Gesellschaft

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DGI KONGRESS ABSTRACTS
Ausgabe: 01/2019
Potenzial der personalisierten Zahnmedizin nutzen

Rückblick auf den 32. Kongress der DGI, 29.11. – 01.12.2018

Das lichte und ausgesprochen elegante RheinMain CongressCenter, das neue Kongresszentrum der Stadt Wiesbaden, bot am ersten Adventswochenende den passenden Rahmen für die 1500 Teilnehmenden des 32. Kongresses der DGI. Die Kongresspräsidenten Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Wiesbaden, und Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, Mainz, hatten die DGI-Familie zum ersten Mal in die hessische Landeshauptstadt gelockt. Und viele Familienmitglieder waren gekommen. Die Stimmung war bestens und die Kongresspräsidenten konnten viel Lob einheimsen.

Die beiden Kongresspräsidenten hatten auch einige neue Dinge erprobt, etwa einen informellen Austausch mit dem Vorstand bereits am Vortag der Kongresseröffnung: Der Einladung „Triff den Vorstand“ waren viele Mitglieder, vor allem auch jüngere, gefolgt. Leger ging es auch am Freitagabend zu – auch dies ein Novum, das sehr gut bei den Kongressbesuchern ankam: ein Get-together in der Implant expo, ohne Eintrittskarten und Krawatte. Im Mittelpunkt des Kongresses stand nicht nur die Heilkunst, sondern auch ungewöhnliche Kunstwerke: Die Kongresspräsidenten hatten Prof. Dr. Dr. Rainer Schmelzeisen, Freiburg, nicht nur zu einem „besonderen Vortrag“ über das Thema „Krieg Implantat Kunst“ eingeladen, sondern auch als besonderen Künstler. Ausgewählte Lenticular-Bilder, von denen etliche speziell für diesen Kongress entstanden sind, begrüßten die Teilnehmer bereits im Forum des RheinMain CongressCenters. In den voll besetzten Vortragssälen wurde intensiv diskutiert, die Tischdemonstrationen im Foyer waren wie immer umlagert und auch in der begleitenden Implant expo waren viele Besucher unterwegs – schließlich galt es, sich über die neuesten Trends zu informieren.
Und in der Tat ist in der Implantologie viel Bewegung. Für eine steigende Zahl von Patienten sind Zahnimplantate die erste Wahl, wenn es um Zahnersatz geht. Zahnärztinnen und Zahnärzte setzen pro Jahr schätzungsweise 1,3 Millionen Implantate. Neben den Möglichkeiten der modernen Implantologie sind schwindende Kontraindikationen ein weiterer Grund für die steigenden Implantationszahlen. „In der Implantologie vollzieht sich gerade ein Paradigmenwechsel“, sagte Kongresspräsident Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Wiesbaden, bei der Eröffnung. Noch vor wenigen Jahren rieten die Autoren von Lehrbüchern von Implantaten eher ab, wenn Patienten an Diabetes mellitus, an Osteoporose oder schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen litten. Dies hat sich geändert. Entsprechend steigt die Zahl der Patienten, die von Implantaten profitieren.

Mehr Risikopatienten. Doch es gibt auch eine Kehrseite dieser positiven Nachricht: Zahnärztinnen und Zahnärzte müssen sich auf eine steigende Zahl von Risikopatienten einstellen. Dafür sorgen der demografische Wandel, die Epidemiologie chronischer Krankheiten und komplexe medizinische Therapien. „Etwa ein Drittel der Patienten über 25 Jahre, die sich in zahnärztlicher Behandlung befinden, tragen Risikofaktoren“, rechnet Professor Grötz vor. Bei einem gut eingestellten Diabetespatienten spricht nichts gegen Implantate. Allerdings sind ausgeprägte Entzündungsprozesse oder die Auswirkungen eines metabolischen Syndroms auf die Blutgefäße bei Diabetikern relevante Risikofaktoren. Dies gilt auch für verschiedene medikamentöse Therapien, wie etwa eine Behandlung mit Antiresorptiva.

Mehr Leitlinien. Was es hier zu beachten gilt, haben die Experten der DGI zusammen mit den Fachleuten anderer Gesellschaften 2016 bereits in Leitlinien beschrieben: Seit zwei Jahren verfügbar sind solche Leitlinien der höchsten Qualitätsstufe S3 zu den Themen „Zahnimplantate bei Diabetes mellitus“ sowie „Zahnimplantate bei medikamentöser Behandlung mit Knochenantiresorptiva“, zu denen u. a. die Bisphosphonate gehören, die bei Osteoporose und Krebserkrankungen eingesetzt werden. 2018 waren „Implantate bei Immunsuppression und Immundefizienz“ ein Thema bei der 3. Leitlinienkonferenz der DGI Mitte September und beim 32. Kongress wurde dem Thema „Allgemeinerkrankungen und Implantologie“ eine Plenarsitzung gewidmet.

Leitlinien und Personalisierung passen zusammen. Die von Kritikern oft als „Kochbuch-Medizin” geschmähten Leitlinien sieht Co-Präsident Prof. Dr. Dr. Bilal Al Nawas keineswegs im Wiederspruch zu einer personalisierten Medizin: „Leitlinien basieren nicht nur auf der externen wissenschaftlichen Evidenz von Studien, sondern integrieren gleichwertig auch die interne Evidenz, also die Erfahrung der Ärztin oder des Arztes und ebenso die Wünsche der Patientinnen und Patienten. Auf dieser Grundlage ist die Personalisierung quasi Bestandteil einer Leitlinie.”
Die personalisierte Implantologie beginnt bei Risikopatienten bereits bei der Auswahl des Implantatsystems und bei der Planung des Eingriffs. „Wenn ein Patient mit Antiresorptiva behandelt wird, profitiert er von einem vorgeschnittenen Gewinde. Bei Patienten mit einer Parodontitis in der Vorgeschichte geben Experten einem Implantat den Vorzug, dessen Schulter auf der Ebene des Weichgewebes endet“, resümiert Professor Grötz. Bei Patienten mit gestörtem Knochenstoffwechsel ist eine Sofortimplantation nicht angezeigt. In diesen Fällen wartet der Experte vier Monate lang nach der Zahnextraktion ab, wie gut sich im Zahnfach der Knochen regeneriert. „Ich sage den Patienten, dass ich erst dann überhaupt beurteilen kann, ob ein Implantat möglich ist.“ Viele moderne Verfahren, die mittlerweile die Implantattherapie verkürzen oder komplexe Therapien erlauben, sind bei Risikopatienten eher keine gute Wahl.

Mehr Kooperation. Leiden Patientinnen und Patienten an Mundschleimhauterkrankungen, müssen auch zahlreiche medizinische Aspekte beachtet werden. Bei bestimmten Erkrankungen, etwa dem Sjögren-Syndrom, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen sogar die Kosten einer Implantatbehandlung. In anderen Fällen gilt es zu beachten, dass eine Erkrankung der Mundschleimhaut eine Periimplantitis begünstigen kann.
Nicht einfach ist die Therapieentscheidung auch bei Patienten mit rheumatoider Arthritis und anderen rheumatischen Erkrankungen. „Bei diesen entzündlichen Erkrankungen gibt es eine wechselseitige Beziehung zur Parodontitis, und es werden häufig Medikamente eingesetzt, die das Immunsystem unterdrücken“, sagt Professor Grötz. Klare Empfehlungen gibt es in diesem Bereich nicht, sondern nur den Rat, die Indikation sehr streng zu stellen.
„Bei der Behandlung von Risikopatienten müssen Zahnmedizin und Medizin sehr eng kooperieren“, sagt Co-Präsident Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, Mainz. „Dies hat auch Konsequenzen für den Bereich der Fort- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Implantologie.“ Die rasante technische Entwicklung des Fachgebiets und anspruchsvolle medizinische Therapiekonzepte erfordern eine qualifizierende und zertifizierte Fortbildung, die diese Entwicklungen berücksichtigt, um die Qualität der Implantattherapie zu sichern.

