Gesellschaft

Hier finden Sie alle Hinweise zu den Fortbildungskursen, Mitteilungen der Gesellschaften, Diskussionen, Tagungskalender- und Berichte, thematisch und chronologisch sortiert.

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DGI NACHRICHTEN
Ausgabe: 02/2019
Kurzmeldungen

Implantatregister. Am 3. April hat das Bundeskabinett den Entwurf eines Gesetzes von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur Einrichtung eines Implantatregisters beschlossen. Orale Implantate (Risikoklasse IIb) sind nicht betroffen. Die Liste der zu erfassenden Implantate enthält nur Implantate der höchsten Risikoklasse III. Voraussichtlich können Hüftgelenk- und Knie-Endoprothesen sowie Brustimplantate ab Mitte 2021 als erste Implantate erfasst werden. Das Gesetz wird zum Jahres-
ende verkündet, da es nicht zustimmungspflichtig ist.

Zahnwurzeln zur Augmentation des Alveolarkamms. Präklinische und klinische Daten belegen, dass Zahnwurzeln zur Augmentation des Alveolarkamms eingesetzt werden können. Dentin hat eine ähnliche Zusammensetzung wie Knochen, verfügt über osteokonduktive und osteoinduktive Eigenschaften und wird auch in den Prozess des Knochenumbaus einbezogen. Das neue Konzept steht im Mittelpunkt eines internationalen Workshops mit Live-Op und Hands-on am 13.09.2019 in Frankfurt/Main. Referenten sind Prof. Dr. Frank Schwarz und Prof. Dr. Dr. Robert Sader. www.dgi-fortbildung.de/tooth-root-workshop

Sommerakademie. Wer in der Implantologie forschen will, muss nicht nur Verfahren der biomedizinischen Wissenschaften beherrschen, sondern auch die Rahmenbedingungen der Forschung kennen. Dies lernen die Teilnehmer der Sommerakademie Kiel, die in diesem Jahr vom 1. bis 5. Juli zum 16. Mal stattfindet. Die DGI erleichtert die Teilnahme von Assistenten und Studierenden durch einen Kostenzuschuss. Informationen gibt es bei Dr. E. Behrens: behrens@mkg.uni-kiel.de

Barbara Ritzert, Pöcking

 

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Ausgabe: 02/2019
Die Schnittstellen von Implantologie und Prothetik

Reunion der DGI-Master in Berlin mit prominenten Referenten

 

Alljährlich treffen sich im Spätherbst die Masterabsolventen von DGI und Steinbeis-Hochschule bei ihrer Reunion in Berlin. Zum zwölften Treffen am 10. November 2018 konnten die Organisatoren wieder einmal renommierte Referenten präsentieren. Diese und das Format der Tagung hatten mehr als 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Bundeshauptstadt gelockt.

„Wie wichtig die Schnittstellen zwischen Implantologie und Prothetik sind, wissen wir nicht erst seit heute“, sagte Dr. Derk Siebers M.Sc. zur Eröffnung der Reunion. Etabliert sind die Konzepte des „Backward Planning“ und Implantate werden nach prothetischen Gesichtspunkten gesetzt. Aber die Entwicklung neuer Materialien und Methoden geht weiter – in der Implantologie und der Prothetik gleichermaßen. Also gab es Gründe genug, die Schnittstellen zwischen den Fächern ausführlich zu beleuchten. Eingeladen waren auch zwei Experten aus der Parodontologie, die durch ihre Beiträge weitere Schnittstellen beisteuerten.
Als „Dinosaurier mit einem 50 Jahre alten Zahnarztexamen“ outete sich gleich zu Beginn Prof. Dr. Dr. Niklaus Lang, Professor em. der Klinik für Parodontologie an der Universität Bern. Darum sei es nicht verwunderlich, sagte der Referent mit einem Schmunzeln, dass man etwas langsamer, aber auch etwas weiser werde. „Man sieht zurück und fragt sich, was ist heute eigentlich neu?“ Und dann folgte eine Provokation: „Für mich“, so Professor Lang, „gibt es eigentlich keine Implantologie, weil es keine Lehre vom Implantat gibt.“ Vielmehr gebe es nur Zahnmedizin mit und ohne Implantate. Im Grunde sei Implantologie Parodontologie und nichts anderes. Die Planung sei prothetisch, hinzu komme etwas Oralchirurgie – und dann folge das, was wichtig sei; die Erhaltungstherapie. Und diese bedürfe einer ständigen Wechselwirkung der Teilgebiete der Zahnmedizin. So weit das Tableau für das Thema von Professor Lang: „Auf Prinzipien begründete Behandlungsplanung komplexer Fälle.“

Mit Evidenz gegen ein Dogma. Das Gesetz von Ante, eher ein Dogma, aus dem Jahr 1926, zerpflückte der Experte als erstes. Diesem zufolge soll die Gesamtfläche des Desmodonts der im Knochen verankerten Wurzeln von Pfeilerzähnen mindestens der theoretischen Gesamtfläche des Desmodonts der Wurzeln der zu ersetzenden Zähne entsprechen. Dass dieses Gesetz jedoch keine solide wissenschaftliche Basis hat, belegen zahlreiche Studien. Beispielsweise kämen, so Professor Lang, Lulic et al. in ihrem Review zu dem Ergebnis, dass die Überlebensrate von Brückenpfeilern, die parodontal deutlich geschwächt sind, nach fünf Jahren bei 96 Prozent und nach zehn Jahren bei
92,9 Prozent liegt. Das Prinzip einer Rekonstruktion sei, dass man keine Häuser auf Sand baue. „Wichtig ist ein gesundes Parodont“, so der Parodontologe. Auf diesem könne man Wolkenkratzer bauen, ebenso könne auch auf einem Parodont mit geringerem Attachmentlevel eine Rekonstruktion auf wenigen Pfeilern eingegliedert werden.

Implantate sind ein Segen. Implantate seien ein Segen für die Zahnmedizin, doch inzwischen sei auch klar, so Prof. Lang, dass Implantate und implantatgetragene Rekonstruktionen keine bessere Prognose hätten als eigene Zähne bzw. Rekonstruktionen auf eigenen Zähnen. „Technische Komplikationen treten bei implantatgetragenen Versorgungen drei Mal häufiger auf, und nicht zuletzt erfordern Implantate aufgrund des Periimplantitisrisikos eine intensive Nachsorge.“
Die Bedeutung einer Parodontitisbehandlung und konsequenter Nachsorge belegte Prof. Lang mit einer Studie von Pjetursson et al.: Bei parodontal vorgeschädigten Patienten mit Implantatversorgungen ist die Implantatüberlebensrate nach erfolgter Parodontitisbehandlung und entsprechender Nachsorge genauso hoch wie bei parodontal gesunden Implantatträgern.

Parodontitistherapie in Phasen. Eine PA-Therapie bestehe aus vier Phasen, erläuterte Prof. Lang. In der systemischen Phase werde die allgemeine Anamnese abgeklärt und, wenn möglich, das Rauchen abgewöhnt. In der Hygienephase werde der Patient motiviert und instruiert, seine Mundhygiene zu verbessern. Vermittelt werden sollten die Basistechnik und der Einsatz von Interdentalbürstchen, die wesentlich effektiver seien als die Reinigung mit Zahnseide. In dieser Phase finden auch Scaling und Root Planing unter Anästhesie statt, ebenso das Spülen mit CHX sowie eine mikrobiologische Keimbestimmung. In der korrektiven Phase werden noch bestehende aktive Taschen chirurgisch und durch Einbringen von Emdogain möglichst eliminiert. In der Erhaltungsphase wird der Patient alle drei Monate einbestellt, bestimmt werden dann der BOP- und der Plaque-Index. „Ebenso wichtig ist es, den Patienten zu remotivieren“, betonte Prof. Lang.

