Leitfaden für die Praxis

Wissen rund um das Thema Gerinnung für Zahnmediziner und Oralchirurgen

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Der Anspruch des Fachbuchs besteht laut Klappentext in der Vermittlung „praxisrelevanter Aspekte des Spezialgebiets ‚Gerinnung‘ […] für Zahnärzte und Oralchirurgen“. Demnach stehen „wichtiges Wissen zu Blutungsneigung und Thromboseneigung im Rahmen der Eingriffe des Fachgebiets sowie der perioperative Umgang mit Antithrombotika“ im Fokus.

Beginnend mit den Grundlagen der Blutgerinnung führt der Fließtext über angeborene und erworbene Gerinnungsdefekte, die pharmakologische Therapie bei Blutungsneigung sowie Antithrombotika schließlich in das perioperative Gerinnungsmanagement in der Zahnmedizin und Oralchirurgie. Das Buch endet mit 11 Kasuistiken rund um das Thema Gerinnung.

Das Werk beginnt sprachlich recht holprig und findet erst im Mittelteil zu einer konsistenten und flüssig lesbaren Schreibweise. Auch die Struktur der Einzelabschnitte lässt zu Beginn zu wünschen übrig. Dem Leser wird anfänglich das Folgen der Thematik durch unstrukturierte, sich teilweise in kleinste Details verlierende Absätze reichlich erschwert. Auch die gut gemeinten „Kurzfassungen“ zum Ende jedes Abschnitts enthalten teilweise Spezialwissen, sodass die gewünschten, praxisrelevanten „Take-Home Messages“ am Ende leider fehlen.

Ab Abschnitt 2.3 zum Thema „Komplexe erworbene Gerinnungsdefekte“ findet der Autor seinen „Flow“: Die Absätze gewinnen zunehmend an Struktur und Fokus. So erhält der Leser nach dem ersten Drittel des Werks einen guten Überblick über die Thematik der Gerinnungsstörung. Mit Beginn der Darstellung der pharmakologischen Beeinflussung der Hämostase werden gut fundierte und nütz­liche Informationen geboten. Angefangen mit Antifibrinolytika, der therapeutischen Nutzung von Desmopressin, Protamin und Ähnlichem über eine generelle Vorstellung der unterschiedlichen Antithrombotika in klinischer Anwendung bis hin zum perioperativen Gerinnungsmanagement gewinnt der Leser einen suffizienten Überblick, ein tiefergehendes Verständnis und erhält hilfreiche Handlungsempfehlungen für die Praxis. Insbesondere die Aufschlüsselung der Antikoagulanzien gegenüber der Gruppe der Plättchenhemmer ebenso wie der gute Überblick über die Möglichkeiten und Notwendigkeiten des perioperativen Bridgings im Rahmen unterschiedlicher Indikationen und Risikokonstellationen ist als besonders lehrreich herauszustellen.

Ein formell störender Punkt ist die beinahe wörtliche Wiederholung des Textinhalts aus dem Fließtext unter den größtenteils sehr gelungenen Grafiken und Tabellen. Den Textfluss erschweren leider zahlreiche fehlerhafte fachliche Schreibweisen und (erschreckend viele) Zeichensetzungsfehler. Insgesamt fällt die Diskrepanz zwischen dem Anspruch eines allgemeinen Überblicks über die Fakten der klinischen Hämostaseologie und dem Verlieren in Details spezifischer Erkrankungen sowie dem gleichzeitigen Auslassen vieler weiterer (ähnlich häufiger) Pathologien der gleichen Art auf. Des Weiteren fehlt die – für ein solches Werk vorauszusetzende – Fachsprache. In einigen Passagen kommt beinahe der Gedanke auf, ein Buch für medizinische Laien in den Händen zu halten.

Dennoch kann dieses Werk trotz seiner Schwächen als suffizienter Leitfaden für die zahnärztliche Praxis empfohlen werden. Nur einen Überblick über die Grundlagen der Gerinnung im humanen Organismus sollte sich der Leser anderweitig verschaffen; hier lahmt das Werk leider reichlich. Dennoch werden insbesondere relevante Pathologien, deren Risiken und weitere therapeutische Möglichkeiten suffizient erläutert. Wer sich an dem holprigen Anfang nicht stört, findet mit diesem Buch einen guten Einstieg in die klinische Hämostaseologie für Zahnmediziner und Oralchirurgen.

Christopher Sucker, 1. Auflage 2019, Walter de Gruyter GmbH, Hardcover, 161 Seiten, 50 Farbabbildungen, 25 s/w-­Zeichnungen, 25 s/w-Tabellen, ISBN-13: 978-3-11-049096-1, 49,95 Euro


(Stand: 25.11.2019)

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