Periimplantäre Infektionen gehören zu den häufigsten Komplikationen. Die Periimplantitis galt früher als eine seltene Erkrankung, die erst viele Jahre nach einer Implantation auftreten kann. „Diese Einschätzung ist obsolet“, betont Professor Frank Schwarz, Frankfurt. Die Erkrankung kann bereits zwei bis drei Jahre nach der Implantation beginnen. Sie entwickelt sich nicht linear und – verglichen mit einer Parodontitis – beschleunigt.
Dieser zunehmenden klinischen Relevanz periimplantärer Infektionen haben die US-amerikanischen und europäischen Organisationen für Parodontologie Rechnung getragen. Ende Juni publizierten sie eine neue Klassifikation parodontaler Erkrankungen, in die erstmals auch die Periimplantitis und ihre Vorstufe, die periimplantäre Mukositis, aufgenommen wurden. Schon seit zwei Jahren liegt eine S3Leitlinie der DGI zur Therapie periimplantärer Infektionen vor. Darum spielte auch die Diskussion dieser Themen auf dem Kongress eine wichtige Rolle.

Risikofaktoren für Entzündungen. Eine schwere Parodontitis in der Krankengeschichte, eine ungenügende Mundhygiene und der Verzicht auf eine regelmäßige Erhaltungstherapie spielen bei der Entstehung einer Periimplantitis und der einer Periimplantitis oft vorausgehenden Mukositis eine entscheidende Rolle. Auch wenn die Positionierung von Implantaten die Mundhygiene erschwert, kann dies das Risiko für Entzündungen erhöhen.
Die periimplantäre Mukositis gilt als reversibel. Darum sind frühzeitige Diagnose und Behandlung wichtig. Das Gewebe ist gerötet, geschwollen und es blutet, wenn das Gewebe um das Implantat herum sanft sondiert wird. Bleibt eine Mukositis unbehandelt, kann die Entzündung auf das umliegende Knochengewebe übergreifen – die Diagnose lautet dann: Periimplantitis. Für die Therapie der Periimplantitis, bei der am Ende der Verlust des Implantats droht, wurden verschiedene Behandlungsmaßnahmen untersucht. Wenn eine nichtchirurgische Therapie nicht versagt, ist eine chirurgische Therapie erforderlich. Dazu werden zurzeit verschiedene Konzepte erprobt. Welches davon am besten ist, kann jedoch noch nicht beurteilt werden.

Empfehlungen für Patienten: Prävention entscheidend. Darum kommt der Prävention der Entzündungen eine besonders große Bedeutung zu, betont Professor Schwarz: „Eine entscheidend wichtige Botschaft für unsere Patientinnen und Patienten müssen wir immer wieder und intensiv kommunizieren, da sie an einem entscheidenden Risikofaktor der Periimplantitis ansetzt: Ein Zahnimplantat muss mindestens so gut gepflegt und noch engmaschiger kontrolliert werden als die eigenen Zähne.“ Aus diesem Grund erarbeitet die DGI zurzeit eine Empfehlung für Patienten zu diesem Thema.

Kiefergelenk und Implantate. Die Beziehung zwischen Erkrankungen der Kiefergelenke und Implantaten ist bislang kaum ein Thema in der Implantologie gewesen. Das änderte sich auf dem 32. Kongress der DGI. Prof. Dr. Peter Rammelsberg, Heidelberg, beleuchtete in seinem Eröffnungsvortrag diese komplizierte Verbindung. Zahnärzte beschäftigen sich, so die Erfahrung von Professor Rammelsberg, eher selten mit Implantologie und Störungen des Kiefergelenks gleichermaßen. „In manchen Lehrbüchern steht sogar, dass Kiefergelenksprobleme oder eine Okklusionsproblematik eine Kontraindikation für Implantate seien“, sagt der Experte. Der Ärztliche Direktor der Klinik für zahnärztliche Prothetik betrachtet diese Beziehung differenzierter: „Auch Patienten mit Kiefergelenkproblemen können von Implantaten profitieren.“ Schließlich könnten Patienten immer beides haben – einen Bedarf an Implantaten und gleichzeitig Probleme am Kiefergelenk oder Probleme im Kaumuskelbereich.

Zähneknirschen keine Kontraindikation für Implantate. Dies gilt auch für Patienten mit Bruxismus. Zwar wird diese Störung nicht zu den Kiefergelenkerkrankungen gerechnet, sie steht jedoch gleichwohl mit diesen in Beziehung. Knirschen kann Auswirkungen auf das Kiefergelenk haben. „Bruxismus ist ein Risikofaktor, der vor allem technische Komplikationen erhöht, aber er ist keine Kontraindikation für Implantate“, betont Professor Rammelsberg. Wenn Patienten, die knirschen, mit implantatgetragenem Zahnersatz versorgt würden, müsse der Zahnarzt stabile Materialien für den Zahnersatz wählen und diese auch auf einer stabilen Abstützung auf Implantaten einbauen. Dann seien, so die Erfahrung des Experten, die erhöhten Risiken verantwortbar. Man könne das Risiko noch weiter reduzieren, wenn keine Verblendmaterialien auf die Kauflächen gepackt würden, sondern hochfeste Hochleistungskeramiken oder Metall.

Wenn es im Gelenk knackt. Strukturelle Kiefergelenkerkrankungen heilen nicht richtig aus, im Sinne einer Wiederherstellung von idealen anatomischen Verhältnissen. Ein Beispiel dafür ist die Verlagerung des Diskus im Kiefergelenk. Er kann aus seiner normalen Position herausrutschen. Wenn er bei der Mundöffnung wieder zurückgleitet, knackt es im Kiefergelenk. Wenn dies nicht mehr geschieht, kann eine schmerzhafte Kieferblockade der Fall sein.
„Eine Diskusverlagerung verschwindet als solche nicht, auch wenn die funktionellen Einschränkungen und die Gelenkschmerzen im Zuge von Anpassungsvorgängen im Kiefergelenk meist abklingen“, sagt Professor Rammelsberg. „Wenn betroffene Patienten eine Implantatbehandlung benötigen, wird die Verlagerung dadurch natürlich nicht beeinflusst. Sie sind dann Implantatpatienten mit Diskusverlagerung.“ Gleichwohl wissen die Experten aus Untersuchungen, dass eine stabile Seitenzahnabstützung zur Entlastung der Kiefergelenke hilfreich sein kann, selbst wenn die Diskusverlagerung damit natürlich nicht geheilt werden kann.

CMD-Patienten: Screening ist obligat. „Bei Patienten mit craniomandibulärer Dysfunktion (CMD) machen wir stets ein psychosomatisches Screening im Verlauf der Diagnostik“, erklärt Professor Rammelsberg. Bei einer ausgeprägten psychosomatischen Belastung versuchen die Experten, Implantate zu vermeiden oder die Implantation zumindest aufzuschieben. Sollten Implantate zur besseren Abstützung von Brücken oder Prothesen dennoch dringlich werden, muss der Zahnarzt den Patienten darüber aufklären, dass durch die Implantattherapie eine Besserung weder der Kiefergelenk- oder Kaumuskelproblematik noch der häufigen unspezifischen Beschwerden zu erwarten ist.
Und noch einen Rat hat der Experte: „Manche Kollegen meinen, dass sie eine Beschädigung des Implantats vermeiden, wenn sie die Kaufläche mit ‚weichen‘ Kunststoff verblenden. Aber alles, was durch langfristige Verschleißbeständigkeit eine stabile statische Okklusion sichert, entlastet die Gelenke.“ Natürlich dürfe man keine harte Zirkoniumdioxidkeramik nehmen und sie nicht sorgfältig einschleifen. Doch bei präzisem Einschleifen und sorgfältiger Politur der Kauflächen sei das stabilere Material besser.