Zähne so lange wie möglich erhalten. Seine Botschaft war klar: Es gelte einen Zahn so lange wie möglich zu erhalten. Nur wenn verschiedene Risikofaktoren zusammenkämen, sei eine Extraktion gerechtfertigt. „Implantate sind nicht da, um Zähne zu ersetzen, sondern wir brauchen sie, um nicht vorhandene Zähne zu ersetzen“, präzisierte der Experte seine Sicht der Dinge. Sein Appell an das Auditorium: „Wir alle sind ausgebildet, die Zähne zu erhalten, wir müssen diese Herausforderung nur annehmen.“
Nicht weniger provokant als Prof. Lang forderte auch der zweite Parodontologe unter den Referenten, Dr. Frederic Kauffmann (Würzburg), die Versammlung der Master heraus. Der Titel seines Vortrags war als Frage formuliert: „ZE-Versorgung von PA-Patienten – besser ohne Implantate?“ Und zu Beginn des Vortrags stellte Dr. Kauffmann eine weitere Frage an das Auditorium: „Sie behandeln eine 28-jährige Patientin mit einem 90-prozentigen Knochenverlust. Wird es besser, wenn man alle Zähne zieht und Implantate einsetzt?“
Die Antwort darauf war prononciert und differenziert. Dr. Kauffmann postulierte, dass Extraktionen so lange wie möglich hinausgezögert werden sollten. Würden die Zähne geschient und stabilisiert, werde das Blutkoagel in der Tasche stabilisiert, der Knochen werde sich regenerieren. Die Botschaft: „Eine Extraktion kann auch noch nach einer Parodontitistherapie erfolgen, wenn diese nicht erfolgreich war.“ Allerdings sollte die Mundhygiene des Patienten vor der Therapieentscheidung evaluiert werden, da diese entscheidend wichtig sei.

„Hoffnungslose“ Zähne sind zu retten. Was möglich ist, zeigt eine Studie von Schlagenhauf et al. Darin wurden mehr als 400 als „hoffnungslos“ beurteilte Zähne mit Taschentiefen von acht bis zehn Millimetern mit einer konventionellen PA-Therapie über drei Jahre behandelt. So konnte ein Großteil der Taschentiefen auf unter drei Millimeter reduziert werden. Nur 16 Prozent der Zähne mussten extrahiert und zehn Prozent chirurgisch weiterbehandelt werden. Auch eine adjuvante Antibiose wirkt sich Studien zufolge günstig auf die Taschentiefe aus. Eine atraumatische Entfernung des Biofilms bis zu sechs Millimetern Taschentiefe sollte, so eine weitere Empfehlung, mittels Glycin-Pulver und Erythritol-Pulver erreicht werden. Bei der nichtchirurgischen bzw. mikrochirurgischen Therapie sollten, so Dr. Kauffmann, zusätzlich zu den Schmelz-Matrix-Proteinen Knochenersatzmaterial und Bindegewebstransplantate eingebracht werden, da dies postoperative Rezessionen verhindere. Die Applikation von Hyaluronsäure oder Schmelz-Matrix-Proteinen steigere zudem die Proliferation von Blutgefäßen und kollagenen Fasern.
Wie Dr. Kauffmann betonte, konnten Prof. Frank Schwarz et al. (Frankfurt) in einer Studie zeigen, dass bei 48 Prozent der Implantate mit Periimplantitis die Mundhygiene der Patienten schlecht war oder die Implantate schlecht zu reinigen waren. Nur bei vier Prozent der Implantate mit Periimplantitis war die Mundhygiene der Patienten sehr gut. Es sei daher wichtig, die ZE-Versorgungen reinigungsfähig zu gestalten.
Zur Prävention einer Periimplantitis sei es wichtig, betonte der Referent, die erforderlichen Abstände bei der Insertion eines Implantats einzuhalten. Ebenso riet der Parodontologe, über eine Prämolarisierung nachzudenken, bevor Molaren wegen einer Parodontitis extrahiert werden. Diese chirurgische Therapie habe eine relativ gute Langzeitprognose. Die Hemisektion bzw. Wurzelamputation hingegen sei recht kostenintensiv und stelle hohe Anforderungen an den Zahntechniker.
Bei einem höhergradigen Furkationsbefall kann eine Extraktion verhindert werden, indem mithilfe einer Sonde und Zahnseide ein oder zwei Wedjets in die Furkation eingebracht und diese dort für zehn Tage belassen werden. Auf diese Weise werde, so Dr. Kauffmann, die Furkation aufgedehnt und könne vom Patienten gereinigt werden.

Innovative Konzepte. Prof. Dr. Daniel Edelhoff (München) präsentierte „CAD/CAM-Polymere als innovative Behandlungsoption für komplexe prothetische Rehabilitationen inklusive Implantaten“. Wie der Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der Universität München zunächst betonte, werde der Einsatz digitaler Verfahren nicht automatisch für eine gute Ästhetik sorgen. Nach wie vor sei das Wax-up am Modell besser. Auch die 3D-Drucktechnik werde überbewertet. „Zwar können wir Zähne und Totalprothesen aus verschiedenen Materialien in 30 Minuten drucken, allerdings ist die Qualität des Materials nicht gut genug.“ Darum setzt das Team von Professor Edelhoff die Drucktechnik nur bei Provisorien ein.
Eine Vorbehandlungsphase mit Okklusionsschienen sei, so Prof. Edelhoff, ein wichtiger Schritt im Rahmen eines strukturierten Behandlungskonzepts bei komplexen Rehabilitationen mit Veränderungen der vertikalen Dimension der Okklusion. Dafür präsentierte der Experte drei verschiedene, zum Teil CAD/CAM-gefräste Schienenkonzepte, mit denen eine geplante Veränderung der Bisshöhe ausprobiert werden kann, bevor eine definitive Bisserhöhung stattfindet.
Bei dieser Vorbehandlung ist die Mitarbeit des Patienten wichtig. Sie ist jedoch aufgrund ästhetischer, phonetischer oder funktioneller Einschränkungen bei konventionellen, herausnehmbaren Schienen oft unzureichend. „Diese Schienenart wird mit Unterbrechungen getragen und ist somit weniger effektiv“, sagte Professor Edelhoff.
Das zweite Schienenkonzept: herausnehmbare farbige Schienen. Bei ihnen ist die Patientenakzeptanz höher, Okklusionsebene und Zahnmorphologie können wiederhergestellt und Phonetik und Ästhetik beurteilt werden. Der Adaptationszeitraum sei kurz, so der Experte. Der Patient trage die Schiene in der Regel 23 Stunden täglich. Zudem bestehe jederzeit die Möglichkeit, die Therapie abzubrechen, ohne dass Schäden entstanden seien. Diese Schienen werden aus Polycarbonat CAD/CAM-gefräst und sind bemalbar. Sie passen besser als konventionell hergestellte Schienen, da sie schon vorher polymerisiert sind und die Polymerisationsschrumpfung daher wegfällt.
Als drittes Schienenkonzept präsentierte Prof. Edelhoff die festsitzenden Schienen. Deren Akzeptanz bei Patienten sei hoch, da sie eine fast perfekte Zahnmorphologie bieten und Phonetik und Ästhetik langfristig beurteilt werden können. „Der Adaptationszeitraum ist kurz, das vorher angefertigte Wax-up kann eins zu eins umgesetzt werden“, betonte der Referent. Bei diesem Schienenkonzept sei die Effektivität am höchsten, da die Schiene 24 Stunden in situ sei.

Wax-up auf dem Modell. Das Wax-up sollte laut Prof. Edelhoff weiterhin per Hand auf dem Modell aufgewachst und nicht vom Computer designt werden, da so eine individuell auf den Patienten zugeschnittene Ästhetik erzielt werden könne. Zur Planung sollten Fotos und bestenfalls Videos angefertigt werden, um nicht nur die Ästhetik, sondern auch die Phonetik darstellen zu können. Je mehr Informationen der Zahntechniker über den Patienten hat, desto besser kann dieser ein individuelles Wax-up anfertigen. Vor der Umsetzung einer Bisserhöhung empfiehlt Prof. Edelhoff seinen Patienten, die Schiene mit dem umgesetzten Wax-up drei Monate zu tragen.
Erfolgt nach der Testphase die Umsetzung in definitive Rekonstruktionen, kann die Schiene in der Mitte geteilt und in den Quadranten gesetzt werden, der gerade nicht präpariert wird. Auf diese Weise werden Okklusion und Bisshöhe beibehalten. Bestehende Restaurationen, die in der falschen Bisshöhe eingestellt sind, können abgestrahlt, mit Primer konditioniert und mit Komposit erhöht werden.

