Gesellschaft

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LAUDATIO
Ausgabe: 01/2019
„Motoren mit Vollgasfunktion“

Laudatio auf die neuen DGI-Ehrenmitglieder

Eine Gesellschaft wie die DGI hat im Lauf ihres Bestehens sehr honorable Mitglieder gewonnen. Es ist mir deshalb als Mitglied des derzeitigen DGI-Vorstands eine Ehre, gleich zwei langjährigen und extrem aktiven Mitgliedern heute die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Dies tue ich besonders gerne auch aus sehr persönlichen Gründen.

Bevor ich die zu Ehrenden bekannt gebe, möchte ich einige wesentliche personenbezogene Details und Charakteristika sowie Verdienste der Laureaten hervorheben.
Wenn ich Sie frage, was Sie mit den Begriffen Sauvignon Blanc, Riesling, Zweigelt, Syrah oder Lemberger verbinden, so denken Sie sicherlich nicht an ein verdienstvolles Mitglied der DGI oder gar an einen Klinikchef für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Und doch sind dies die Ergebnisse seiner „erholsamen“ Stunden außerhalb seiner operativen und klinischen Tätigkeit.
Denn diese Rebsorten baut Herr Prof. Dr. Dr. Dieter Weingart u. a. mit einem Freund in der Nähe von Stuttgart auf seinen Weinbergen an und lässt die edlen Tropfen in der Weinmanufaktur Untertürkheim zu edlen Weinen verarbeiten. Seine Verdienste im Fach MKG hat er demgegenüber aber schon frühzeitig erworben.
So schaffte er es mit der ihn auszeichnenden Zielstrebigkeit nach dem Abschluss einer zahnmedizinischen Lehre, innerhalb von nur 15 Jahren zwei medizinische Studiengänge und eine Habilitation erfolgreich zu beenden. Akademische Auszeichnungen (z. B. der André Schröder Preis) begleiteten seinen beruflichen Werdegang, bevor er 1996 sowohl zum Ärztlichen Direktor des Klinikums Katharinenhospital ernannt wurde als auch zum Vorsitzenden der wissenschaftlichen Vereinigung für ZMK. Dieser steht er noch heute vor.
Sein unermüdlicher Antrieb, sich selbst, aber auch seine Kollegen einem stetigen Wissensdruck auszusetzen, führte ihn zunächst in den Vorstand des ITI und zur Gründung der Sektion Deutschland sowie letztlich – auch dank der Initiative unseres damaligen DGI-Präsidenten Prof. Friedrich W. Neukam – zur Gründung des DGI-Landesverbandes Baden-Württemberg im Jahre 2000. Er sorgte dafür, dass die LV-Mitglieder jährlich mehrere hervorragende Tagungen rund um alle Disziplinen der Implantologie erleben durften. Die Crème de la Crème unserer Spitzenreferenten kam aufgrund des persönlichen Kontakts mit Professor Weingart wegen seines Engagements nach Stuttgart.
Erst im vergangenen April übergab er nach 18 Jahren den Staffelstab an Prof. Jürgen Hoffmann, Heidelberg. Derzeit zählt der LV BW mehr als 1130 Mitglieder und ist einer der größten im DGI e. V. Über die vielen aktiven Jahre häuften sich nicht nur die Anerkennungen seiner Tätigkeit (vornehmlich im ITI, z. B. Mitglied im Education Committee, Weltpräsident und Honorary Fellow). Nebenbei war er auch sieben Jahre Ärztlicher Leiter des Kopfzentrums Stuttgart.
Wir, und damit meine ich nicht nur den Vorstand der DGI, sondern alle DGI-Mitglieder, können stolz sein auf seinen positiven Einfluss zum Wohle unseres Vereins, aber auch auf seine vorbildlichen Interpretationen unseres Fachgebiets.
Bleiben wir beim eingangs gezeigten Bild. Wer fällt Ihnen ein, wenn ich Ihnen als Stichworte die Produkte IMZ, Camlog und – bald auch – Logon nenne? Ich denke, es ist nicht sehr schwierig zu erraten, dass sich dahinter unser verdientes Mitglied und – darauf bin ich sehr stolz – mein Praxispartner und Freund Dr. Axel Kirsch verbirgt.
Seine ersten und klinisch relevanten implantologischen Verdienste erwarb er bereits zu Beginn der 1970er-Jahre als wissenschaftlicher Assistent und Oberarzt an der Abteilung Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universität Freiburg!
Über vielerlei Überlegungen zur Verbesserung der klinischen Implantologie kam ihm der Zufall zu Hilfe, als er den Kollegen Lutz Koch 1973 kennenlernte. Die Vorstellung, dass starr eingeheilte Implantate nur über eine Imitation der parodontalen Beweglichkeit natürlicher Zähne zum erfolgreichen Verbund von Zahnkrone zu Implantat führen, war die eigentliche Geburtsstunde des intramobilen Zylinderimplantatsystems (IMZ). Die so konstruierten Implantate wurden über fast zwei Jahrzehnte weltweit sehr erfolgreich angewandt. Es war der Anfang der von P. I. Brånemark beschriebenen Osseointegration eines Titanimplantats mit einer bedingt abnehmbaren Suprastruktur.
Die kontrollierte Bearbeitung des Implantatlagers durch ein normiertes und sicheres IMZ-Instrumentarium und die labortechnisch planbar sichere Suprastruktur leiteten einen Werte- und Akzeptanzwandel der Implantologie innerhalb der Zahnheilkunde ein. Es gelang Axel, viele Kollegen weltweit für seine Ideen und Erfolge zu begeistern. Er wurde an vielen Universitäten als extern kooperierendes Mitglied zum Associate, Visiting oder Adjunct Professor berufen.
Seine Verdienste waren aber keineswegs „ein Ruhekissen“. Sein Wissensdurst und der ständige Drang, Gutes noch besser zu machen, waren der Anlass für die Entwicklung des Camlog-Implantat-systems, das seit 1999 extrem erfolgreich als prothetisch orientiertes Produkt vermarktet wird. Der Zwang zur Perfektion war immer da.
Alle Mitarbeiter des Teams – Kliniker, Zahntechniker und Prophylaxeassistenz – waren mit stetigem Hinterfragen und Verbessern beschäftigt. Nichts mehr wurde in den vergangenen 15 Jahren dem Zufall überlassen. Und wie es schon bei der Einführung des Camlog-Implantats war, erfolgte eine komplette Neuentwicklung und -ausrichtung hin zu einen neuen, allen Hart- und Softwarenotwendigkeiten gerecht werdenden Produkt, dem Logon-Implantat! Mehr kann ich an dieser Stelle nicht sagen, aber bleiben Sie gespannt.
Parallel zu all diesen für einen Zahnarzt eher ungewöhnlichen Aktivitäten begleitete Axel unser Fach als weltweit anerkannter Referent und Fachmann, aber auch als gesellschaftspolitisch wichtiges langjähriges Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Kieferchirurgie und im Vorstand des LV Baden-Württemberg.
Wer ruht und rastet, der tritt auf der Stelle. Ich kenne Axel nur als Motor mit Vollgasfunktion. Er war und ist ein Vorbild für mich, und ich hoffe, dass er es noch lange bleibt.

Dr. Karl-Ludwig Ackermann

Fotos: David Knipping

 

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