Barbara Ritzert, Pöcking

Fotos: David Knipping

 

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DGI NACHRICHTEN
Ausgabe: 01/2019
Konzepte im Wettstreit

33. Kongress der DGI 2019 in Hamburg: hören, sehen, erleben, machen

Es dürfte ausgesprochen spannend werden auf dem 33. Kongress der DGI, der 2019 vom 28. bis 30. November in Hamburg stattfindet. Unter dem Motto „Konzepte im Wettstreit“ hat das verantwortliche Präsidenten-Duo – DGI-Vizepräsident Prof. Dr. Florian Beuer MME, Berlin, und DGI-Past-Präsident Prof. Dr. Frank Schwarz, Frankfurt – die Disputatio zum dominanten Format gemacht. Schon bei früheren Kongressen war die Diskussion zwischen ausgewiesenen Expertinnen und Experten, die ihre jeweiligen Konzepte und Lösungsmöglichkeiten bei ausgewählten Fragestellungen präsentierten, ein äußerst beliebtes Format. „Wir setzen nun ganz konsequent auf Interaktion und Diskussion“, sagt Professor Schwarz, „und wir sind uns sicher, dass es dadurch lebendig und interessant wird“, ergänzt Professor Beuer.

Es geht nicht um den schönen Fall ... Wie immer werden die Moderatoren, deren Verantwortung die DGI in den letzten Jahren deutlich ausgeweitet hat, zu Beginn der Sitzung in das Thema einführen und die Diskussion leiten. Die Experten, die ihr jeweiliges Konzept präsentieren, sind ebenfalls stark gefordert. „Es geht nicht darum, dass ein Referent seinen schönsten Fall präsentiert“, erklärt Professor Beuer, „sondern dass er quasi als Anwalt seines Konzepts auftritt.“

... sondern um überzeugende Konzepte. Die beiden Präsidenten erwarten von den Referenten eine Präsentation, die Wissenschaft und Praxis verknüpft. „Es soll keinen „Krieg der Studien“ geben, sondern wir wünschen uns Argumente, Fakten und Informationen, warum jemand auf ein bestimmtes Konzept in seiner täglichen Praxis setzt, wie seine persönliche Lernkurve war und welche praktischen Tipps er aus seinem Erfahrungsschatz an die Kolleginnen und Kollegen weitergeben kann“, sagt Professor Beuer. Ergänzt werden die Disputationes, wann immer möglich, durch die Präsentation der passenden DGI-Leitlinien, von denen in den letzten Jahren eine Vielzahl erarbeitet wurde.

Die richtige Mischung. Das Prinzip, welches die DGI in den Praxiskursen des Continuums verfolgt, wird bei diesem Kongress zum bestimmenden Element werden: die Mischung aus Wissenschaft, Theorie, praktischer Erfahrung, Diskussionen und Hands-on. „Unsere Kolleginnen und Kollegen können verschiedene Konzepte in den Sitzungen kennenlernen und werden im neuen Format des ‚Implant Village‘ diese Ideen und Konzepte erleben, erfahren und teilweise direkt erproben können“, sagt Professor Schwarz. Dies ist die beste Methode, sich selbst eine Meinung bilden zu können. Hinzukommen die bewährten Tischdemonstrationen, die in Kleingruppen den Austausch mit Experten über Fragen der täglichen Praxis auf Augenhöhe ermöglichen.

Das ganze Spektrum der Implantologie. Die Konzepte im Wettstreit miteinander spannen einen weiten Bogen durch die gesamte Implantologie – angefangen bei der Planung eines Eingriffs über den Implantatationszeitpunkt, Implantatmaterialien bis hin zum Disput über Vor- und Nachteile festsitzender und herausnehmbarer Versorgungen. Am Samstag stehen prothetische Konzepte auf der Agenda, es geht um Konzepte für die Augmentation von Weich- und Hartgeweben und um verschiedene Therapiekonzepte bei Periimplantitis.
Ein Bereich der Implantologie, in dem die Entwicklung derzeit besonders dynamisch verläuft, ist etwa der Implantationszeitpunkt. „Da scheint zurzeit ein Umdenken stattzufinden“, sagt Professor Schwarz, „was wir auch an den Entwicklungen bei den Herstellern sehen.“ Darum wird es zu diesem Thema erstmals eine Live-OP auf dem Kongress geben.
Ein internationales Forum gibt Einblicke in Konzepte, die in anderen Ländern verfolgt werden, und die Landesverbände Niedersachsen und Norddeutschland gestalten gemeinsam das Forum der Landesverbände. Mit dabei sind wieder bewährte Partnerorganisationen wie die AG-Keramik, die ihr Jahrestreffen mit dem DGI-Kongress verknüpft. Und natürlich bietet die internationale Implant expo mit mehr als 100 Ausstellern Orientierung und Informationen.

Es kommt zusammen, was zusammen gehört. Der Kongress sorgt natürlich auch für das Wiedersehen mit Freunden und Kollegen aus der DGI-Familie und spricht mit seinen Foren und Themen alle Berufsgruppen an, die in der Implantologie zusammenarbeiten. Darum werdendie Zertifikate an die Absolventen der verschiedenen Curricula auf den Gebieten Zahnmedizin, Zahntechnik und Team-Assistenz in einer gemeinsamen Sitzung vergeben, gefolgt von einer DGI-Geburtstagsparty. „Da wird zusammenkommen und zusammen feiern, was in der DGI zusammengehört und was die DGI ausmacht“, schmunzelt Professor Beuer.

Barbara Ritzert

Foto: David Knipping

 

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Ausgabe: 01/2019
Sedierung und Notfallmanagement

Das neue, sehr erfolgreiche Kursangebot der DGI-Fortbildung zum Thema i. v. Sedierung wird in diesem Jahr erweitert. Zu einem Basiskurs kommt ein Aufbaukurs hinzu.