Lösungen für das Lückengebiss. Prof. Dr. Florian Beuer (Berlin), Vizepräsident der DGI, präsentierte implantatprothetische Lösungen für das Lückengebiss unter dem Aspekt herausnehmbar vs. festsitzend. Die Therapieentscheidung hängt laut Prof. Beuer von mehreren Faktoren ab. Dem Patienten sei es wichtig, kauen zu können, Ästhetik und Phonetik sollten stimmen. „Wir als Behandler müssen jedoch nicht nur den Wunsch des Patienten beachten, sondern auch der internen und externen Evidenz gerecht werden“, so der Direktor der Abteilung für Zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre der Charité. Relevant für die Behandlungsplanung sei, was der Patient an Platz, Knochenangebot sowie Anzahl und Qualität der Restzähne mitbringe. Auch die Vorlieben des Behandlers spielten bei der Therapieentscheidung eine Rolle.
Eine Untersuchung zeige, dass ältere Patienten insuffiziente Prothesen tolerieren, während jüngere Patienten eher Implantate wünschen. Ein anderer Befund: Das Arzt-Patienten-Verhältnis scheint für eine Therapie wichtiger zu sein als die anatomischen Voraussetzungen.
Die Vorteile von festsitzenden Versorgungen sind die Naturnähe, die psychologischen Vorteile, die weiße Ästhetik, die Möglichkeit, keramische Materialien zu verwenden, die geringe Abdeckung der Weichgewebe und weniger Nacharbeit. Die Nachteile: die eingeschränkte Möglichkeit, Knochen und Weichgewebe zu ersetzen, sowie die Hygienefähigkeit. „Außerdem ist man abhängiger von der korrekten Implantatposition, und es sind mehr Implantate nötig als bei herausnehmbarem Zahnersatz“, so Prof. Beuer.
Bei diesem sind weniger Implantate nötig und auch suboptimal platzierte Implantate können leichter in die Rekonstruktion einbezogen werden. Zudem ist ein Nach-
arbeiten einfach, fehlendes Gewebe kann leicht ersetzt werden. Nachteilig sind die großflächige Bedeckung der Weichgewebe und mehr Nacharbeit. Keramik sollte für herausnehmbaren Zahnersatz nicht verwendet werden. Der psychologische Effekt und das Fremdkörpergefühl sind weitere Nachteile.
Für den zahnlosen Oberkiefer beleuchtete Prof. Beuer die Option des herausnehmbaren Zahnersatzes auf sechs teleskopversorgten Implantaten. Vorteile sind passiver Fit, Verschleißfreiheit und der mögliche Verzicht auf den bukkalen Schild. Nachteile sind die zahntechnische Komplexität und die hohen Kosten.
Für den zahnlosen Unterkiefer beschrieb der Referent das Konzept des herausnehmbaren Zahnersatzes auf vier Implantaten mit einem Steg oder Teleskopen als Verankerung. Studien zufolge gibt es bei der Implantatüberlebensrate keinen Unterschied zwischen diesen Konzepten. Allerdings ließen sich signifikant mehr Konkremente an den Stegen feststellen. „Letztlich“, so das Fazit von Prof. Beuer, „zeigen beide Varianten der Versorgung gute Ergebnisse, sodass die Therapieentscheidung dem Behandler überlassen werden kann.“ Prof. Breuer empfiehlt im Oberkiefer eher eine teleskopierende Versorgung und im Unterkiefer eine steggetragene Versorgung. Das „All-on-four“-Konzept sei attraktiv, kosteneffizient, recht invasiv und technisch noch optimierbar, urteilt Prof. Beuer. Alternativ könne man einen unbezahnten Oberkiefer herausnehmbar mit zwei Stegen auf sechs Implantaten versorgen.

Auswirkungen auf die Mundflora. Thoma et al. haben die Auswirkungen verschraubter und zementierter Implantatkronen auf das periimplantäre Weichgewebe untersucht. Nach sechs Monaten war die Bakterienflora bei verschraubten und zementierten Kronen unterschiedlich, und bei zementierten Kronen wurden mehr Entzündungszeichen nachgewiesen.
Als mögliche Versorgungen für den zahnlosen Oberkiefer empfiehlt Prof. Beuer – wenn festsitzend versorgt werden soll und eine rosa Ästhetik benötigt wird –, eine Brücke auf sechs oder vier Implantaten zu verschrauben. Eine herausnehmbare Alternative lässt sich mit einem Steg oder Doppelkronen erreichen. Wird im unbezahnten Unterkiefer eine rosa Ästhetik benötigt, rät Prof. Beuer zu einer verschraubten Brücke auf vier Implantaten. Wenn keine rosa Ästhetik benötigt wird, kann der Zahnersatz auf drei dreigliedrigen Brücken und sechs Implantaten verschraubt oder zementiert werden.

Schnittstelle Implantologie – Parodontologie ist das Thema des Treffens am 8./9.11.2019. Die Referenten: Cortellini, Happe, Jung und Mankoo

www.mastertreffen.de

Barbara Ritzert, Pöcking

Fotos: B. Ritzert

 

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Ausgabe: 02/2019
So schützen Sie die Daten Ihrer Patienten

Verstöße gegen den Datenschutz sind kein „Kavaliersdelikt“

 

Die Digitalisierung der Kommunikation fordert Zahnärzte und Ärzte in privaten und öffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens ganz erheblich. Vor allem der Schutz von Patientendaten hat aufgrund neuer rechtlicher Rahmenbedingen an Bedeutung gewonnen.

Die Digitalisierung der Kommunikation hat neue Voraussetzungen für die vernetzte Sammlung von Daten und deren Verarbeitung geschaffen. Dies betrifft nicht nur jene Datenspuren, die bei der Zahlung mit Kredit- und Kundenkarten, bei Onlinebuchungen oder beim Surfen im Internet, entstehen und gespeichert werden. Neue rechtliche Vorgaben zum Datenschutz müssen auch im Gesundheitswesen umgesetzt werden. Dabei spielt die bereits seit dem 25.05.2018 geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) eine herausragende Rolle.


DIE "MAGNA CHARTA" DER PRIVATSPHÄRE

Worum geht es bei der EU-DSGVO eigentlich? Die DSGVO ist die „Magna Charta“ für die Privatsphäre von uns allen, sagt Justizminister Heiko Maas. Sie soll die Interessen an freiem Datenfluss auf der einen Seite und persönliche Datenschutzinteressen auf der anderen Seite ausgleichen. Dabei geht es gerade auch um den Schutz des allgemeinen Persönlichkeitsrechts, der Selbstbestimmung, der Menschenwürde sowie der freiheitlichen Werte des Grundgesetzes. Ziel der neuen Regelung ist der Schutz der Menschen, nicht der Schutz von Daten.


NICHT DATEN, MENSCHEN SOLLEN GESCHÜTZT WERDEN

Wegen der herausragenden Bedeutung dieser Grundrechte in einer sich rasant digitalisierenden Welt hat die DSGVO das Ziel, dem Datenschutz in der Praxis deutlich mehr Geltung zu verschaffen. Dies hat zur Folge, dass Datenschutzverstöße kein „Kavaliersdelikt“ mehr sind. Bei Verstößen können die Datenschutz-Aufsichtsbehörden nunmehr z.B. Geldbußen bis zu 20 Mio. Euro für Einrichtungen des Gesundheitswesens verhängen. Dieser drastisch erweiterte Bußgeldrahmen erhöht massiv den Compliance-Druck, und die ersten Verstöße im Gesundheitswesen wurden bereits sanktioniert.
Der deutsche Gesetzgeber hat zudem zur teilweisen Umsetzung der DSGVO bereits am 30.06.2017 das Datenschutz-Anpassungs- und Umsetzungsgesetz EU – 1. DSAnpUG) (Bundesdatenschutz-Gesetz n.F.) erlassen. Denn das EU-Gesetz enthält über 70 Öffnungsklauseln, die nationale Regelungen erlauben und von den Staaten auch intensiv genutzt werden.


DIE EIGENE DATENWELT VERSTEHEN

Praxen, MVZs und Kliniken sollten sich einen gründlichen Überblick über ihre Datenwelt verschaffen. Es ist beispielsweise wichtig zu wissen, welche Arten von personenbezogenen Daten erfasst werden, wie und von wem diese gesammelt werden, wo die Daten gespeichert werden, was damit gemacht wird und wer damit arbeitet. Auch die Gründe für die Verarbeitung, für die Speicherung und Speicherungsdauer sowie für die Löschung von Daten sollten klar sein – und es muss nachvollziehbar sein, inwiefern diese Praktiken die regulatorischen Verpflichtungen nach der EU-DSGVO und anderen gesetzlichen Anforderungen erfüllen.
 

