlich auf eine vermehrte transginigivale Implantation zurückzuführen ist.

Umfangreich sind die Veränderungen, die die Arbeitsgruppe an der Leitlinie für Knochenersatzmaterialien vorgenommen hat. Die Empfehlungen thematisieren viele Aspekte: Anamnese, Implantatposition, Augmentationstechniken sowie komplexe Defekte. In einem Statement konstatiert das Team, dass Implantate in gut eingeheilten augmentierten Arealen bei systemisch nicht kompromittierten Patienten keine schlechtere Prognose haben als im ortsständigen Knochen. „Zur Regeneration periimplantärer Dehiszenzdefekte können“, so die Gruppe, „alle zur Verfügung stehenden Knochenersatzmaterialien eingesetzt werden.“ Betont wird jedoch auch, dass keine vollständige Wiederherstellung des Gewebes zu erwarten ist. Eine gute Nachricht gibt es zum Thema Sinuslift: Dabei könnten die Behandler mit vergleichbaren Erfolgsraten auf alle vorhandenen Materialien und Techniken zurückgreifen. In einem Statement erklärt die Arbeitsgruppe, das xenogene und alloplastische Blocktransplantate dem autologen Knochenblock unterlegen sind.

Bei der implantatprothetischen Versorgung des zahnlosen Oberkiefers war sich die Arbeitsgruppe einig, ihren Empfehlungen eine allgemeine voranzustellen: „Die Entscheidung, ob festsitzend oder herausnehmbar versorgt wird, richtet sich nach den individuellen patientenbezogenen Gegebenheiten und der Patientenpräferenz.“ Ebenso waren sich die Experten einig, dass weniger als vier Implantate für den zahnlosen Oberkiefer nicht geplant werden sollten, selbst wenn es inzwischen dazu Untersuchungen gibt, deren Ergebnisse die Experten jedoch nicht überzeugten. Neu ist jedoch, dass vier Implantate nicht länger nur herausnehmbar, sondern nach dem neuen Expertenurteil auch festsitzend versorgt werden können – wobei sich die letztere Option auf eine anterior axiale und posterior angulierte Implantatposition bezieht sowie auf eine Positionierung der endständigen Implantate mindestens im Prämolarenbereich. Einig war sich die Arbeitsgruppe, dass es sich bei diesem Verfahren um ein techniksensitives Verfahren handelt, das eine strenge Patientenselektion, präzise Planung und eine spezifisch auf das Verfahren abgestimmte Aufklärung erfordert.

Finalisiert wurde die neue Leitlinie zum Thema „Implantate in der Kieferorthopädie“, koordiniert von Prof. Dr. Benedict Wilmes (Düsseldorf).


(Stand: 22.11.2019)

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1. Ausgabe (September 2019)
2. Ausgabe (November 2019)

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