In der Zahnmedizin stehen verschiedene Sedationsverfahren zur Verfügung. Sie können von qualifizierten Zahnärztinnen und Zahnärzten in Kombination mit der Lokalanästhesie eingesetzt werden, um Patienten gegen Schmerzen, Stress und Angst abzuschirmen. Die intravenöse Sedierung gehört dazu. Diese Form der Sedierung über die Vene lässt sich, anders als mit oralen Sedativa, sehr gut titrieren und den Bedürfnissen des Patienten anpassen. Die sichere Beherrschung des Verfahrens inklusive möglicher Notfälle erfordert jedoch eine gute Ausbildung.
Darum nahm die DGI in ihr Fortbildungsportfolio Ende vergangenen Jahres einen Kurs auf, der das erforderliche Wissen und die nötigen Fertigkeiten kompetent vermittelt. Unter dem Titel „Sedierung und Notfallmanagement in der implantologischen Praxis“ ging dieser Kurs an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main im November an den Start. Das Team der Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie veranstaltet ihn in Kooperation mit dem Frankfurter Interdisziplinären Simulationstraining (FIneST) der Universitätsklinik, das es erlaubt, invasive Methoden und lebensrettende Maßnahmen an Simulationspuppen zu trainieren.
Nachdem der erste Kurs binnen kürzester Zeit ausgebucht war und die Warteliste wuchs, wurden neue Termine anberaumt.
Das Fortbildungsteam bemerkte allerdings schon beim ersten Kurs, dass das Interesse der Teilnehmer an den Übungen so groß war, dass es extrem schwierig war, das Programm des Kurses in der zur Verfügung stehenden Zeit zu absolvieren.
Hinzu kamen neue Empfehlungen der Bundeszahnärztekammer zur Sedierung in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, die Anforderungen an einen Rahmenlehrplan sowie an die apparative und bauliche Ausstattung von Praxen formulierten. Darin werden beispielsweise 20 Stunden Präsenzkurs mit Hands-on-Übungen für die Erlernung der moderaten i. v. Sedierung empfohlen.
„Zwar haben diese Empfehlungen keinen verbindlichen Charakter“, betont Dr. Obreja, „aber wir haben dieses Papier zum Anlass genommen, unser Fortbildungsangebot zu erweitern.“ Das Team des Fortbildungskurses hat das Konzept erweitert – wobei vor allem die Wünsche der Teilnehmer berücksichtigt wurden.
Darum besteht das Angebot inzwischen aus einem – auch alleine buchbaren – Basiskurs, in dem die theoretischen Grundlagen der Sedierung vermittelt werden: Physiologie und Pharmakologie, Risikoeinschätzung, Auswahl und Aufklärung von Patienten, die intraoperative Steuerung der Sedierung sowie das Notfallmanagement. Im Hands-on-Teil wird das Legen eines intravenösen Zugangs geübt.
In einem optional buchbaren Aufbaukurs können die Teilnehmer ihr erworbenes Wissen vertiefen und die Beherrschung des Notfalls im Hands-on-Teil üben. Wie die Dosierung individuell angepasst wird, etwa bei Jugendlichen oder Risikopatienten, wird in diesem Aufbaukurs anhand von Fallbeispielen verdeutlicht. „Dies war ein expliziter Wunsch der Teilnehmer“, sagt Dr. Obreja. Schließlich ist die Titration der Sedierung nicht einfach. Bei älteren Risikopatienten können schon normale Dosen des Sedativums eine Atemdepression verursachen. Wie die Sedierung in den OP-Ablauf eingebunden ist und konkret abläuft, erleben die Teilnehmer bei einem Live-Eingriff mit Vorbereitung und Sedierung eines Patienten.
Der zweite Schwerpunkt in diesem Aufbaukurs ist das Thema Notfallmanagement. Er gibt beispielsweise Empfehlungen für die Ausrüstung der Praxis. „Auch da haben wir festgestellt, dass die Ausstattung in den Praxen sehr unterschiedlich ist. Es müssen jedoch sowohl während der Sedierung als auch in der Aufwachphase die Vitalfunktionen des Patienten fortwährend überwacht werden. „Darum wurden unsere Empfehlungen diesbezüglich von den Teilnehmern als hilfreich angesehen“, sagt die Zahnärztin.
Besonders wichtig ist, dass im Hands-on-Teil dieses Kurses lebensrettende Sofortmaßnahmen im Simulationstraining geübt werden. Das theoretische Wissen über die kardio-pulmonale Reanimation oder respiratorische Notfälle ist eine Sache – die entscheidenden Maßnahmen zu üben ist entscheidend wichtig, um sie zu beherrschen.
„Die Orientierung an den Empfehlungen der Bundeszahnärztekammer dürfte den Kolleginnen und Kollegen auch mehr juristische Sicherheit geben, wenn es zu einem Notfall kommt. Darum empfehlen wir allen Teilnehmenden auch den Aufbaukurs – und die meisten melden sich sofort am Ende des Basiskurses auch schon an“ sagt Dr. Obreja.

Barbara Ritzert

Foto: Bernd Bostelmann

 

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Ausgabe: 01/2019
Implant files: DGI nimmt Stellung zur Sicherheit von Implantaten


Generell sollten nur Zahnimplantate eingesetzt werden, deren Langzeiterfolg in klinischen Studien belegt ist. Das empfahl die Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) Ende November 2018 anlässlich der politischen Diskussion über die Sicherheit von Medizinprodukten.

In Deutschland werden von Zahnärztinnen und Zahnärzten pro Jahr schätzungsweise 1,3 Millionen Zahnimplantate gesetzt. Entsprechend der Einteilung von Medizinprodukten in insgesamt vier Risikoklassen werden Implantate – aus Titan oder Keramik – der Risikoklasse IIb zugeordnet (hohes Risiko). In dieser Gruppe befinden sich beispielsweise auch Intraokularlinsen.
Angesichts von mehr als 200 verschiedenen Implantatsystemen, die auch hierzulande verfügbar sind, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich als wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft generell den Einsatz von Implantatsystemen, die wissenschaftlich dokumentiert und deren Langzeiterfolg in klinischen Studien nachgewiesen wurde. „Diese Studien belegen, dass die Erfolgsraten einer Implantattherapie nach zehn Jahren zwischen 93 und 98 Prozent liegen. Wir als Gesellschaft kooperieren darum auch nur mit Herstellern, die eine qualitätsorientierte und wissenschaftlich orientierte Entwicklungsarbeit leisten“, sagte Prof. Dr. Frank Schwarz vor der Presse im Rahmen des 32. DGI-Kongresses in Wiesbaden.
„Wir empfehlen auch Patientinnen und Patienten im Fall einer geplanten Implantatbehandlung, ihren Zahnarzt oder ihre Zahnärztin zu fragen, ob für das jeweils empfohlene System der Langzeiterfolg wissenschaftlich belegt ist.“
Die Gesellschaft begrüßt die neue europäische Verordnung über Medizinprodukte (MDR), die bis 2020 bisherige Regelungen ablöst, aber ihre Wirkung bereits jetzt entfaltet. Professor Schwarz: „Die CE-Kennzeichnung ist per se leider kein Beleg für eine klinische Dokumentation. Durch die neue Medizinprodukteverordnung werden nun die Anforderungen an eine Zulassung und zukünftige Rezertifizierung deutlich verschärft. Eine qualitativ hochwertige klinische Dokumentation beruht dann nicht mehr nur auf dem Goodwill des Herstellers.“

Die Statistik des BfArM zu Zahnimplantaten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erhielt zwischen den Jahren 2005 und 2016 insgesamt 1448 Meldungen zu Dentalimplantaten. Allerdings konnten die Experten des Instituts in nur 73 Fällen das gemeldete Problem auf einen Produktionsfehler oder Designmangel zurückführen. Zwischen Januar 2016 und Dezember 2018 trafen insgesamt 878 Meldungen zu oralen Implantaten bei der Bonner Bundesoberbehörde ein. Auch in diesen Fällen ergab die Ursachenanalyse, dass im weit überwiegenden Teil der Fälle kein systematischer Produktfehler als Ursache für das Problem vorlag.

Deutsches Implantatregister kommt. In Deutschland nimmt der Aufbau eines bundesweiten Implantat-Registers inzwischen konkrete Formen an. Ein entsprechendes Gesetz soll zu Beginn des nächsten Jahres in Kraft treten. Aufgebaut und geführt werden soll das Register beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), das dem Bundesgesundheitsministerium untersteht. Das Register soll unter anderem die Sicherheit der Patienten erhöhen und dazu beitragen, rechtzeitig Risiken von implantierbaren Medizinprodukten zu erkennen. Zunächst werden alle neu eingesetzten Hüftprothesen und Brustimplantate registriert. Bis 2025 sollen, so das Ministerium, alle relevanten Produktkategorien erfasst sein.

Barbara Ritzert

Foto: BVMed

 

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Ausgabe: 01/2019
Die DGI-Mentoren

80 Helfer für Implantologie-Einsteiger

Es gibt sie in 59 Städten und Gemeinden, man findet sie in 13 Bundesländern und allen Teilen der Republik, in manchen Städten sogar mehrere. Es gibt sie auf den Strecken von Rostock nach Freiburg, von Hamburg nach München, von Köln bis Leipzig, von Aachen bis Wiesloch: Die insgesamt 80 Zahnärztinnen und Zahnärzte, die sich bereit erklärt haben, Teilnehmer des Curriculums Implantologie kollegial auf ihrem Weg in die Implantologie zu begleiten. Das Mentoren-Angebot wird in geografischer Nähe der DGI offeriert.
„Unser Mentorenprogramm ist ein wichtiger zusätzlicher Beitrag der DGI zur Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen im Verlauf ihrer implantologischen Ausbildung“, sagt DGI-Fortbildungsreferent Dr. Christian Hammächer, dem dieses Programm „eine Herzensangelegenheit“ ist. Die Mentoren sind Ansprechpartner für implantologische Fallplanungen, haben Antworten auf Fragen zur Umsetzung der Implantologie in der eigenen Praxis und unterstützen bei der Prüfungsvorbereitung. Viele bieten auch Hospitationen und Supervisionen an.
Das Angebot steht nicht nur den derzeitigen Teilnehmenden des Curriculums zur Verfügung. Wer das Curriculum bereits absolviert, sich aber noch nicht zur Prüfung angemeldet hat, kann von der Unterstützung durch einen Mentor profitieren. Denn nur wer das Curriculum mit einem kollegialen Gespräch abschließt und fünf Fälle präsentiert, wird zertifiziert und erhält mit der begehrten Urkunde eine wichtige Voraussetzung für den Erwerb des Tätigkeitsschwerpunktes Implantologie, den die DGI vergibt.