PLANUNG UND KOMMUNIKATION

Planung und Kommunikation sind wesentlicher Teil einer erfolgreichen Governance-Strategie. Schlüsselpersonen – typischerweise IT-, Datenschutz-, Rechtsexperten, Geschäfts- sowie Personalabteilungen und Mitarbeiter, die sich mit personenbezogenen Daten befassen – sollten bei gemeinsamen Gesprächen ein Daten-Mapping erstellen: die Beschreibung der einrichtungsspezifischen Datentypen, der technischen Infrastruktur und der Speicherlösungen etc.


BESTÄTIGUNG UND NACHHALTIGE BEOBACHTUNG

Eine nur unregelmäßige Überwachung der personenbezogenen Daten genügt nicht mehr den neuen Anforderungen. Kontinuierlich verschiebt sich das Mapping der personenbezogenen Datenlandschaft. Daher muss ein proaktiver und fortlaufender Ansatz für das Gebiet der Information Governance sicherstellen, dass die Einrichtungen auch mit zukünftigen Entwicklungen und Verschiebungen umgehen können.
Mit der Datenschutz-Grundverordnung ist die Selbstverantwortung im Datenschutz erheblich gestiegen. Die Erfüllung der vielfältigen Rechenschaftspflichten ist den Datenschutz-Aufsichtsbehörden nachzuweisen, insbesondere durch genehmigte Verhaltensregeln oder Zertifizierungsverfahren sowie Datenschutzsiegel und -prüfzeichen. Falls die Rechenschafts- und Nachweispflichten nicht erfüllt werden können, droht das Haftungs- und Sanktionsregime der DSGVO.
Jedoch kann die Einhaltung regulatorischer Vorgaben bei der etwaigen Verhängung von Geldbußen und deren Höhe gebührend von den Datenschutz-Aufsichtsbehörden berücksichtigt werden, sodass z.B. Datenschutz-Audits Haftungsrisiken deutlich minimieren können.

(Literatur beim Verfasser)

H. Hanika, Ludwigshafen

 

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Ausgabe: 02/2019
Das Potenzial der digitalen Transformation ausloten

Die Digitalisierung ist in der modernen Zahnmedizin allgegenwärtig

 

Informations- und Kommunikationstechnologien sind die Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Sie werden Prozesse in nahezu allen Lebens-, Gesellschafts- und Wirtschaftsbereichen massiv verändern. Die Akteure und Verantwortlichen dieser Bereiche stehen heute und noch mehr in der Zukunft vor komplexen Aufgaben. Es gilt, ein großes Veränderungspotenzial auszuloten und entsprechende Strategien und Handlungsoptionen zu entwickeln sowie den Rechtsstand für die Handhabung großer Datenmengen und entsprechender To-dos zu nutzen.
Eine Vielzahl neuer Gebiete muss dabei bearbeitet werden: von Big Data, über Datenschutz, Digitalisierung der Arbeitswelt bis Mobile Health, Medizinprodukterecht sowie ethischen Aspekten.
Medizin und Zahnmedizin stehen aufgrund von digitalen Technologien, Big Data, künstlicher Intelligenz, Robotik und autonomen Systemen vor großen Veränderungen. Die zahnmedizinische Praxis und Forschung befinden sich bereits mitten in der digitalen Transformation, angetrieben von einer Vielzahl von Innovationen.
Digitalisierte (zahn-)medizinische Aufnahmen sowie Gesundheits- und Krankheitsdaten können einen gewaltigen Datenpool bereitstellen mit anonymisierten Fällen, deren Analyse dazu beitragen kann, dass Krankheiten besser erforscht und geheilt werden können. Künstliche Intelligenz und Robotik können Diagnostik und Therapie verbessern. Dazu muss geklärt werden, was ethisch und rechtlich möglich, medizinisch sinnvoll und wirtschaftlich ist. Verändern werden sich zukünftig auch die Beziehung zwischen Arzt und Patient, der digitale Workflow sowie die digitale Arbeitswelt.
Angesichts der zunehmenden digitalen Transformation der Zahnmedizin kommt dem Datenschutz und der Informationssicherheit eine herausragende Bedeutung zu. Die im Mai 2018 in Kraft getretene DSGVO und weitere Datenschutz- Anpassungs- und -Umsetzungsgesetze zwingen die Akteure und Verantwortlichen, sich intensiv mit dem Datenschutz auseinanderzusetzen. Diesem Thema ist der erste Beitrag (Seite 158) von „Henrys Gedankensplittern“ gewidmet.

Abb.: AdobeStock - fotohansel

 

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Ausgabe: 02/2019
Fit in Sachen Datenschutz

Die DGI hat ihre Hausaufgaben gemacht, um die Vorstände ihrer Landesverbände und die Leiter der Qualitätszirkel zu schützen


Im Mai vergangenen Jahres schickte die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ihre Schockwellen durchs Land. Es wurde zwar auch Panikmache betrieben, dennoch war und ist viel zu tun. Dies gilt auch für die DGI. Sie ist als gemeinnütziger Verein besonders vulnerabel: Die Vorstände haften persönlich für Fehlverhalten, selbst wenn dieses ohne böse Absicht und irrtümlich geschieht.

Was es bedeutet, wenn man verdächtigt wird, gegen die DSGVO verstoßen zu haben, musste youvivo-Geschäftsführer Holger Vogelmann bereits im vergangenen Jahr erfahren. Der Empfänger eines Newsletters war davon überzeugt, dass er dafür nie sein Einverständnis gegeben hatte, und forderte alle Belege an, die dieses Einverständnis beweisen können. „Das hat unser Team einige Tage intensiv beschäftigt“, sagt Vogelmann, „denn wir mussten viele Unterlagen durchforsten, um zu beweisen, dass wir nicht gegen geltendes Recht verstoßen haben.“
Inzwischen hat der DGI-Vorstand zusammen mit dem Team von youvivo und dem Datenschutzbeauftragten der DGI, Dr. Thomas H. Lenhard (Rodalben), die erforderlichen Datenschutz-Hausaufgaben gemacht. Dabei war Eile geboten, weil einzelne Behörden bereits hohe Bußgelder verhängt hatten.
„Es war und ist dem DGI-Vorstand wichtig, dass alles unternommen wird, um die Vorstände der Landesverbände und QZ-Leiter, die sich für Kolleginnen und Kollegen und die DGI sehr engagieren, ebenso wie den Verein insgesamt zu schützen“, sagt DGI-Vizepräsident Prof. Dr. Florian Beuer MME (Berlin), zu dessen Aufgabengebiet im Vorstand die Kooperation mit den Landesverbänden gehört.
Aus diesem Grund werden alle bundesweiten (elektronischen) Newsletter und Einladungen der DGI schon seit längerer Zeit über ein zentrales Newsletter-Tool verschickt. Denn gerade bei der elektronischen Kommunikation per E-Mail sind die rechtlichen Anforderungen an den Datenschutz hoch und viele Fehler möglich.
Das standardisierte Template von DGI und youvivo für Newsletter und E-Mails enthält alle juristisch erforder-
lichen Inhalte (Datenschutzhinweise, Möglichkeiten zur Abmeldung etc.). Ebenso ist sichergestellt, dass Abmeldungen der Adressaten sorgfältig umgesetzt und durch Rückkoppelungen dokumentiert werden. Bedient wird dieses Tool von Mitarbeitern der DGI-Fortbildung, der Mitgliederverwaltung und dem Kommunikationsteam der DGI.

Zentrales Newslettertool. Der Vorstand der DGI hatte bereits am 16. Januar beschlossen, dass zukünftig auch regionale Newsletter und Einladungen der Landesverbände und Qualitätszirkel (QZ) über dieses zentrale Newsletter-Tool verschickt und alle Empfängerdaten zentral bei der DGI-Fortbildung verwaltet werden. Dies dient der Rechtssicherheit und entlastet die Landesverbände und Qualitätszirkel von Arbeiten wie der Verwaltung und rechtskonformen Speicherung der Adressen, was aufwendig und heikel ist.
Die Vorstände der Landesverbände und Leiter der Qualitätszirkel schicken seitdem ihre Informationen sowie mögliche Anhänge (PDFs) an das Team
der DGI-Fortbildung (lehmann@dgi-fortbildung.de). Den Rest übernimmt das Team von DGI und youvivo: die Selektion der Anschriften der regionalen DGI-Mitglieder und Nichtmitglieder sowie den Versand. Die Vorstände werden über die Reichweiten und Klickzahlen informiert.

