Daten aus den Praxen

Warum eine sorgfältige Dokumentation zukunftsweisend ist

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Schlüsselwörter: DGI-Vorstand Dr. Bastian Schmidinger IMPDAT Praxis Real-World-Daten

Lang, lang ist es her. Am 5. Februar 1978 habe ich mein erstes Implantat unter der Supervision meines Lehrers Eugen Steiner gesetzt. Auf dem Stuhl saß eine damals 35-jährige Frau. Die Implantation erfolgte im rechten Unterkiefer Freiende. Ich inserierte ein Linkow-Blattimplantat U22 D. Beim Fräsen der Rinne mit der Turbine brach ich den Bohrer ab, konnte das Fragment aber finden und den Bohrvorgang vollenden. Das Implantat habe ich 8 Jahre später entfernt, weil es die für Blattimplantate typischen Abbauvorgänge aufwies.

Woher ich das alles noch weiß? Ich habe vom ersten Implantat an alle Implantate dokumentiert – und zwar immer gleich am Tag des Einsetzens. Musste ein Implantat entfernt werden, habe ich natürlich auch dies dokumentiert. Am Anfang dokumentierte ich das alles in einem Heft, dann in einer Excel-Tabelle im Computer und ab 1985 mit der IMPDAT-Software1, mit deren Hilfe man sehr einfach alle mit der Implantation zusammenhängenden Daten dokumentieren und auch statistisch auswerten kann.

So weiß ich aus meiner eigenen IMPDAT-Statistik, dass bei mir das Ein-Drehmoment zwischen 15 und 40 Ncm keinen Einfluss auf die Einheil- und Überlebensrate hat, aber auch, dass ich bei meinen Sofortimplantaten mit Sofortbelastung in nahezu 10 Prozent der Fälle einen Misserfolg dokumentieren musste. Die Schlussfolgerung wäre, keine Sofortimplantationen mehr vorzunehmen oder bei der Aufklärung der Patientinnen und Patienten das höhere Risiko anzusprechen. Ich habe seinerzeit im DGI-Vorstand erreicht, dass diese Daten in eine Feldstudie der DGI anonym einfließen. Diese aber dümpelt dahin, weil nur 800 von 8.000 Mitgliedern der DGI ihre implantologischen Leistungen über IMPDAT dokumentieren. Darum wissen wir noch nicht einmal, wie viele und welche Implantate von den Mitgliedern gesetzt werden und wie der Verlauf jeweils ist.

Aller Wissenschaft Anfang sind die Daten, doch da hapert es also gewaltig. Es gibt zwar viele Studien, die Daten liefern. Doch was wir dringend benötigen, sind – wie es so schön neudeutsch heißt – Real-World-Daten, die das Geschehen in den Praxen abbilden. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass unter der Führung unseres Fortbildungsreferenten Bilal Al-Nawas dieses Thema vom Vorstand ernsthaft angegangen wird und dann jeder von der anonymisierten Feldstudie profitieren kann. Schließlich ließe sich mit diesem Dokumentationssystem auch ein E-Pass für dentale Implantate verknüpfen, den viele wollen und der von der DGI in Kooperation mit Mitstreitern auf den Weg gebracht werden soll (s. S. 230).

Phillip Conchard konnte in seiner Masterarbeit2 zeigen, dass der Zeitaufwand der Dokumentation eines Implantats in IMPDAT – durchgeführt von der Assistenz – weniger als 30 Sekunden benötigt und während der OP aufgenommen werden kann. Eigentlich sollte sich daher jetzt jedes Mitglied der implantologischen Mutter DGI fragen, warum er/sie da nicht mitmacht. Dokumentieren macht Spaß, vor allem, weil wir die erste Generation sind, die einen Menschheitstraum verwirklichen kann: „Ein ganzes Leben mit festen Zähnen zu verbringen.“ Das muss man doch aufschreiben!

1 www.impdat.com, 2 Masterarbeit Philip Cochardt 2022 „Qualitätssicherung in der Implantologie“


(Stand: 21.11.2022)

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