Barbara Ritzert

Foto: Adobe-Stock/Simin Zoran

 

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Ausgabe: 01/2019
Professionelle Betreuung von Implantatpatienten

Das neue Fortbildungsangebot der DGI für zahnmedizinische Fachangestellte

Im Mai 2019 startet die DGI das neue zertifizierte Curriculum „Professionelle Betreuung von Implantatpatienten (PBI)“ für zahnmedizinische Fachangestellte. Es vermittelt in zwei Wochenendmodulen aktuelles Wissen und Kompetenz in Theorie und Praxis.
Entscheiden sich Patientinnen und Patienten für eine Implantatbehandlung, erwarten sie nicht nur schonende Eingriffe und eine ästhetisch sowie funktionell gelungene, sondern auch eine langlebige Versorgung. Eine Implantatbehandlung ist darum mit der Eingliederung des Zahnersatzes nicht zu Ende. Nur eine nachhaltige und konsequente Betreuung der Patienten kann den Therapieerfolg stabilisieren und erhalten.
„Angesichts der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse über Entzündungsprozesse in periimplantären Geweben und deren Risikofaktoren gewinnt das Patientenmanagement an Bedeutung“, erklärt DGI-Präsident Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Wiesbaden. „Dazu können qualifizierte Mitarbeiterinnen durch Früherkennung und präventive Maßnahmen einen essenziellen Beitrag leisten.“ Das neue zertifizierte Curriculum für die Assistenz „Professionelle Betreuung für Implantatpatienten (PBI)“ liefert dafür auf der Basis der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse das erforderliche Wissen und die nötigen praktischen Fähigkeiten.

Anatomie und die Ursachen periimplantärer Erkrankungen. Im Modul 1 vermittelt DGI-Präsident Professor Grötz biologisch-medizinische Kenntnisse über Anatomie, Ursachen und Diagnostik periimplantärer Erkrankungen. Es geht um die Unterschiede zwischen dem natürlichen Zahn, der im Parodont verankert ist, und dem osseointegrierten Implantat. Auch die international abgestimmte neue Klassifikation Parodontaler Erkrankungen der US-amerikanischen und europäischen Fachgesellschaften für Parodontologie fließt ein. Erstmals wurden dabei auch periimplantäre Entzündungen berücksichtigt und entsprechend den klinischen Phänotypen klassifiziert.

Wissen über Risikopatienten. Mit dem Schwinden der Kontraindikationen für eine Implantattherapie wächst aber auch die Zahl der Risikopatienten, die einer besonderen Betreuung bedürfen. Dazu gehören etwa Patientinnen und Patienten mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder auch Patienten, die mit bestimmten Medikamenten – etwa Antiresorptiva oder Angiogenesehemmern – behandelt werden oder sich einer Strahlentherapie unterziehen mussten. Thema sind auch verschiedene Mundschleimhauterkrankungen.
Auch die Diagnostik ist ein wichtiges Thema in diesem Curriculum. Welche Parameter müssen zum Zeitpunkt der Eingliederung gemessen werden? Welche Ausgangsbefunde müssen nach der Implantation erhoben werden? Was sind die diagnostischen Parameter des Implantats mit einem gesunden oder erkrankten periimplantären Gewebe? Wie muss die Verlaufskontrolle aussehen? Welche Parameter werden wann bestimmt? Wie müssen die Kontrollintervalle festgesetzt werden, abhängig vom Risikoprofil des Patienten und den Ausgangsbefunden?

Kommunikation. Im Modul 2 gibt die international renommierte Expertin und Dentalhygienikerin Dr. Tracey Lennemann ihr Wissen über die Aufklärung und Betreuung von Patienten weiter. „Es ist eine ganz wichtige Botschaft, unseren Patientinnen und Patienten schon von Anfang an zu erklären, dass eine Implantattherapie nur dann langfristig erfolgreich sein kann, wenn eine professionelle Betreuung folgt und das Geld für eine professionelle Erhaltungstherapie gut investiert ist.“ Daher geht es im Curriculum auch um mögliche Optionen, wenn sich Patienten nicht an die Empfehlungen zur Mundhygiene halten oder die Kontrolluntersuchungen vernachlässigen.
„Ich bin überzeugt, dass ein Teil der Periimplantitisfälle auch Kommunikationsdefiziten bei der Aufklärung und Führung der Patienten geschuldet ist“, sagt die DGI-Pressesprecherin Dr. Dr. Anette Strunz, Berlin. „Die Heilung und die Stabilisierung des Behandlungserfolgs funktionieren besser, wenn die Kommunikation zwischen Praxisteam und Patient positiv und gut läuft. Dies muss geschult und geübt werden, und dabei wird die größte implantologische Fachgesellschaft helfen.“

Viele praktische Übungen. Ein erheblicher Anteil des zweiten Moduls mit Dr. Lennemann entfällt auf das Thema „Professionelle Reinigung von Implantaten und Zähnen“. Es geht um den Einsatz verschiedener Hilfsmittel und Instrumente (Handscaler, Ultraschall, Pulverstrahl, Photodynamik, Laser) und um das Biofilmmanagement. Ebenso lernen die Teilnehmer, Veränderungen an der Implantatoberfläche zu erkennen, und worauf es beim Einsatz von lokalen Antiseptika und Antibiotika ankommt. Umfangreiche praktische Übungen zum Einsatz der verschiedenen Hilfs- und Therapiemittel kommen hinzu.
„Gut ausgebildete und kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mehr Selbstvertrauen und Freude bei der Arbeit. Dies trägt zum langfristigen Praxiserfolg bei“, betont DGI-Fortbildungsreferent Dr. Christian Hammächer, Aachen.

Barbara Ritzert

Foto: iStock / Antonio Guillem

 

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Ausgabe: 01/2019
„Das ernste Leben mit möglichst viel Leichtigkeit meistern“

Im Portrait: Dr. Christian Hammächer, der neue Fortbildungsreferent

„Ein Maler mit gutem Einkommen“ – so lautet die Antwort von Dr. Christian Hammächer auf die Frage im berühmten Fragebogen von Marcel Proust, „wer oder was er hätte sein mögen“. Er ist aber dann doch lieber Zahnarzt geworden. Schließlich sind in diesem Beruf die Aussichten auf ein auskömmliches Einkommen deutlich besser als in der Kunst – und wo sonst kann man in der Heilkunst ästhetische Vorstellungen sowie das Gespür für Farbe und Form besser einbringen als in der Zahnmedizin? Das Malen und ein Faible für Kunst sind aber Hobbys geblieben, neben Sportarten wie Laufen und Schwimmen – und dem Telefonieren.
Letzteres gab es für den frischgebackenen Fortbildungsreferenten der DGI in den letzten Wochen und Monaten in ziemlich hohen Dosierungen. Darum lautet seine Antwort auf die Proust-Frage nach der „gegenwärtigen Geistesverfassung“ auch nicht überraschend: „Gut gelaunt und leicht erschöpft“.