Die Mailflut eindämmen. Diese Aussendungen sind prinzipiell jeden zweiten Mittwoch im Monat möglich – im Wechsel mit den freitags verschickten DGI-Informationen, damit die Newsletter-Zahl im Rahmen bleibt. Die Frühjahrstagungen der Landesverbände werden sowohl auf der Website der Fortbildung unter www.dgi-fortbildung.de als auch einmal im bundesweiten Newsletter veröffentlicht und beworben, sobald alle Informationen vollständig vorliegen und Onlinebuchungen möglich sind. Weitere Aussendungen sind auf das jeweilige Bundesland begrenzt, bzw. bei Qualitätszirkeln auf einen Radius von 50 Kilometern, damit es nicht zu ungewollten Überschneidungen mit anderen QZs kommt. In dünn besiedelten Regionen oder Regionen mit geringem Fortbildungsangebot sind individuelle Lösungen möglich.
Alle Mitglieder der DGI werden bei Eintritt in die Gesellschaft gefragt, ob sie Informationen per E-Mail oder Newsletter von der DGI erhalten wollen. Dem stimmen die Neumitglieder in den meisten Fällen zu. (Selbstverständlich kann diese Zustimmung jederzeit widerrufen werden.)

Adressen von Nicht-Mitgliedern. Anders verhält es sich mit den Adressen von Nicht-Mitgliedern, die bei Landesverbänden oder Qualitätszirkeln in den letzten Jahren gesammelt und für Einladungen verwendet wurden. Diese müssen aus Datenschutzgründen überprüft und professionell verwaltet werden. Ebenso müssen diese Nicht-Mitglieder korrekt über die Nutzung ihrer Adressen informiert und Abmeldungen entsprechend der juristischen Vorgaben erfasst werden. Dies ist nur möglich, wenn diese Daten – wie die Mitgliederdaten der DGI – zentral verwaltet werden.
Darum wurden die Vorstände der Landesverbände sowie die Qualitätszirkel-Leiter bereits Mitte Februar gebeten, die von ihnen gesammelten Adressdaten der Nichtmitglieder an die DGI-Fortbildung zu schicken. Dabei gilt es zu beachten, dass nur Adressen, die vor dem 25. Mai 2018 erhoben wurden, in den zentralen Daten-Pool übernommen werden dürfen. Nichtmitglieder, deren Daten nach diesem Stichtag erhoben wurden, müssen persönlich kontaktiert, etwa per Telefon, und um Zustimmung gebeten werden, dass der Datensatz weiterhin verwendet werden darf. Ansonsten muss dieser Datensatz gelöscht werden.

Neue Mitglieder gewinnen. Natürlich dienen die Veranstaltungen der DGI auch dazu, neue Mitglieder zu gewinnen. Dieses soll und wird auch weiterhin möglich sein – allerdings leider nur unter Beachtung der erforderlichen rechtlichen Kautelen. Um Nichtmitglieder rechtskonform anzusprechen, wird die youvivo GmbH Adressen von Zahnärztinnen und Zahnärzten erwerben und diese Daten den Landesverbänden zur Verfügung stellen, die die youvivo GmbH mit der Organisation ihrer Veranstaltungen beauftragen.

Barbara Ritzert, Pöcking

Foto: iStock / matejmo

 

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Ausgabe: 02/2019
Hands-on-Premiere

Der komplette digitale Workflow am Schweinekiefer

 

Es war für alle Beteiligten eine Premiere: Die Teilnehmer der Frühjahrstagung des Landesverbandes Norddeutschland im DGI e.V. trainierten den digitalen Workflow einer schablonengeführten Sofortimplantation am Schweinekiefer von A bis Z.

„Wir waren uns nicht ganz sicher, ob es funktionieren würde“, sagt schmunzelnd Prof. Dr. Florian Beuer MME (Berlin), Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie. „Aber wir haben es geschafft, dass die Premiere dieses besonderen Hands-on-Trainings wie am Schnürchen lief.“ Der Landesverband Norddeutschland in der Deutschen Gesellschaft für Implantologie hatte den Direktor der Abteilung für zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre an der Charité für seine Frühjahrstagung zum Thema „Implantate im digitalen Workflow“ Anfang März im noblen Norddeutschen Regattaverein an der Hamburger Außenalster gewinnen können.
Neben der perfekten Location und einem spannenden Programm hatten sich die Organisatoren und der Referent für diese Tagung jedoch noch etwas ganz Besonderes ausgedacht: Das Sahnehäubchen der Veranstaltung war zweifelsohne der vorgeschaltete, praktische Teil am ersten Tag des Symposiums: Die Teilnehmer konnten eine komplette implantologische Behandlung von der Extraktion über die schablonengeführte Sofortimplantation bis hin zum Einsetzen der provisorischen Krone an Schweinekiefern trainieren.
Die entscheidenden Vorarbeiten dafür leisteten Professor Beuer und sein Team in Berlin: Alle Schweinekiefer wurden vor dem Kurs zunächst im DVT gescannt. Auf der Basis dieser Daten produzierte das Bremer Dental-Unternehmen Bego Bohrschablonen und lieferte diese mit entsprechenden Implantaten und Abutments an den Kursort. Dort nahmen die Teilnehmer eine Extraktion an „ihrem“ Schweinekiefer vor und inserierten – bohrschablonengeführt – ein Sofortimplantat. Die ebenfalls im Vorfeld hergestellten individuellen Abutments wurden aufgeschraubt und die inserierten Implantate mit provisorischen Kronen versorgt.
„Beeindruckend waren der komplikationslose Ablauf aller Arbeitsschritte und die Passgenauigkeit der eingesetzten Implantate und provisorischen Kronen – zumal diese Art der praktischen Arbeit sowohl für Professor Beuer als auch für das Unternehmen eine Premiere war“, sagt Dr. Dieter Edinger, der Vorsitzende des Landesverbandes. Dem Referenten gebühre für diese hervorragende Organisation großer Dank und ein besonderes Lob.
Neben dieser handfesten Erfahrung konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch viel praktisches Wissen mit zurück in ihren Praxisalltag nehmen. Professor Beuer gab am zweiten Tag einen Überblick über die aktuellen digitalen Techniken und Materialien in der Zahnheilkunde und Zahntechnik und beschrieb Stärken und Schwächen der einzelnen Behandlungsmöglichkeiten. Er gab auch Empfehlungen, worauf man bei der Wahl eines Intraoralscanners achten sollte – und Ratschläge zum ergonomischen Scanverlauf. Der Intraoralscanner sei, so Professor Beuer, mittlerweile nicht nur bei der Genauigkeit und der Möglichkeit zur Korrektur, sondern auch in der Geschwindigkeit der analogen Technik überlegen. Inzwischen lassen sich alle Versorgungsformen – von der Einzelzahnkrone bis zur digitalen Totalprothese – digital herstellen. Aber auch Zahnärztinnen und Zahnärzte, die (noch) nicht digital ausgerichtet arbeiten, erhielten praktische Tipps, etwa für die geeignete Keramikwahl bei verschiedenen Kronentypen.

Barbara Ritzert, Pöcking

Foto: Dr. Edinger
Foto: Dr. Edinger
Foto: Dr. Edinger

 

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Ausgabe: 02/2019
Disputatio als Format

Der DGI-Kongress findet zum dritten Mal in Hamburg statt

 

Der erste DGI-Kongress fand vor 25 Jahren noch ausreichende Räumlichkeiten in Baden-Baden. Danach tourte die Tagung durch viele verschiedene Städte – von Aachen bis Leipzig, von Münster bis München. Doch nach der Jahrtausendwende schrumpften mit den steigenden Teilnehmerzahlen die Auswahlmöglichkeiten für die Kongressorte. Es boten nur noch die Großstädte Konferenzzentren mit ausreichenden Räumlichkeiten für bis zu 2000 Teilnehmer.
Die Statistik zeigt, dass DGI-Kongresse jeweils zwei Mal in Dresden, Düsseldorf, Frankfurt und München stattfanden, Berlin war drei Mal Gastgeber für Gemeinschaftstagungen, und Wiesbaden bot mit seinem neuen Kongresszentrum 2018 zum ersten Mal einen eleganten Rahmen für das Treffen der DGI-Familie.
 

