DGI Nachrichten - ZZI 04/2017

Eine Laudatio in Stereo

Eigentlich hätten wir uns schon Anfang der 80er Jahre begegnen können, denn wir haben das gleiche Gymnasium in Kirchheimbolanden besucht, wo auch Karl-Ludwig Ackermanns Wurzeln liegen – ein kleiner „pälzer“ Akzent“ zeugt noch davon – aber unser Altersunterschied hat es noch verhindert. So sollte es erst während der nächsten Lebensetappe werden: das Studium der Zahnmedizin in Mainz und anschließend die Assistenzzeit in der Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie, auf die wir beide heute noch stolz zurückblicken und abendfüllend lustige Geschichten aus dieser Zeit austauschen.
Unser Chef, Prof. Herfert, war allen Auftritten auf Fortbildungskongressen abgeneigt, jedenfalls haben wir es in diesen Jahren so erlebt. Ganz anders drängte es Karl-Ludwig schon als Vorlesungsassistent zu Klinikzeiten ans Mikrofon – nicht das erste Anzeichen einer großen Karriere.
Die Implantologie war zu Mainzer Klinikzeiten und Mitte der Siebziger Jahre noch im Bereich „Nadelstraßen“ im Unterkiefer angesiedelt und die Blattimplantate mit bindegewebiger Einheilung waren mehr das Thema von illustren Praktikern dieser Zeit.
So erinnere ich mich an meinen ersten Implantologiekurs in der Praxis Kirsch in Filderstadt Ende der Siebziger Jahre. Das IMZ-Implantat hatte noch Flügel (die Blätter waren wohl noch nicht ganz verabschiedet) und das Implantatbett wurde noch mit einer kleinen Kreissäge aufbereitet. Genau in dieser Zeit trat Karl-Ludwig in die Gemeinschaftspraxis Kirsch/Ackermann in Filderstadt ein, eine Art Geburtsstunde für eine rasante Entwicklung der Implantologie aus der Praxis heraus.
Wie ein IMZ-Implantat dann später aussah und welche Weiterentwicklung die darauffolgenden Zylinderimplantate genommen haben, geht sicherlich auch auf das große Engagement von Karl-Ludwig zurück. Würde man die Flugmeilen und Straßenkilometer zählen, die „Acki“ schon in Sachen Implantologie zurückgelegt hat, könnte man ahnen, dass er am Wochenende weniger in seiner Heimatstadt Kaiserslautern anzutreffen ist als auf den Kongressbühnen dieser Welt.
Es gibt wohl keinen implantologisch tätigen Zahnarzt in Deutschland und wahrscheinlich nur wenige auf der Welt, die den Namen „Karl-Ludwig Ackermann“ nicht kennen oder noch nicht gehört haben. Tausende von hervorragenden Falldokumentationen und Patientenpräsentationen über so viele Jahre können nur wenige Referenten vorweisen – sie füllen ganze Räume in der Praxis, ein unschätzbarer Fundus an Erfahrung in der Implantologie, aus dem heraus Karl Ludwig Ackermann seine Mithörer begeistert.
Als „Implantologie-Papst“ würde man Karl-Ludwig aber vollkommen unterbewerten, denn er ist ein Vollblutzahnmediziner, der die komplette Zahnmedizin immer auf höchstem Niveau praktiziert hat. Scharen von Besuchern in der Praxis (zu denen ich auch immer wieder gehörte) haben von seinem Können profitiert und „Acki“ wird nicht müde, sein Wissen weiterzugeben. In den USA würde man von einem echten „Wet-finger-Dentist“ im Gegensatz zu einem „White-collar-Dentist“ sprechen.
Unsere Wege haben sich immer wieder gekreuzt und verliefen lange gemeinsam, so im geschäftsführenden Vorstand der DGZMK und neuerdings in der DGI, wo er schon viele Jahre im Vorstand als Schatzmeister seiner Fachgesellschaft dient.
Das alles klingt nach einem „Verrückten“ in Sachen Zahnmedizin, und ein wenig ist es zum Glück auch so, denn solche braucht das Fachgebiet, die Kollegenschaft und auch ein Patient. Deshalb mach weiter so, lieber Karl-Ludwig, wir werden Dir alle gerne weiter zuhören und von Deiner Erfahrung profitieren – am liebsten bei einem „Schöppsche Pälzer Woi“.