Eine arbeitsintensive Aufgabe. Das Amt des Fortbildungsreferenten in der DGI ist in der Tat eine sehr große und arbeitsintensive Aufgabe. Dr. Hammächer wusste jedoch, auf was er sich da eingelassen hat. Schließlich ist er unter seinem Lehrer Professor Hubertus Spiekermann an der Klinik für zahnärztliche Prothetik der RWTH in Aachen „quasi in der DGI aufgewachsen“, wie er sagt. Er erinnert sich noch immer gut an die Erzählungen seines Chefs, der berichtete, wie der Gründungsvertrag der DGI ausgehandelt und unterzeichnet wurde. Darum war auch Dr. Hammächer von Beginn an in der DGI aktiv – sowohl während seiner zehn Jahre in der Klinik – zuletzt als Oberarzt – als auch danach in seiner eigenen Praxis in Aachen. Dort ist Dr. Hammächer inzwischen ebenfalls seit zehn Jahren mit seinem Kollegen Prof. Jamal Stein niedergelassen. Hinzu kommt noch ein Lehrauftrag an der Abteilung für Zahnärztliche Prothetik im Klinikum Aachen.
Dr. Hammächer verfügt darüber hinaus über eine lange Erfahrung als Dozent im Curriculum und im Continuum der DGI – und er leitet einen regionalen Qualitätszirkel der Gesellschaft. Ebenso hat er sich als Mentor zur Verfügung gestellt, um junge Kolleginnen und Kollegen, die gerade das Curriculum der DGI absolvieren, auf ihrem Weg zu unterstützen und bis zur Zertifizierung zu begleiten. Da hilft es schon außerordentlich, wenn das Telefonieren nicht als lästige Pflicht empfunden wird.

Aufrichtigkeit und Humor. Die Aussage von Dr. Hammächer im ersten Fortbildungs-Newsletter im jungen Jahr 2019, dass er sich auf den Austausch mit den Mitgliedern freut, verknüpft mit der Aufforderung, ihm zu schreiben, stieß auf große Resonanz. Dieser Austausch, so sagt er, lieferte wichtige Impulse, wie die Fortbildung der DGI weiterentwickelt werden sollte. Es gibt auf der Landkarte der Bundesrepublik beispielsweise noch immer „weiße Flecken“, in denen es bislang nur wenig Angebote für fortbildungswillige Zahnärztinnen und Zahnärzte gibt. „Dort müssen wir aktiver werden“, sagt Dr. Hammächer.
Beeindruckt war der neue Fortbildungsreferent auch vom großen Interesse vieler – vor allem junger – Mitglieder, die in der DGI aktiv sein wollen. Ihnen will er auch in der Zukunft genau zuhören: „Wir brauchen ein offenes Ohr für Kolleginnen und Kollegen, die in der DGI mitmachen wollen.“ Es fallen im Gespräch Begriffe wie „Austausch auf Augenhöhe“ und „Nahbarkeit“. Das ist ebenfalls nicht verwunderlich, schließlich sind „Menschen mit großem sozialem Engagement – beruflich oder privat“ im Proustschen Fragebogen seine „Helden in der Wirklichkeit“, und Eigenschaften wie Zuverlässigkeit und Großzügigkeit, Aufrichtigkeit und Humor sind die Lieblingstugenden des dreifachen Vaters.

Kreativität und Ungeduld. Die eher glückliche Verbindung aus Kreativität und Ungeduld – Ersteres laut eigener Aussage „der Hauptcharakterzug“ von Dr. Hammächer, das zweite „sein größter Fehler“ – kann der Fortbildungsreferent in seinem Amt gut gebrauchen. Das Überangebot an Fortbildung ist ihm sehr bewusst, ebenso der wachsende Anteil digitaler Angebote. Natürlich setzt auch er weiterhin auf eine hochwertige Fortbildung auf der Basis von Praxis und Wissenschaft – schließlich ist dies der Markenkern der DGI. Entsprechend wird am Curriculum und an der e.Academy, dem E-Learning-Programm der DGI, weiterhin kontinuierlich gearbeitet. Doch Dr. Hammächer sieht ebenso die Herausforderung, „dass man trotz der wachsenden Bedeutung digitaler Konzepte auch die klassischen analogen Fortbildungsangebote schärfen und weiterentwickeln muss“. Entscheidend sei die richtige Mischung aus analog und digital. Die Aussicht auf viel und auch anstrengende Arbeit im neuen Amt schreckt ihn nicht, er wird es angehen – getreu seinem Motto: „Das ernste Leben mit möglichst viel Leichtigkeit meistern.“

Ein „social animal“. Was ihn sehr beruhigt angesichts der Herausforderungen: „Ich habe ein hoch professionelles Team an meiner Seite“, sagt er zufrieden. Das Fortbildungsteam, angeführt von Dr. Norbert Grosse, die Mitarbeiterinnen bei der youvivo GmbH und Geschäftsführer Holger Vogelmann sowie Daniela Winke von der Mitgliederbetreuung hätten ihn binnen kurzer Zeit überzeugt mit Engagement und Wissen. „Ich erlebe, dass das Team in allen Bereichen mit vereinten Kräften Dinge vorantreibt“, sagt Dr. Hammächer zufrieden, dessen Lieblingsfarbe Orange, dessen Lieblingsblume die Pfingstrose und dessen Lieblingsvogel – was Wunder – der Wellensittich ist: Dieser Vogel ist ein Gruppentier mit einem ausgeprägten Sozialverhalten.

Barbara Ritzert

Foto: David Knipping

 

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Ausgabe: 01/2019
„Carpe diem: Nutze den Tag und dein Leben“

Im Portrait: Dr. Dr. Anette Strunz, die neue Pressesprecherin der DGI

„Innenarchitektin, Psychiaterin, Managerin“ antwortet Dr. Dr. Anette Strunz auf die Frage, wer oder was sie hätte sein mögen. Dass sie das alles irgendwie auch geworden ist, verrät der zweite Teil ihrer Antwort im Fragebogen von Marcel Proust: „Das bin ich alles in meiner Praxis“, sagt die Berliner Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgin lachend. Ihre Einzelpraxis hat Anette Strunz vor drei Jahren eröffnet – und sich ihre Praxis entsprechend ihrer Vorstellungen „maßgeschneidert“. Ihr Faible für Architektur und Management war dabei ganz sicher sehr hilfreich.
Anette Strunz war zu diesem Zeitpunkt indes schon lange keine Berufsanfängerin mehr. Hinter ihr lagen elf Jahre Erfahrung als niedergelassene Fachärztin für MKG-Chirurgie in einer großen Praxisgemeinschaft. Sie wusste daher ganz genau, wie ihre Praxis aussehen sollte und hat ihre Vorstellungen auch umgesetzt, was durchaus „anstrengend, aufregend und sehr, sehr schlafmangelig war“, wie sie sagt. Was sie gelernt hat? „Alles verstehen zu wollen und alles zu hinterfragen und dann all die Dinge durchzusetzen, die mir wichtig sind.“

Eine Rarität. Dass sie beruflich gesehen eine „Rarität“ ist, daran hat sie sich schon lange gewöhnt. Frauen sind in der MKG-Chirurgie selten und niedergelassene MKG-Chirurginnen noch seltener. „Dass weniger Frauen die chirurgische Facharzt- und Fachzahnarztausbildung einschlagen, hat sicher einerseits etwas mit dem zeitlichen Aufwand zu tun. Es hat aber andererseits ebenso mit den fehlenden Vorbildern in der Chirurgie zu tun“, sagt Dr. Strunz. Dies können aber nur die Frauen selbst ändern – und das weiß die MKG-Chirurgin. Darum beendete sie ihre Vorstellung auf der Mitgliederversammlung der DGI beim 32. Kongress in Wiesbaden vor der Neuwahl des Vorstandes mit einem wichtigen Satz: „Es ist Zeit, dass neben den ,Vätern‘ der Implantologie auch einige ,Mütter‘ stehen.“
Als älteste von fünf Schwestern ist Anette Strunz es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen. Und sie hatte das beste Rollenmodell vor der Nase: eine arbeitende Mutter, die an der Seite ihres kieferchirurgisch tätigen Vaters eine Praxis für Allgemeinmedizin führt. Die Selbstständigkeit in der eigenen Praxis begreift sie als großen Freiraum: „Ich bin der Meinung, dass man als Chefin die Möglichkeit hat, viel mehr unter einen Hut zu bringen, als wenn man angestellt ist. Denn man kann alles selbst bestimmen.“ Wichtig sei nur, so Dr. Strunz weiter, „dass man eine klare Vorstellung davon hat, wie man als Chef oder Chefin sein möchte“. Und: Führen bedeute auch, als Vorbild authentisch und konsequent zu sein.