STOFF FÜR EINE LEBHAFTE UND SPANNENDE TAGUNG

2019 wird der Kongress nun auch zum dritten Mal in Hamburg stattfinden. Die Hansestadt scheint als Kongressstadt besonders attraktiv zu sein. Jedenfalls gehören die DGI-Kongresse in dieser Stadt aufgrund vieler Teilnehmer zu den besonders erfolgreichen. Die beiden Kongresspräsidenten Prof. Dr. Florian Beuer (Berlin) und Prof. Dr. Frank Schwarz (Frankfurt a. M.) haben ein spannendes Programm zusammengestellt, das sicherlich dafür sorgen wird, dass auch dieser Kongress mit einer großen Teilnehmerzahl punkten kann. Unter dem Motto „Konzepte im Wettstreit“ hat das Präsidentenduo die Disputatio zum dominanten Format gemacht. Schon immer gehörten die Diskussionen zwischen Expertinnen und Experten, die ihre jeweiligen Konzepte und Lösungsmöglichkeiten bei verschiedenen Fragestellungen präsentierten, zu den besonders beliebten Formaten der DGI-Kongresse. „Wir setzen ganz konsequent auf Interaktion und Diskussion“, sagt Professor Schwarz. „Und wir sind uns sicher, dass es dadurch lebendig und interessant wird“, ergänzt Professor Beuer.
Wie immer werden die Moderatoren, deren Verantwortung die DGI in den letzten Jahren deutlich ausgeweitet hat, zu Beginn der Sitzung in das Thema einführen und die Diskussion leiten. Die Experten, die ihr jeweiliges Konzept präsentieren, sind ebenfalls stark gefordert. „Es geht nicht um den schönsten Fall“, erklärt Professor Beuer, „sondern die Expertinnen und Experten müssen quasi als Anwalt ihres Konzepts auftreten.“ Von ihnen wird eine Präsentation erwartet, die Wissenschaft und Praxis verknüpft.
„Wir wollen keinen Krieg der Studien, sondern wir wünschen uns Argumente, Fakten und Informationen, warum jemand auf ein bestimmtes Konzept in seiner täglichen Praxis setzt, wie seine persönliche Lernkurve war und welche praktischen Tipps er aus seinem Erfahrungsschatz an die Kolleginnen und Kollegen weitergeben kann“, sagt Professor Beuer.
Den Disputationes vorgeschaltet sind Präsentationen der DGI-Leitlinien, von denen in den letzten Jahren eine Vielzahl erarbeitet wurde. Vorgestellt und diskutiert werden in Hamburg die Ergebnisse der 3. Leitlinienkonferenz der DGI, die im vergangenen Jahr stattfand.


GUT GEMISCHTES ANGEBOT UNTERSTÜTZT DIE MEINUNGSBILDUNG
Das Prinzip, das die DGI auch in den Praxiskursen des Continuums verfolgt, wird bei diesem Kongress zum bestimmenden Element werden: Die Mischung aus Wissenschaft, Theorie, praktischer Erfahrung, Diskussionen und Hands-on. „Unsere Kolleginnen und Kollegen können verschiedene Konzepte in den Sitzungen kennenlernen und werden im neuen Format des ,Implant Village‘ diese Ideen und Konzepte auch erleben, erfahren und teilweise direkt erproben können“, sagt Professor Schwarz. Dies ist die beste Methode, sich selbst eine Meinung bilden zu können. Hinzu kommen die bewährten Tischdemonstrationen, die in Kleingruppen den Austausch mit Experten über Fragen der täglichen Praxis auf Augenhöhe bieten.
Die Konzepte im Wettstreit miteinander spannen einen weiten Bogen durch die gesamte Implantologie – von der Planung eines Eingriffs über den Implantatationszeitpunkt, Implantatmaterialien bis hin zum Disput über Vor- und Nachteile festsitzender und herausnehmbarer Versorgungen. Am Samstag stehen prothetische Konzepte auf der Agenda, es geht um Konzepte für die Augmentation von Weich- und Hartgeweben und um verschiedene Therapiekonzepte bei Periimplantitis.
Ein Bereich der Implantologie, in dem die Entwicklung derzeit besonders dynamisch verläuft, ist etwa der Implantationszeitpunkt. „Hier scheint zur Zeit ein Umdenken stattzufinden“, sagt Professor Schwarz, „was wir auch an den Entwicklungen bei den Herstellern sehen.“ Darum wird es zu diesem Thema auch erstmals eine Live-OP auf dem Kongress geben.
Ein internationales Forum gibt Einblicke in Konzepte, die in anderen Ländern verfolgt werden, und die Landesverbände Niedersachsen und Norddeutschland gestalten gemeinsam das Forum der Landesverbände zum Thema „digitaler Workflow“. Mit dabei sind auch wieder bewährte Partnerorganisationen wie die AG-Keramik, die ihr Jahrestreffen mit dem DGI-Kongress verknüpft. Die Osteology Foundation, die auch bei den letzten Kongressen der DGI ein Forum gestaltet hatte, ist in diesem Jahr mit mehreren Tischdemonstrationen vertreten. Als neuer Partner ist die Oral Reconstruction Foundation dazugekommen. Prof. Dr. Dr. Robert Sader (Frankfurt) ist der Präsident dieser Stiftung und wird ein Forum moderieren, in dessen Mittelpunkt Empfehlungen zur Versorgung des zahnlosen Kiefers stehen. Und natürlich bietet die internationale Implant expo mit mehr als 100 Ausstellern Orientierung und Informationen.
Der Kongress spricht mit seinen Foren und Themen alle Berufsgruppen an, die in der Implantologie zusammenarbeiten. Darum gibt es nicht nur Vorträge und Foren mit Input für alle Berufsgruppen, sondern es werden auch die Zertifikate an die Absolventen der verschiedenen Curricula auf den Gebieten Zahnmedizin, Zahntechnik und Teamassistenz in einer gemeinsamen Sitzung am Donnerstag, dem 28. November, am Abend vergeben.
Nicht zuletzt ist der Kongress natürlich auch ein wichtiges Forum für das Treffen mit Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen aus der DGI-Familie. „Da wird zusammenkommen und auch zusammen feiern, was in der DGI zusammengehört und was die DGI ausmacht“, schmunzelt Professor Beuer.

Barbara Ritzert, Pöcking

Foto: iStock / querbeet

 

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Ausgabe: 02/2019
Sichere Konzepte für eine individuelle Therapie

Implantate im parodontal geschädigten Gebiss: Die Prognose verbessern

 

Welche Prognose haben Implantate im parodontal kompromittierten Gebiss, und wie lässt sie sich verbessern? Diese Frage – einschließlich der prothetischen Aspekte – beleuchteten Prof. Dr. Jamal M. Stein und DGI-Fortbildungsreferent Dr. Christian Hammächer bei einem eintägigen DGI-Fortbildungskurs Anfang April in Aachen. Das Thema: Schnittstellen Implantologie, Parodontologie, Prothetik – Schwierigkeiten und Lösungen.

 

„Mit Blick auf die hohe Prävalenz der Parodontitis sowie auf das Phänomen der Periimplantitis ist es notwendig, sich mit Behandlungskonzepten zu beschäftigen, die vorhersehbar funktionieren“, formulierte Prof. Dr. Jamal M. Stein ein Anliegen dieses Kurses. 14 Teilnehmer, sieben Kollegen und sieben Kolleginnen mit unterschiedlichen Praxisschwerpunkten, konnten einen umfassenden Überblick aus Aachen mit zurück in ihre Praxen nehmen: Im Mittelpunkt standen Therapieansätze in der parodontal stark vorgeschädigten Front; es ging um die Risikoabschätzung einer Behandlung sowie um das Krisenmanagement bei Problemen im Hart- und Weichgewebe.

Im Fokus: die multidisziplinäre Betrachtung. Dr. Christian Hammächer legte den Fokus auf eine disziplinübergreifende Betrachtung aus Sicht der Parodontologie, Implantologie und Prothetik: Diese Sichtweise soll mehr Sicherheit vermitteln, wenn es darum geht, die individuelle Prognose der Zähne eines Patienten abzuschätzen.
„Unsichere“ Zähne versorgen. Entsprechend kommen für die Versorgung der als „unsicher“ beurteilten Zähne unterschiedliche Behandlungen infrage. Dr. Hammächer und Prof. Stein beschrieben in ihren Vorträgen sehr detailliert mögliche Ansätze: Neben nichtchirurgischen Methoden, die vor allem die mechanische Reinigung, Wurzelglättung und eine antiinfektiöse Therapie umfassen, präsentierten sie – gestützt auf Videosequenzen – auch chirurgische Techniken, mit denen die Situation des Weichgewebes an Zahn und Implantat verbessert werden kann.
Um Therapieentscheidungen bei einer unsicheren Prognose zu erleichtern, präsentierten die beiden Experten einen Leitfaden, der auch die endodontische Prognose, die strategische Wertigkeit von Zähnen für die gesamte Rehabilitation sowie ästhetische Aspekte berücksichtigt.