Dr. Norbert Grosse, Wiesbaden

Dem tief in der „Wet-finger-Praxis“ verwurzelten Bild von Karl-Ludwig Ackermann möchte ich noch ein paar „White-collar-Aspekte“ hinzufügen, wenn man das Engagement für und die Verbundenheit mit der wissenschaftlichen Zahnheilkunde so nennen möchte. Ich war noch ein richtig grüner Vortragsfrischling, da war „Acki“ schon mehr als 10 Jahre auf den Podien der Kongresse unterwegs. Das waren die Zeiten, in denen es die sanft gleitenden, animierten PowerPoint-Präsentationen von heute noch nicht gab, und man während des Vortrages noch jeden Diawechsel ansagen musste. Karl-Ludwigs Vorträge waren schon damals in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Er hatte ein akustisches Alleinstellungsmerkmal dadurch, dass er bei jedem Diawechsel immer einen kleinen Knackfrosch in der Hand betätigte, der den Diawechsel signalisieren sollte, ohne seinen Redefluss unterbrechen zu müssen. Daneben war ich aber vor allem inhaltlich davon beeindruckt, dass der stringente Praxisbezug in seinen Vorträgen stets mit einer sehr gründlichen Literaturkenntnis unterlegt war, die schon damals eine Synthese von Praxis und Wissenschaft zum Ausdruck gebracht hat. Diese Verbindung zu leben und an ihr zu arbeiten, das ist charakteristisch für das Engagement von „Acki“, wie ich ihn kennengelernt habe.
Die ersten Entwicklungen der Implantologie in Deutschland sind – das ist oben schon angeklungen – in der Praxis erfolgt, und viele Anregungen und Ideen stammen auch heute noch daher. Dies gilt auch und gerade für Karl-Ludwig Ackermann. Der Name der Praxis in Filderstadt ist ja nicht zufällig mit der Entwicklung zweier klinisch erfolgreicher Implantatsysteme verbunden. Seitdem das Thema Implantologie dann vor ca. 30 Jahren von den Universitäten entdeckt und auf breiter Front wissenschaftlich bearbeitet wurde, hat es nur wenige niedergelassene Kollegen gegeben, die die implantologische Brücke zwischen diesen beiden Welten in beiden Richtungen so intensiv beschritten haben wie Karl-Ludwig.
Der Einsatz für die Wissenschaft hat sich bei „Acki“ u.a. in einer langfristigen Liaison mit wissenschaftlichen Fachgesellschaften ausgedrückt. Vor fast 20 Jahren haben wir beide 1998 mit diesem Engagement in der DGI begonnen, ich als Schriftführer und Karl-Ludwig als Schatzmeister. Und dieses Amt hat er seither ununterbrochen ausgeübt. Nach meiner Zeit in der DGI ist es mir 2007 gelungen, ihn noch zusätzlich in die DGZMK als Beisitzer zu „locken“, wo er seit nunmehr 10 Jahren tätig ist. Dieses ja ausschließlich ehrenamtliche Engagement für zwei zahnmedizinisch-wissenschaftliche Gesellschaften neben der Praxistätigkeit und den unermüdlichen Vortragsaktivitäten – da kann aus einem „white collar“ schon mal schnell ein schweißnasser „wet collar“ werden.
Aber das Gute an gemeinsamer Arbeit ist, dass sie auch persönlich verbindet. Über die zwei Jahrzehnte hat sich auf dem gemeinsamen Weg eine Freundschaft entwickelt, die weit über die gemeinsamen Sitzungen und Kongresskontakte hinausreicht und den Privatmenschen Karl-Ludwig zum Vorschein gebracht hat, der gerne reist, guten Wein schätzt, sein schönes Zuhause mit seiner Frau Edeltraut genießt und mit großer Leidenschaft alle Entwicklungen auch außerhalb der Zahnmedizin diskutiert.
Der 65. Geburtstag wird ja gemeinhin als der Zeitpunkt angesehen, an dem die kontemplative Phase des Lebens beginnt. Wer das bei Karl-Ludwig Ackermann erwartet, der kennt ihn schlecht. Wir können uns noch auf viele Jahre freuen, in denen er am fachlichen Leben aktiv teilnimmt und sich Gehör verschafft, denn „Acki“ gehört zu den glücklichen Menschen, die wirklich lieben, was sie tun.

Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake, Göttingen

Foto: Knipping

 

 

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