Ein Rollenmodell. Inzwischen ist Anette Strunz selbst Vorbild für ihre eigenen drei Kinder. Mit der Position als Pressereferentin und Pressesprecherin im Vorstand der DGI hat sie eine weitere Verantwortung übernommen. Diese ist umfangreicher, als die Bezeichnung verrät. Zum Aufgabengebiet gehört nicht nur der Bereich Kommunikation mit den Medien, sondern auch die vielfältige Kommunikationsarbeit der DGI nach innen und außen. Der Implantologie nicht unähnlich ist das Gebiet der Kommunikation ein Querschnittsfach, das viele Berührungspunkte zu anderen Aufgaben im DGI-Vorstand hat. An dieser Stelle ist Anette Strunz genau richtig. Im Kommunikationsbereich der DGI kann sie ihre Hauptcharakterzüge einbringen: Neues entdecken und ausprobieren, kreativ sein – und das Ganze mit hohem Anspruch und Flexibilität.

Jüngere und Frauen für Implantologie begeistern. „Ich möchte mit dem neuen Vorstand dafür sorgen, dass sich Jüngere und damit mehr Frauen für die Implantologie innerhalb der Zahnmedizin begeistern und ausbilden lassen“, beschreibt Anette Strunz einen Schwerpunkt ihrer Vorstandsarbeit. Hier gelte es – ergänzend zu den etablierten Angeboten – neue Formate zu finden und auszuprobieren, die jüngere Zahnärztinnen und Zahnärzte spezifisch ansprechen. „Ich möchte jungen Kolleginnen darüber hinaus zeigen und vorleben, dass es als Frau sehr gut möglich ist, eine implantologisch-chirurgische Ausrichtung zu haben und sich zusätzlich in einer Fachgesellschaft wie der DGI zu engagieren.“

Vom Vorteil, weiblich zu sein. In ihrem Praxisalltag erlebt die DGI-Pressesprecherin ihr Geschlecht keineswegs als hinderlich: „Für mich ist es sogar ein Vorteil, eine Frau zu sein und mich damit von anderen Praxen und Kollegen abzugrenzen.“ Als Frau habe man bei den Patienten doch eher den Ruf, vorsichtiger und einfühlsamer zu sein. „Und diesen Vorzug kann und sollte man dann durchaus ausspielen“, sagt Dr. Strunz, „aber man muss ihn natürlich auch bestätigen.“

Kommunikation als Thema der Fortbildung. Wie wichtig für Anette Strunz die wissenschaftsbasierte, fachliche Fortbildung ist, kann man an ihrem Lebenslauf ablesen: Sie hat das Curriculum der Implantologie gemacht, ein Curriculum Parodontologie und ein Curriculum Zahnärztliche Hypnose. Außerdem ist sie NLP-Practitioner und hat eine modulare Fortbildung in systemischer Praxisführung absolviert; dies hilft sehr im Praxisalltag mit dem Team und den Patienten. Aufgrund ihrer Überzeugung und ihrer Interessen möchte sie bei der DGI bewirken, dass neben den wichtigen fachlichen und technischen Fragestellungen in der Fortbildung ebenso die psychologischen und kommunikativen Aspekte stärker als bisher vermittelt werden. Dies sei, so Dr. Strunz, sowohl für den Umgang und die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten als auch für die Kommunikation innerhalb des Praxisteams wichtig.
Ebenso kann sich die MKG-Chirurgin sehr gut vorstellen, dass auch das Wissen und Know-how über Praxis- und Mitarbeiterführung für Kollegen im Rahmen der DGI-Fortbildung stärker berücksichtigt werden könnte: „Schließlich sind dies Themen, die frisch approbierte Zahnärztinnen und Zahnärzte zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn oft sehr intensiv beschäftigen müssen.“ Hier kann Dr. Strunz ihre Erfahrungen aus Fortbildungen einbringen, die sie selbst in ihrer Praxis vor allem für jüngere Kolleginnen und Kollegen anbietet und dabei auch immer wieder mit neuen Formaten experimentiert.
Die Fortbildung der Team-Assistenz liegt Dr. Strunz ebenfalls am Herzen: „Eine qualitativ hochwertige Fortbildung und attraktive Veranstaltungen können den Beruf für unsere Mitarbeiterinnen attraktiver machen“, sagt sie und freut sich darum sehr über die DGI-Curricula für Zahnmedizinische Fachangestellte, bei denen auch der Umgang und die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten eine wichtige Rolle spielen.
Für ihre neuen Herausforderungen ist Anette Strunz gut gerüstet: Ihre Lieblingsfarbe ist schließlich rot. Die Farbe steht für Aktivität, Dynamik, Temperament und Wärme. Sie erhöht den Energiepegel und die seelische Kraft. Dazu passt auch die Antwort der neuen Pressechefin der DGI auf die Proustsche Frage nach der gegenwärtigen Geistesverfassung: „Wach, konzentriert, zufrieden, voller Tatendrang und Ideen – nur etwas zeitmangelig.“ Zeitmangel? Der gehört bei DGI-Vorständen zur Arbeitsplatzbeschreibung.

Barbara Ritzert

Fotos: Peter Adamik

 

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Ausgabe: 01/2019
Volle Kraft voraus

Neuer DGI-Vorstand seit 30. November 2018

Geführt wird die mit rund 8500 Mitgliedern größte wissenschaftliche Fachgesellschaft Europas auf ihrem Gebiet in den nächsten drei Jahren von dem Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Wiesbaden.

Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, niedergelassen in der Tagesklinik MKG-Chirurgie Burgstraße und Direktor der Klinik für MKG-Chirurgie der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden, übernahm das Amt von Prof. Dr. Frank Schwarz, dem Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und Implantologie der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, der als Past-Präsident dem Vorstand weiterhin angehören wird. Der neue Präsident überreichte seinem Vorgänger als Dank für eine engagierte Präsidentschaft das Kunstwerk „Walk the line“. Das Unikat stammt von Prof. Dr. Dr. Rainer Schmelzeisen, Freiburg, der eine Auswahl seiner Lenticular-Bilder unter dem Titel „Bei Lichte gesehen …“ auf dem Kongress ausgestellt hatte.
Zum Vizepräsidenten wählte die Mitgliederversammlung im Rahmen des 32. Kongresses der Gesellschaft in Wiesbaden den bisherigen Fortbildungsreferenten Prof. Dr. Florian Beuer MME, Direktor der Abteilung für Zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre der Charité-Universitätsmedizin Berlin. In ihren Ämtern bestätigt wurden der Schatzmeister Dr. Karl-Ludwig Ackermann aus Filderstadt und der Schriftführer Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, plastische Operationen der Universitätsmedizin Mainz.
Neu im Vorstand ist Dr. Christian Hammächer aus Aachen, der in das Amt des Fortbildungsreferenten berufen wurde. Ebenfalls neu im Vorstand ist die MKG-Chirurgin Dr. Dr. Anette Strunz aus Berlin. Sie ist die Pressesprecherin und erste Frau im Vorstand der Gesellschaft.
Mit großem Dank für ihr langjähriges Engagement wurden die scheidenden Vorstandsmitglieder Priv.-Doz. Dr. Gerhard Iglhaut aus Memmingen (Past-Präsident) und der bisherige Pressesprecher Prof. Dr. Germán Gómez-Román, Tübingen, von der Mitgliederversammlung gewürdigt.