Gewebe konditionieren. Extraktionswürdige Zähne können temporär als provisorische Pfeiler, zur Gewebekonditionierung, beispielsweise zur forcierten Extrusion, oder zur präimplantologischen Rezes-
sionsdeckung erhalten werden. So lässt sich beispielsweise bei einer noch planbaren Extraktion das Weichgewebe mittels Tunneltechnik vor der Extraktion optimieren. Außerdem demonstrierten die beiden Referenten diverse Transplantattechniken zum Kammerhalt, gestützt auf zahlreiche Videosequenzen. Dabei betonten sie, dass individuelle Konzepte vor allem bei Versorgungen in der Oberkieferfront wichtig sind.

Vorausschauend planen. Gerade im parodontal geschädigten Gebiss erfordert die Behandlungsplanung eine langfristige Betrachtung. Dr. Hammächer und Prof. Stein wiesen darauf hin, dass es nicht einfach nur um das Überleben des Implantats geht: „Wir sehen bei den Patienten mit Implantaten die Probleme nicht nach ein bis zwei Jahren, sondern eher nach acht bis neun Jahren“, betonte Prof. Stein. „Auch eine Periimplantitis kann rezidivieren.“ Die Referenten empfahlen daher, bei der prothetischen Planung das individuelle parodontale Risikoprofil und die Patienten-anamnese zu berücksichtigen.

Vorhersagbare Ästhetik. Die Teilnehmer erhielten von Dr. Hammächer außerdem zahlreiche Ratschläge für die Entwicklung vorhersagbarer Therapiekonzepte in der ästhetischen Zone. Entscheidend sei die genaue Diagnose der Ausgangssituation: „Lachlinie, Defektmorphologie und Gingivatyp bestimmen den Therapieweg“, sagte Dr. Hammächer. Die konsequente Verbesserung von Hart- und Weichgewebe ist neben einer optimalen Implantatposition die entscheidende Voraussetzung für einen langfristigen Erfolg in diesem Indikationsgebiet und dient auch der Vermeidung von Rezessionen. Techniken zum Krisenmanagement, etwa zur Rezessionsdeckung und Periimplantitistherapie in der ästhetischen Zone, kamen hinzu. Die Referenten klassifizierten dabei die Defekte und verglichen sie mit der Therapie am Zahn.

Den Therapieerfolg sichern. Um den Therapieerfolg zu sichern, sind neben einer guten Compliance der Patientinnen und Patienten Konzepte zur Behandlung der Entzündungen vor und nach der Implantation entscheidend wichtig. Prof. Stein wies darauf hin, dass das Wissen über Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Parodontitis und Periimplantitis in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen ist: „Wir wissen heute, dass es sich nicht um dieselbe Erkrankung handelt, auch wenn es klinisch zwischen den beiden Erkrankungen viele Ähnlichkeiten gibt und sich die Therapieansätze kaum unterscheiden.“ So entwickeln sich periimplantäre Läsionen beispielsweise deutlich schneller als parodontale.
Zur Behandlung stehen mit der mechanischen Dekontamination (z.B. mittels Pulverwasserstrahlgeräten), der Desinfektion, einer lokalen und/oder systemischen Antibiose sowie mit korrektiver Chirurgie Methoden zur Verfügung, die je nach Fortschritt der Periimplantitis angewendet werden. Bei den chirurgischen Verfahren kommen regenerative und resektive Konzepte zum Einsatz, die von den Referenten mittels Fallbeispielen erläutert wurden.

Individuelle Faktoren bei Patienten beachten. Zusätzlich müssten aber, so die beiden Referenten, patientenindividuelle Faktoren ausreichend berücksichtigt werden: Welche Wünsche hat ein Patient? Wie ist sein Erwartungshorizont die Behandlungszeit betreffend? Raucht der Patient? Liegen andere Erkrankungen vor? Vor allem bei umfangreichen Rehabilitationen sind die Anforderungen komplexer als bei Einzelzahnversorgungen. Und, darauf wiesen die Referenten eindringlich hin: Es gibt nicht den einen Königsweg, der für alle Patienten passt.
Die Individualität der Patientensituationen bewegte viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kurses. Etliche nutzten darum in den Pausen und auch nach der Veranstaltung die Gelegenheit, mit den Referenten an Tablets ausgewählte Patientenfälle zu diskutieren, die sie mit zur Veranstaltung nach Aachen gebracht hatten. Der interdisziplinäre Gedanke, der Blick aus verschiedenen Perspektiven – diese Kernthemen der Fortbildung nahmen im Austausch direkt vor Ort Gestalt an.

Britt Salewski, Köln

Foto: Salewski

Foto: Sascha Gast/Bilderrausch

Foto: Sascha Gast/Bilderrausch

 

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EDITORIAL
Ausgabe: 01/2019
Die „neue“ DGI

Jahrestagung signalisiert Aufbruchstimmung

Dr. Sonia Mansour, M.Sc.

Auf der sehr erfolgreich verlaufenen Jahrestagung 2018 der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) in Wiesbaden haben die zahlreich erschienenen Mitglieder einen neuen Vorstand für die kommenden drei Jahre gewählt. Auch wir – die Redaktion der ZZI – gratulieren dem neuen Vorstand zur Wieder- und Neuwahl und wünschen gutes Gelingen, neue Ideen und viel Unterstützung für die Umsetzung der anstehenden Aufgaben!
Mir liegt es besonders am Herzen, die Chancen, die sich der DGI im Hinblick auf Weiterentwicklung und Innovationen bieten, hervorzuheben und den Vorstand sowie die Mitglieder zur aktiven Teilnahme an der Gestaltung der Zukunft zu motivieren. Die momentanen Entwicklungen in allen Bereichen samt spannender Umbrüche und Paradigmenwechsel können wir gerade jetzt miterleben. So eröffnet uns die Digitalisierung gefühlt unendlich viele Möglichkeiten. Man denke nur an Konzepte, die „Augmented Reality“ oder „Artificial Intelligence“ nutzen und die auch in der Zahnmedizin immer konkreter werden. Das ist längst keine Zukunftsmusik mehr: Die Musik spielt jetzt! Die Digitalisierung betrifft aber nicht nur die fachliche Entwicklung, sondern auch die Präsenz und die Verfügbarkeit von Inhalten der DGI. Zweifellos ist da in letzter Zeit schon viel passiert.
Mit der erstmaligen Wahl einer Kollegin in den Vorstand befinden wir uns mitten in dieser zukunftsorientierten Weiterentwicklung. Dass das im 21. Jahrhundert in einem Industrieland überhaupt noch Erwähnung finden muss, wundert leider nicht. Die Debatte der „Frauenquote“ hat schon viele andere Industriezweige und Institutionen erreicht und wird dort ebenfalls geführt. Ich sehe das als Zeichen, dass wir das Potenzial nutzen, das sich uns bietet, egal ob männlich oder weiblich. Und trotzdem fühlt es sich gut und „richtig“ an, dass die Gesellschaft diese „Genderdiskussion“ nicht verpasst. Für meinen Geschmack hätte das schon viel früher stattfinden können. Denn sicherlich hilft eine Kollegin im Vorstand, dass sich die Mitglieder mit „ihrer“ Gesellschaft mehr und mehr identifizieren können. Und dem hat sich die DGI als gemeinnütziger Verein ja verschrieben.
An der bewährten Mischung aus Wissenschaftlern und Praktikern wird festgehalten. Dies hat gerade in der DGI eine lange Tradition, die für eine Balance sorgt, die anderswo ihresgleichen sucht. Die verstärkte Repräsentanz von Prothetikern kann ich ausdrücklich nur begrüßen. Denn auch wenn noch nicht alle Kolleginnen und Kollegen implantieren, mit der Implantatprothetik sind viele Zahnärztinnen und Zahnärzte sehr vertraut. Sie gehört mittlerweile zur täglichen Praxisroutine.
Ich persönlich fühle eine Art „Aufbruchstimmung“ in der DGI mit dem Mut, neue Wege zu beschreiten und mit der Zeit zu gehen. Damit bleibt diese für die Zahnmedizin so wichtige Gesellschaft modern und zukunftsweisend. Ich kann es kaum erwarten, was die DGI in der Zukunft für uns parat hält, und die gesamte Redaktion der ZZI freut sich auf eine weitere gute Zusammenarbeit. Die Erwartungen sind groß, packen wir’s an!