Barbara Ritzert, Pöcking

Fotos: David Knipping

 

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Ausgabe: 02/2019
Wissenschaft und Praxis auf Augenhöhe

25 Jahre DGI: Dr. Sebastian Schmidinger im Gespräch

 

Die DGI wurde am 19. März 1994 in Mainz gegründet. Sie ist die Fusion zweier implantologischer Gesellschaften. Die AGI war universitär und wissenschaftlich orientiert, die GOI praktiker- und praxisorientiert. Wissenschaft und Praxis in der Implantologie sollten in einer Gesellschaft vereint werden, um das Fach weiterzuentwickeln.

Was war das Wichtigste bei der Fusion der beiden Fachgesellschaften?
Das Wichtigste war die Augenhöhe. Es ist damals gelungen, die Vorurteile auf beiden Seiten, bei den Praktikern und Wissenschaftlern, zu überwinden und eine Fachgesellschaft zu schaffen, in der beide Gruppierungen auf Augenhöhe kooperieren. Diesen Durchbruch haben die beiden Gründerväter, Professor Hubertus Spiekermann und Dr. Harald Duelund, und ihre Mitstreiter geschafft. Dieses Prinzip der Augenhöhe ist auch in der Satzung verankert: Der Vorstand ist paritätisch mit Praktikern und Wissenschaftlern besetzt, und die Präsidentschaft wechselt bei jeder Wahl zwischen den Gruppen. Das war damals ideal und trägt bis heute. Wir sind in einer Gesellschaft, in der es tolerant zugeht, in der die Expertise von Praktikern und Wissenschaftlern gleichermaßen wertgeschätzt wird.

Wie haben Sie diese Wertschätzung in den Anfängen erlebt?
Als erster Fortbildungsreferent der Gesellschaft habe ich eine Liste erstellt, welche Anforderungen ein Lehrer in der Implantologie erfüllen sollte. Meiner Vorstellung nach sollte ein Lehrer 5000 Implantate gesetzt haben und zehn Jahre in der Implantologie tätig sein. Da mussten wir feststellen, dass kein Kollege an einer Hochschule so viele Implantate inseriert hatte. Wir haben darum die Anforderung auf 1000 Implantate reduziert. Damit war klar: Wir sind auf Augenhöhe, und jede Gruppierung kann ihr Bestes einbringen. Viele Kollegen aus der Praxis hatten mehr Erfahrung in der Implantologie, und die Kollegen an den Universitäten konnten Doktor- und Habilitationsarbeiten in unserem Fachgebiet vergeben, um so die wichtige wissenschaftliche Grundierung der Implantologie zu schaffen. Denn bis auf Per-Ingvar Brånemark hat damals niemand geforscht. Dann hat vor allem Professor Peter Tetsch an der Universität Mainz die Implantologie wissenschaftlich ins Visier genommen. Es erschienen endlich Arbeiten, die Antworten hatten auf Fragen von uns Praktikern. Die Vorurteile haben sich so in den beiden Gruppierungen aufgelöst. Es war klar: Wir können miteinander und wir müssen miteinander.

Sie waren der erste Fortbildungsreferent und der dritte Präsident der DGI. Welches Amt war schöner?
Die Fortbildung, das war mein Ding und mein Baby. Wenn ich mir etwas ans Revers heften könnte, dann unsere frühen Aktivitäten in der Fortbildung, die Qualitätszirkel, die Helferinnenausbildung, die ersten Kompaktkurse an sechs Wochenenden – das war die Vorlage für das spätere Curriculum, das Günter Dhom dann so hervorragend weiterentwickelt hat. Die Präsidentschaft war demgegenüber durchaus ambivalent. Da spürte man die Unterschiede zwischen den Hochschullehrern und dem Praktiker. Ich habe jedoch stets mit den Kollegen direkt und geradeaus geredet. Ich wollte keine Personalquerelen und Profilneurotiker im Vorstand – und das haben wir auch geschafft. Schön an der Präsidentschaft war, dass ich viel herumgekommen bin und viele Dinge in der Fortbildung unterstützen konnte. Ehrlich gesagt, ich bin ein verkappter Fortbildungsreferent bis heute.

Sie unterrichten noch immer im Curriculum. Was hat sich geändert?
Ich sehe hier durchaus Veränderungen. Ein Einser-Abitur allein reicht nicht für die Zahnmedizin. Nötig ist vor allem das manuelle Geschick. Wir brauchen eine dreidimensionale Auffassungsgabe, die Feinmotorik ist ebenfalls wichtig. Es genügt nicht, wenn man theoretisches Wissen schnell lernt, aber feinmotorisch untrainiert ist. Ich halte darum viel vom Üben, wir brauchen in der Implantologie die Ausbildung am Tier- und Humanpräparat. Wenn wir unseren Anatomiekurs am Humanpräparat in Regensburg veranstalten, höre ich immer wieder von Kolleginnen und Kollegen, dass sie diese komplexen Strukturen jetzt verstehen. Dies ist wichtig. Darum sehe ich auch die ganze navigierte Implantologie kritisch, da die Ergebnisse nicht besser sind als bei einem gut ausgebildeten Implantologen. Dies gilt auch für den digitalen Workflow; die wichtigsten Sachen im Leben sind immer noch analog.

Die DGI war und ist ja nicht die einzige Gesellschaft auf dem Gebiet der Implantologie in Deutschland. Was, glauben Sie, hat sie erfolgreich gemacht?
Menschen haben einen guten Riecher, ob etwas stimmt oder nicht. Sie merken schnell, wie groß der Nutzen ist oder wie gering. Die Kolleginnen und Kollegen merken auch, wenn jemand eine Gesellschaft gründet, weil er sein Implantatsystem
pushen will, oder wenn der Personenkult dominiert. Wir haben in der DGI die kommerzielle von der persönlichen Seite immer sehr gut getrennt. Die Unabhängigkeit von Firmen war wichtig. Es ging nicht um einzelne Implantatsysteme, es ging um Implantologie und um sonst nichts.

Vor welchen Herausforderungen steht die DGI heute?
In den Anfängen mit 1500 Mitgliedern kannte jeder jeden, das hat sich geändert. Darum sind die regionalen Einheiten wie Qualitätszirkel und Landesverbände wichtig. Dort wird der persönliche Kontakt gepflegt. Die Grundaussagen in unserem Gebiet ändern sich wenig. Wenn umwälzende Dinge geschehen, dann braucht man einen Menschen, der etwas ausprobiert hat, der etwas kennt und das auch kann. Ich wünsche mir auch, dass die Lehrer im Curriculum und im Masterkurs sich untereinander enger abstimmen, um die Lehre zu optimieren. Und es gibt noch
eine Herausforderung: Wir brauchen mehr vergleichende Untersuchungen, bei denen Produkte und Systeme miteinander verglichen werden. Was hilft mir eine Arbeit, bei der ein Produkt an 20 Patienten eingesetzt wird – und danach wird diesem eine gute Wirksamkeit bescheinigt, es bleibt aber die Frage, ob es besser oder schlechter ist als vergleichbare Produkte. Da könnte die DGI viel bewegen, wenn wir alle besser dokumentieren würden. Dies müsste eine Gesellschaft von der Größe der DGI eigentlich schaffen. Das wäre eine wichtige Aufgabe für die nächsten
25 Jahre.

Das Gespräch führte Barbara Ritzert, Pöcking

Foto: Knipping

 

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