 

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Ausgabe: 01/2019
25. Geburtstag: gewappnet für die Zukunft

25 Jahre ist ein gutes Alter, um die Weichen für eine weitere, langfristige Entwicklung zu stellen.

Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz

 

Ihrer Altersgruppe nach gehört die DGI zur Generation Y, den sogenannten Millennials. Diesen wird nachgesagt, dass sie Dinge gerne hinterfragen. Ebenso gelten die Millennials als Meister des Improvisierens. Intensives Arbeiten und lebenslanges Lernen sei für sie selbstverständlich, sagen Soziologen, aber sie hätten gelernt, mit ihren Kräften zu haushalten.

Solche sympathischen Eigenschaften lassen sich in der einen oder anderen Ausprägung durchaus auch bei der DGI beobachten – präzise: bei ihren Aktivitäten. Schließlich sind es Menschen, die die DGI zu dem gemacht haben, was sie ist: zur größten Fachgesellschaft Europas auf ihrem Gebiet. Sie treibt als ein starker Motor die Entwicklung in der Implantologie voran.
Am 19. März 2019 wird die DGI 25 Jahre alt. Bei Menschen gilt der 25. Geburtstag generell als ein guter Zeitpunkt, zu überlegen, wie es weitergeht. Auch bei einer Gesellschaft, die in 25 Jahren groß und kräftig geworden ist, die vieles geleistet hat und dies weiterhin tut, ist es sicherlich sinnvoll, sich einige Gedanken über die Zukunft zu machen. Dies hat der Vorstand der DGI getan.

Kommunikation. Wir werden sicherlich viele Dinge, die die DGI schon seit vielen Jahren gut macht, weiter ausbauen. Dazu gehört beispielsweise die Zusammenarbeit mit den Landesverbänden. Auch die Kommunikation innerhalb unseres Vereins wollen wir intensivieren. Dies ist bei 8500 Mitgliedern durchaus eine Herausforderung. Doch wir machen die Erfahrung, dass Gesprächsangebote gerne angenommen werden. Unsere Einladung „Triff den Vorstand“ zum Auftakt unseres 32. Kongresses der DGI in Wiesbaden stieß auf großes Interesse, vor allem bei vielen jüngeren Mitgliedern. Viel positives Feedback bekam unser neue Fortbildungsreferent Dr. Christian Hammächer, als er unsere Mitglieder bat, ihm Wünsche und Vorstellungen zu schicken, wie unsere Fortbildung gemeinsam weiterentwickelt werden könnte. Einiges haben wir bereits in Angriff genommen.

Kooperation. Ausbauen wollen wir eine Aktivität, die bereits in den letzten Jahren begonnen hat: die Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften. Bereits der letzte Vorstand hat mehrere Kooperationen auf den Weg gebracht. Zuletzt unterzeichneten die amtierenden Präsidenten anlässlich des 32. Kongresses eine Kooperationsvereinbarung zwischen der DGI und der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Zahnmedizin. Enger geworden ist der Austausch mit der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie. Gestartet wurde eine erste Zusammenarbeit von DGI und DG Paro auf der internationalen Ebene mit einer parodontologischen Gesellschaft in Spanien, der SEPA.
Aber wir schauen auch über den Tellerrand der Zahnmedizin hinaus. Wir sind in Gesprächen mit der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Diese Zusammenarbeit wird deshalb immer wichtiger, weil bei uns der Anteil von Patientinnen und Patienten wächst, die an inneren Erkrankungen leiden. Um diese gut zu behandeln, brauchen wir die Zusammenarbeit und den Austausch mit den Internistinnen und Internisten.

Positionen. Weitergehen wird die Leitlinienarbeit der DGI, die auf diesem Gebiet eindeutig zu den Pionieren in der Zahnmedizin gehört. Mit den Leitlinien stehen uns Handlungsempfehlungen auf höchstmöglicher qualitativer Ebene zur Verfügung. Sie verbinden die externe Evidenz und Studienlage mit unserer persönlichen Expertise, unserer Erfahrung und Empirie sowie mit den Wünschen unserer Patienten. Das macht den besonderen Wert der Leitlinien aus.
Die Bedeutung von Handlungsempfehlungen für die Implantologie wächst auch deshalb, weil die Kontraindikationen schwinden und die Indikationen erweitert werden. Wenn es für uns heute eine Selbstverständlichkeit ist, bei Diabetikern zu implantieren, müssen wir uns dennoch fragen, ob wir wirklich bei allen Diabetikern die Indikation für eine Implantation stellen dürfen. Dies fragen sich auch Kolleginnen und Kollegen, wenn es um eine Implantation bei Patienten geht, die mit Antiresorptiva – etwa Bisphosphonaten oder Denosumab – behandelt werden. Dann können Leitlinien helfen, im Einzelfall die richtige Antwort zu finden.

Fortbildung. Die Fortbildung ist das Herz der DGI und ihre satzungsgemäße Aufgabe. Da sieht der DGI-Vorstand zukünftig Entwicklungsarbeit. Wir können davon ausgehen, dass die Implantologie auch in der Zukunft kaum in der Approbationsordnung umfangreich abgebildet werden kann. Dafür reicht einfach die Zeit im Studium nicht aus. Die Implantologie wird darum weiterhin als Querschnittsfach erst nach der Approbation einen zentralen Teil der Fortbildung darstellen können. Für diese Zukunft ist die DGI mit ihrem umfangreichen Fortbildungsportfolio bestens gerüstet.
Unser strukturiertes und zertifiziertes Curriculum Implantologie, das wir zusammen mit der APW anbieten, ist bislang das erfolgreichste Curriculum in der deutschen Zahnmedizin – und das soll es weiterhin bleiben. Dazu trägt unser e-Learning-Programm bei, die e.Academy. Das Curriculum richtet sich vor allem an die jungen approbierten Zahnärztinnen und Zahnärzte. Unser neues Mentorenprogramm, das in diesem Jahr erstmals greifen wird, soll diese jungen Kolleginnen und Kollegen auf ihrem beruflichen Weg unterstützen. Es stehen 80 Mentorinnen und Mentoren zur Verfügung, die sich bereit erklärt haben, die Teilnehmer des Curriculums sowie frühere Absolventen, die sich auf ihre Prüfung vorbereiten, bis zur Zertifizierung zu begleiten.
Die Tageskurse des Continuums vermitteln das aktuelle Wissen zu verschiedenen Aspekten und im neuen Format DGI Special beleuchten Experten verschiedener Fachrichtungen gemeinsam ein Thema, das zurzeit intensiv diskutiert wird. Hinzu kommen die vielen Angebote auf der Ebene der Landesverbände und der Qualitätszirkel, sodass letztlich für den Geschmack jedes einzelnen Mitglieds etwas dabei sein dürfte.

Implantologie – das Fach mit Zukunft. Gut vorbereitet sehen wir unser Fachgebiet und die DGI für weitere (medizinische) Herausforderungen der Zukunft. Der völlig unbezahnte Patient, der nach längerer Zahnlosigkeit noch aufwendige Augmentationen benötigt, wird zunehmend zu einer Seltenheit. Diese Indikation schwindet, während andere an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig werden die Patienten älter, die wir implantologisch versorgen. Diese Patienten leiden jedoch häufiger an Allgemeinerkrankungen und werden oft mit einer Vielzahl von Medikamenten behandelt. Die Behandlungsoptionen bei kompromittierten Patienten bleiben eine Herausforderung. Wir müssen uns Gedanken machen, ob ein Implantat für einen ganz alten Patienten mit vielfältigen Erkrankungen bis hin zu Demenz ein Handicap darstellen kann oder nicht. Wie kommt der Patient oder das Pflegepersonal damit zurecht? Doch wenn man den Gedanken zu Ende denkt, hat das Implantat einen wichtigen Vorteil: Es ist ohne operative Eingriffe rückbaubar, wenn es nicht mehr benötigt wird. Eine Konusarbeit auf einem natürlichen Zahn hingegen kann für Pflegekräfte gefährlich werden, wenn die Prothese nicht mehr getragen wird. Die Implantologie ist also für diese Phase des Lebens der Patienten gut gewappnet.

 

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